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Zentralbanken: Sitzungen im Dezember versprechen neue Erkenntnisse
14.12.18 11:33
Weberbank
Berlin (www.anleihencheck.de) - Wer sich zu früh auf eine besinnliche Weihnachtszeit eingestellt hat, wurde in den letzten Wochen von den Finanzmärkten eines Besseren belehrt, so Jan Nießen von der Weberbank.
Da weder Politiker noch Zentralbanken bereit seien, Geschenke zu verteilen, stehe uns ein turbulentes Jahresende mit jeder Menge Potential für Überraschungen bevor. Aufgrund der Fülle an aktuellen Themen werde an dieser Stelle auf den obligatorischen Jahresrückblick verzichtet und stattdessen ein Blick auf das aktuelle Geschehen geworfen.
Über einen aktuellen politischen Prozess zu schreiben, berge eine Herausforderung, die eben darin liege, dass es ein aktueller Prozess sei. Genauso verhalte es sich momentan mit den Entwicklungen rund um den Brexit. Beim Versuch, einen Kommentar zu diesem Thema zu verfassen, würden die Ereignisse immer wieder das geschriebene Wort überholen. Zu Beginn der Woche sei noch mit Spannung die für Dienstag angesetzte Abstimmung im britischen Unterhaus erwartet worden. Diese sollte klären, ob die von Premierministerin May ausgehandelte Vereinbarung mit der EU die Akzeptanz der britischen Politiker finde. Da sich aber bereits im Vorfeld abgezeichnet habe, dass die Abstimmung zu Ungunsten Mays ausgehen würde, habe sich die Regierung im Laufe des Montags für eine Verschiebung entschieden.
Diese Entscheidung sei von den Marktteilnehmern im Sinne eines höheren Risikos für einen ungeordneten Austritt interpretiert und umgehend mit einer deutlichen Abwertung der britischen Währung bestraft worden. Eine weitere Reaktion auf die Verschiebung seien zunehmende Gerüchte über ein Misstrauensvotum ihrer eigenen Partei gegen die Regierungschefin gewesen, welche sich am Mittwochvormittag bestätigt hätten. Nachdem Theresa May dieses Votum am späten Mittwochabend erfolgreich überstanden habe und folglich ihr Amt weiterhin ausüben dürfe, bleibe die Situation festgefahren. Die Hoffnungen lägen momentan auf dem Ende der Woche stattfindenden EU-Gipfel. Möglicherweise könnte hier von den EU-Regierungschefs weiteres Entgegenkommen bezüglich der Austrittsvereinbarung signalisiert werden, um May ein Durchsetzen ihrer Brexitvorstellungen in der Heimat zu erleichtern.
Gegen dieses Szenario würden allerdings die Äußerungen diverser europäischer Politiker sprechen, die das bereits ausgehandelte Abkommen nicht mehr würden antasten wollen. In der aktuellen Situation rund um den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union lasse sich der weitere Verlauf kaum prognostizieren. Sicher scheine nur, dass auch weiterhin mit Überraschungen zu rechnen sei. Dementsprechend sei eine zurückhaltende Positionierung in Bezug auf Brexit-Risiken ratsam, um weiteren Verwerfungen vorzubeugen.
Ein ungewohntes Gefühl habe sich in den letzten Wochen für Finanzmarktakteure eingestellt, die sich mit der Politik der großen Zentralbanken, also der FED in den USA und der EZB in Europa, beschäftigen würden. Während die regelmäßigen Sitzungen, in denen über die Höhe des Leitzinses entschieden werde, in den letzten Jahren weitestgehend vorhersehbare Ergebnisse produziert hätten, sei zuletzt Unsicherheit aufgekommen.
In Europa hätten eine schwächere Inflation und Sorgen über die Konjunktur dafür gesorgt, dass die Marktteilnehmer ihre Einschätzung bezüglich der ursprünglich für Ende 2019 erwarteten Zinserhöhung und der damit einhergehenden Beendigung des Nullzinsumfeldes teilweise revidiert hätten. Vonseiten der EZB sei auf ihrer Sitzung am Donnerstag aber immerhin insofern für Beruhigung gesorgt worden, als dass sie angekündigt habe, an dem von ihr aufgestellten Fahrplan festzuhalten und 2019 aus dem Anleihekaufprogramm auszusteigen.
Wie schon in Europa hätten auch in den USA die Teuerungsraten enttäuscht, wodurch die FED keine Veranlassung mehr sehen könnte, ihren bereits begonnen Zinsanhebungszyklus weiter in dieser Geschwindigkeit fortzuführen. So würden auch die Analysten die bislang prognostizierten drei bis vier Zinsschritte für zu optimistisch halten und eine zurückhaltendere Politik der Zentralbank erwarten. Mehr Klarheit zu diesem Thema dürfte es ebenfalls im Dezember geben, da die FED vor Weihnachten noch eine Sitzung anberaume.
Ob sich das Ergebnis allerdings positiv oder negativ auf die Märkte auswirke, sei im Vorfeld schwer abzuschätzen. Grundsätzlich dürfte ein Umfeld, in dem die Zinsen weiter niedrig bleiben würden, eher Aktien zugutekommen, da diese gegenüber Anleihen bevorzugt bleiben dürften. Allerdings hätten die Aktienmärkte gerade in diesem Jahr empfindlich auf Ungewissheit reagiert und könnten eine Verschiebung der Zinserhöhungen als Bestätigung ihrer Sorgen über eine schwächere wirtschaftliche Entwicklung interpretieren.
Die Kombination aus der vorsichtigeren Erwartung bezüglich der weltwirtschaftlichen Entwicklung und den diversen politischen Krisenherden, wie dem Handelskonflikt, dem Haushaltsstreit der EU mit Italien und dem Brexit, hätten dem Aktienmarkt in den letzten Wochen stark zugesetzt. Obwohl viele Anleger eine Korrektur von den immer neuen Allzeithochs sicherlich erwartet hätten, habe die Heftigkeit, mit der diese eingetreten sei, auch die Analysten überrascht. Besonders deutsche Aktien hätten nach einer durchwachsenen Berichtssaison teilweise massive Kursverluste hinnehmen müssen.
Dementsprechend sei es wenig verwunderlich, dass sich ein deutlicher Wechsel bei den Favoriten an den Märkten gezeigt habe. So würden auch die Analysten statt den lange Zeit beliebten Nebenwerten, also Unternehmen mit einer geringeren Marktkapitalisierung, aktuell die Schwergewichte am Aktienmarkt bevorzugen. Diese würden aufgrund ihrer Größe als sicherer gelten und eher dazu in der Lage, schwierige wirtschaftliche Phasen zu meistern. Ob diese schwierige wirtschaftliche Phase aber auch tatsächlich eintrete, gelte keineswegs als ausgemacht.
Für europäische, aber besonders für amerikanische Unternehmen würden die Analysten die Erwartungen bezüglich des Gewinnwachstums für das nächste Jahr weiterhin sehr ordentlich aussehen und Hoffnung machen, dass bei Auflösung des einen oder anderen Risikofaktors auch wieder steigende Kurse zu verzeichnen seien. Der Weg bis zu einer anhaltenden Kurserholung dürfte allerdings nicht ohne Schwankungen verlaufen, wodurch es auch im nächsten Jahr nicht einfacher werden werde, den richtigen Zeitpunkt zum Einstieg in den Aktienmarkt zu treffen. (14.12.2018/alc/a/a)
Da weder Politiker noch Zentralbanken bereit seien, Geschenke zu verteilen, stehe uns ein turbulentes Jahresende mit jeder Menge Potential für Überraschungen bevor. Aufgrund der Fülle an aktuellen Themen werde an dieser Stelle auf den obligatorischen Jahresrückblick verzichtet und stattdessen ein Blick auf das aktuelle Geschehen geworfen.
Über einen aktuellen politischen Prozess zu schreiben, berge eine Herausforderung, die eben darin liege, dass es ein aktueller Prozess sei. Genauso verhalte es sich momentan mit den Entwicklungen rund um den Brexit. Beim Versuch, einen Kommentar zu diesem Thema zu verfassen, würden die Ereignisse immer wieder das geschriebene Wort überholen. Zu Beginn der Woche sei noch mit Spannung die für Dienstag angesetzte Abstimmung im britischen Unterhaus erwartet worden. Diese sollte klären, ob die von Premierministerin May ausgehandelte Vereinbarung mit der EU die Akzeptanz der britischen Politiker finde. Da sich aber bereits im Vorfeld abgezeichnet habe, dass die Abstimmung zu Ungunsten Mays ausgehen würde, habe sich die Regierung im Laufe des Montags für eine Verschiebung entschieden.
Diese Entscheidung sei von den Marktteilnehmern im Sinne eines höheren Risikos für einen ungeordneten Austritt interpretiert und umgehend mit einer deutlichen Abwertung der britischen Währung bestraft worden. Eine weitere Reaktion auf die Verschiebung seien zunehmende Gerüchte über ein Misstrauensvotum ihrer eigenen Partei gegen die Regierungschefin gewesen, welche sich am Mittwochvormittag bestätigt hätten. Nachdem Theresa May dieses Votum am späten Mittwochabend erfolgreich überstanden habe und folglich ihr Amt weiterhin ausüben dürfe, bleibe die Situation festgefahren. Die Hoffnungen lägen momentan auf dem Ende der Woche stattfindenden EU-Gipfel. Möglicherweise könnte hier von den EU-Regierungschefs weiteres Entgegenkommen bezüglich der Austrittsvereinbarung signalisiert werden, um May ein Durchsetzen ihrer Brexitvorstellungen in der Heimat zu erleichtern.
Gegen dieses Szenario würden allerdings die Äußerungen diverser europäischer Politiker sprechen, die das bereits ausgehandelte Abkommen nicht mehr würden antasten wollen. In der aktuellen Situation rund um den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union lasse sich der weitere Verlauf kaum prognostizieren. Sicher scheine nur, dass auch weiterhin mit Überraschungen zu rechnen sei. Dementsprechend sei eine zurückhaltende Positionierung in Bezug auf Brexit-Risiken ratsam, um weiteren Verwerfungen vorzubeugen.
In Europa hätten eine schwächere Inflation und Sorgen über die Konjunktur dafür gesorgt, dass die Marktteilnehmer ihre Einschätzung bezüglich der ursprünglich für Ende 2019 erwarteten Zinserhöhung und der damit einhergehenden Beendigung des Nullzinsumfeldes teilweise revidiert hätten. Vonseiten der EZB sei auf ihrer Sitzung am Donnerstag aber immerhin insofern für Beruhigung gesorgt worden, als dass sie angekündigt habe, an dem von ihr aufgestellten Fahrplan festzuhalten und 2019 aus dem Anleihekaufprogramm auszusteigen.
Wie schon in Europa hätten auch in den USA die Teuerungsraten enttäuscht, wodurch die FED keine Veranlassung mehr sehen könnte, ihren bereits begonnen Zinsanhebungszyklus weiter in dieser Geschwindigkeit fortzuführen. So würden auch die Analysten die bislang prognostizierten drei bis vier Zinsschritte für zu optimistisch halten und eine zurückhaltendere Politik der Zentralbank erwarten. Mehr Klarheit zu diesem Thema dürfte es ebenfalls im Dezember geben, da die FED vor Weihnachten noch eine Sitzung anberaume.
Ob sich das Ergebnis allerdings positiv oder negativ auf die Märkte auswirke, sei im Vorfeld schwer abzuschätzen. Grundsätzlich dürfte ein Umfeld, in dem die Zinsen weiter niedrig bleiben würden, eher Aktien zugutekommen, da diese gegenüber Anleihen bevorzugt bleiben dürften. Allerdings hätten die Aktienmärkte gerade in diesem Jahr empfindlich auf Ungewissheit reagiert und könnten eine Verschiebung der Zinserhöhungen als Bestätigung ihrer Sorgen über eine schwächere wirtschaftliche Entwicklung interpretieren.
Die Kombination aus der vorsichtigeren Erwartung bezüglich der weltwirtschaftlichen Entwicklung und den diversen politischen Krisenherden, wie dem Handelskonflikt, dem Haushaltsstreit der EU mit Italien und dem Brexit, hätten dem Aktienmarkt in den letzten Wochen stark zugesetzt. Obwohl viele Anleger eine Korrektur von den immer neuen Allzeithochs sicherlich erwartet hätten, habe die Heftigkeit, mit der diese eingetreten sei, auch die Analysten überrascht. Besonders deutsche Aktien hätten nach einer durchwachsenen Berichtssaison teilweise massive Kursverluste hinnehmen müssen.
Dementsprechend sei es wenig verwunderlich, dass sich ein deutlicher Wechsel bei den Favoriten an den Märkten gezeigt habe. So würden auch die Analysten statt den lange Zeit beliebten Nebenwerten, also Unternehmen mit einer geringeren Marktkapitalisierung, aktuell die Schwergewichte am Aktienmarkt bevorzugen. Diese würden aufgrund ihrer Größe als sicherer gelten und eher dazu in der Lage, schwierige wirtschaftliche Phasen zu meistern. Ob diese schwierige wirtschaftliche Phase aber auch tatsächlich eintrete, gelte keineswegs als ausgemacht.
Für europäische, aber besonders für amerikanische Unternehmen würden die Analysten die Erwartungen bezüglich des Gewinnwachstums für das nächste Jahr weiterhin sehr ordentlich aussehen und Hoffnung machen, dass bei Auflösung des einen oder anderen Risikofaktors auch wieder steigende Kurse zu verzeichnen seien. Der Weg bis zu einer anhaltenden Kurserholung dürfte allerdings nicht ohne Schwankungen verlaufen, wodurch es auch im nächsten Jahr nicht einfacher werden werde, den richtigen Zeitpunkt zum Einstieg in den Aktienmarkt zu treffen. (14.12.2018/alc/a/a)


