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Zentralbanken in Schwellenländern gewinnen Vertrauen


22.12.25 11:38
Degroof Petercam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Schwellenländer werden den Industrienationen immer ähnlicher, im kommenden Jahr wird sich diese Konvergenz fortsetzen, erwarten die beiden Fondsmanager Michaël Vander Elst und Hugo Verdière von Degroof Petercam Asset Management (DPAM).

1. Stärkere Gesamtwirtschaft

Viele Schwellenländer würden heute klarere geld- und fiskalpolitische Signale als vor der globalen Finanzkrise senden. Mehr Zentralbanken seien unabhängiger, würden Inflationsziele setzen und ihre Entscheidungen transparenter kommunizieren. Zudem gebe es mehr glaubwürdige fiskalpolitische Regeln, was die Kreditkosten für Staaten senke und die Schuldentragfähigkeit verbessere, insbesondere in Krisenzeiten.

2. Besser verankerte Inflationserwartungen

In den frühen 2000er Jahren hätten die Inflationserwartungen in vielen Schwellenländern während Schocks deutlich über das Ziel hinausgedriftet. Diese Lücke habe sich verringert. Die langfristigen Inflationserwartungen während des globalen Inflationsanstiegs von 2021 bis 2023 seien laut IWF in den meisten Schwellenländern stabil geblieben, unterstützt durch rechtzeitige Zinserhöhungen und klarere Zentralbankkommunikation. In mehreren Fällen hätten sich die Erwartungen ähnlich wie in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften verhalten. Damit sei das Risiko sich selbst verstärkender Inflationszyklen gesunken und das Umfeld besser vorhersehbar.

3. Weniger anfällig gegenüber Kapitalströmen

Der JP Morgan Emerging Markets Bond Index sei der wichtigste Indikator für Staatsanleihen aus Schwellenländern in Hartwährung. In der Vergangenheit hätten sich die EMBI-Spreads stark ausgeweitet, wenn sich die globale Risikostimmung verschlechtert habe. Diese Reaktion habe sich abgeschwächt: Die Spreads würden heute in Phasen der Risikoscheu weitaus weniger ansteigen als vor der Finanzkrise. Wechselkursabwertungen würden weniger auf die inländischen Preise durchschlagen. Hier wirke sich die verbesserte Politik aus: Länder mit glaubwürdigen Fiskalregeln, geringeren Fremdwährungsinkongruenzen und stärkeren Institutionen würden geringere Spread-Schwankungen verzeichnen und sich schneller normalisieren.

4. Stabilisierende IWF-Fazilitäten

Der Zugang zu den vorsorglichen Kreditlinien des IWF wirke stabilisierend. Bereits unmittelbar nach der Ankündigung einer Flexiblen Kreditlinie (FCL) oder einer ähnlichen Vereinbarung würden die Spreads für Staatsanleihen sinken. Laut IWF würden diese Programme die Kapitalabflüsse und den Spreadanstieg verringern, etwa in Zeiten externer Schocks. Schon der mögliche Zugang zu ihnen senke das wahrgenommene Risiko.

5. Verbesserte Kreditqualität

Die durchschnittlichen Ratings der entwickelten Märkte seien aufgrund ihrer höheren Schuldenlast gesunken. Gleichzeitig hätten viele Schwellenländer ihre Bilanzen gestärkt und die Glaubwürdigkeit ihrer Politik wiederhergestellt, was ihre Ratings verbessere. Die Kluft zwischen beiden habe sich deutlich verringert.

6. Konvergenz der Volatilitäten

Sowohl bei den Staatsanleiherenditen als auch bei den Wechselkursen seien die Schwankungen anhaltend zurückgegangen. Gründe seien die glaubwürdigere Politik, mehr Investoren vor Ort und eine geringere Abhängigkeit von den Devisenmärkten.

7. Größerer und tieferer Markt

Die Zahl der Schwellenländer, die Anleihen in Landeswährung emittieren würden, sei von weniger als 20 Anfang der 2000er Jahre auf heute mehr als 70 gestiegen. Das Angebot an Staats- und Unternehmensanleihen aus Schwellenländern, sowohl in Landes- als auch in Hartwährung, sei gewachsen. Viele globale Portfolios seien jedoch im Verhältnis zur wirtschaftlichen Bedeutung dieser Märkte nach wie vor untergewichtet. Der langfristige Integrationsprozess sei also längst noch nicht abgeschlossen. (22.12.2025/alc/a/a)