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Wird eine neue Geldpolitik zu höherer Inflation führen?
26.08.21 12:30
AB
München (www.anleihencheck.de) - Angesichts der veränderten geldpolitischen Prioritäten steht die Inflation nach Einschätzung von Darren Williams, Director für Global Economic Research, und Guy Bruten, Chefvolkswirt für Asien-Pazifik beim Asset Manager AllianceBernstein, kurz vor einem deutlichen Aufwärtstrend.
Die Zentralbanken seien gezwungen, sich mit vielen Herausforderungen auseinander zu setzen - Ungleichheit, Klimawandel und Schuldenmanagement, um nur drei zu nennen. Werde angesichts dieser Spannungen die Inflationsbekämpfung weiterhin oberste Priorität haben? Die Experten von AB würden glauben, dass sich die Prioritäten ändern würden und die Inflation kurz vor einem bedeutenden Anstieg stehe.
Bis vor kurzem hätten die Zentralbanken eine einfache Aufgabe gehabt: Die Gewährleistung der Preisstabilität. Jetzt würden sie in andere Bereiche hineingezogen: Verringerung der Ungleichheit, Unterstützung des grünen Übergangs und vieles mehr. Wenn die Inflationsbekämpfung nur noch ein Ziel unter vielen sei, steige das Risiko, dass sie zugunsten dringenderer Anliegen aufgegeben werde.
Die COVID-19-Pandemie habe die Zentralbanken bereits gezwungen, ihre Mandate zu erweitern. Die Regierungen hätten ihre Volkswirtschaften in den vergangenen 18 Monaten nicht stützen und die Verschuldung nicht auf ein Rekordhoch in Friedenszeiten ansteigen lassen können, wenn sie nicht durch massive Bilanzausweitungen und Anleihenkäufe der Zentralbanken unterstützt worden wären.
Während die meisten Zentralbanker der Industrieländer weiterhin ein Inflationsziel von etwa 2 Prozent anstreben würden, würden jüngste Reden darauf hindeuten, dass sie möglicherweise bereits den Überblick verloren hätten. Nur wenige (wenn überhaupt) historische Episoden hoher Inflation hätten als bewusste Versuche begonnen, das Preisniveau in die Höhe zu treiben. Stattdessen sei die Inflation indirekt entstanden, als die politischen Entscheidungsträger andere Ziele verfolgt hätten. Die Experten von AB würden erwarten, dass dies auch in den kommenden Jahren der Fall sein werde. Neue politische Herausforderungen wie der Klimawandel und der Populismus würden die Politik wahrscheinlich in eine Richtung drängen, die im Laufe der Zeit zu einer höheren Inflation führe. Entscheidend sei, dass dies als ein akzeptabler Preis angesehen werde, der zu zahlen sei.
Im Laufe des letzten Jahres sind wir immer mehr zu der Überzeugung gelangt, dass die Welt an der Schwelle zu einer neuen, inflationäreren Ära steht, so die Experten von AB. Das liege zum einen daran, dass COVID-19 die Staatsverschuldung noch weiter über den Punkt ohne Wiederkehr hinausgetrieben habe, und zum anderen an der Geschwindigkeit, mit der sich fiskalischer Aktivismus und quasi-monetäre Finanzierung ausgebreitet hätten. Wir sind auch erstaunt über den Konsens, der sich jetzt um die Idee bildet, dass die Höhe der Schulden keine Rolle mehr spielt, so die Experten von AB. Führende Politiker in den USA und Europa hätten riesige Konjunkturpakete befürwortet, ohne Rücksicht auf Ausgabenbegrenzungen oder Verbote der monetären Finanzierung. Geld- und Finanzpolitik würden immer mehr zu einer Einheit.
Es sei sehr schwierig, erhebliche langfristige Verschiebungen in Echtzeit zu erkennen. In den frühen 1980er Jahren hätten sich viele Ökonomen gefragt, ob sie die Inflation jemals besiegen würden. Doch damals wie heute habe sich der Boden unter ihren Füßen verschoben. Vieles, was wir einst für selbstverständlich hielten, hat sich geändert - vom Ertrag von Konjunkturprogrammen bis hin zur Enttabuisierung der monetären Finanzierung -, und die Regierungen stehen vor großen, vielleicht sogar existenziellen Herausforderungen, so die Experten von AB. So gesehen falle es schwer zu glauben, dass das Inflationsschema im nächsten Jahrzehnt das gleiche sein werde wie im letzten Jahrzehnt.
Als John Maynard Keynes in den frühen 1920er Jahren über die grassierende Inflation geschrieben habe, die in ganz Europa die Ersparnisse vernichtet habe, habe er davor gewarnt, die jüngsten Erfahrungen als unveränderlich zu betrachten, als "Teil des permanenten sozialen Gefüges", oder die "Warnung vor vergangenen Unglücken" zu ignorieren. In den 1960er Jahren habe Milton Friedman - der die monetaristische Gegenrevolution gegen den Keynesianismus angeführt habe - bekanntermaßen gesagt, dass "Inflation immer und überall ein monetäres Phänomen ist". Aber das sei nur die halbe Wahrheit.
Das politische System, das diese monetären Bedingungen entstehen lasse, sei der Schlüssel. Deshalb sei es nach Meinung der Experten von AB zutreffender zu sagen, dass Inflation immer und überall eine politische Entscheidung sei. Denn wer finde nicht, dass 4,0 Prozent Inflation ein geringer Preis für die Rettung des Planeten seien? (26.08.2021/alc/a/a)
Die Zentralbanken seien gezwungen, sich mit vielen Herausforderungen auseinander zu setzen - Ungleichheit, Klimawandel und Schuldenmanagement, um nur drei zu nennen. Werde angesichts dieser Spannungen die Inflationsbekämpfung weiterhin oberste Priorität haben? Die Experten von AB würden glauben, dass sich die Prioritäten ändern würden und die Inflation kurz vor einem bedeutenden Anstieg stehe.
Bis vor kurzem hätten die Zentralbanken eine einfache Aufgabe gehabt: Die Gewährleistung der Preisstabilität. Jetzt würden sie in andere Bereiche hineingezogen: Verringerung der Ungleichheit, Unterstützung des grünen Übergangs und vieles mehr. Wenn die Inflationsbekämpfung nur noch ein Ziel unter vielen sei, steige das Risiko, dass sie zugunsten dringenderer Anliegen aufgegeben werde.
Die COVID-19-Pandemie habe die Zentralbanken bereits gezwungen, ihre Mandate zu erweitern. Die Regierungen hätten ihre Volkswirtschaften in den vergangenen 18 Monaten nicht stützen und die Verschuldung nicht auf ein Rekordhoch in Friedenszeiten ansteigen lassen können, wenn sie nicht durch massive Bilanzausweitungen und Anleihenkäufe der Zentralbanken unterstützt worden wären.
Im Laufe des letzten Jahres sind wir immer mehr zu der Überzeugung gelangt, dass die Welt an der Schwelle zu einer neuen, inflationäreren Ära steht, so die Experten von AB. Das liege zum einen daran, dass COVID-19 die Staatsverschuldung noch weiter über den Punkt ohne Wiederkehr hinausgetrieben habe, und zum anderen an der Geschwindigkeit, mit der sich fiskalischer Aktivismus und quasi-monetäre Finanzierung ausgebreitet hätten. Wir sind auch erstaunt über den Konsens, der sich jetzt um die Idee bildet, dass die Höhe der Schulden keine Rolle mehr spielt, so die Experten von AB. Führende Politiker in den USA und Europa hätten riesige Konjunkturpakete befürwortet, ohne Rücksicht auf Ausgabenbegrenzungen oder Verbote der monetären Finanzierung. Geld- und Finanzpolitik würden immer mehr zu einer Einheit.
Es sei sehr schwierig, erhebliche langfristige Verschiebungen in Echtzeit zu erkennen. In den frühen 1980er Jahren hätten sich viele Ökonomen gefragt, ob sie die Inflation jemals besiegen würden. Doch damals wie heute habe sich der Boden unter ihren Füßen verschoben. Vieles, was wir einst für selbstverständlich hielten, hat sich geändert - vom Ertrag von Konjunkturprogrammen bis hin zur Enttabuisierung der monetären Finanzierung -, und die Regierungen stehen vor großen, vielleicht sogar existenziellen Herausforderungen, so die Experten von AB. So gesehen falle es schwer zu glauben, dass das Inflationsschema im nächsten Jahrzehnt das gleiche sein werde wie im letzten Jahrzehnt.
Als John Maynard Keynes in den frühen 1920er Jahren über die grassierende Inflation geschrieben habe, die in ganz Europa die Ersparnisse vernichtet habe, habe er davor gewarnt, die jüngsten Erfahrungen als unveränderlich zu betrachten, als "Teil des permanenten sozialen Gefüges", oder die "Warnung vor vergangenen Unglücken" zu ignorieren. In den 1960er Jahren habe Milton Friedman - der die monetaristische Gegenrevolution gegen den Keynesianismus angeführt habe - bekanntermaßen gesagt, dass "Inflation immer und überall ein monetäres Phänomen ist". Aber das sei nur die halbe Wahrheit.
Das politische System, das diese monetären Bedingungen entstehen lasse, sei der Schlüssel. Deshalb sei es nach Meinung der Experten von AB zutreffender zu sagen, dass Inflation immer und überall eine politische Entscheidung sei. Denn wer finde nicht, dass 4,0 Prozent Inflation ein geringer Preis für die Rettung des Planeten seien? (26.08.2021/alc/a/a)
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| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 27.03./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


