Wie gehen die Zentralbanken mit der Inflation um?


28.09.21 09:00
AB

München (www.anleihencheck.de) - Die aktuellen Schuldenzwänge deuten auf eine Strategie der höheren Inflation hin, konstatieren Darren Williams und Guy Bruten vom Asset Manager AllianceBernstein (AB).

Sie seien der Meinung, dass das Goldene Zeitalter der Inflationsziele zu Ende gehe. Zu viele der Faktoren, die diesem System zugrunde gelegen hätten, hätten sich geändert. Und bei einer Inflation von 2,0 Prozent wäre es sehr schwierig, genügend finanzielle Repression zu erzeugen, um das derzeitige Schuldenniveau zu bewältigen.

Im Folgenden die Einschätzungen der beiden Experten untenstehend in Auszügen:

"Die Zwänge des Schuldenmanagements tragen dazu bei, zu erklären, warum eine weitverbreitete Japanisierung unwahrscheinlich ist. Solange die Länder nicht bereit sind, dauerhaft negative Zinsen zu akzeptieren, ist die Bewältigung einer hohen Verschuldung in einer Welt mit Null-Inflation und geringem Wachstum eine beschwerliche Aufgabe.

Es gibt keine Anhaltspunkte für sehr hohe Inflationsraten, und wir halten das Szenario einer Wiederbelebung der 1970er Jahre für unwahrscheinlich - obwohl die Inflation natürlich vorübergehend auf ein sehr hohes Niveau ansteigen könnte, wenn die Welt von einem System in ein anderes übergeht.

Das Szenario, das die beste Vorlage für die kommenden Jahre bietet, ist die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals wie heute gewann die Haushaltspolitik an Bedeutung, und die Eindämmung der Inflation rückte in der Rangfolge nach unten, als die Regierungen begannen, umfassendere Ziele zu verfolgen. Außerdem wurde in großem Umfang auf finanzielle Repression zurückgegriffen, um die Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen.

Einige Elemente des heutigen Umfelds sind jedoch eindeutig anders. Vor allem war das Wirtschaftswachstum in den unmittelbaren Nachkriegsjahren viel höher als heute. Das hat eindeutige Auswirkungen auf das Erreichen einiger dieser alternativen Ziele. Um beispielsweise die Verschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu senken, müssen die Zinsen niedriger und/oder die Inflation höher sein als in der früheren Zeit der finanziellen Repression."

Diese Art von unangenehmer Arithmetik bestärke die AB-Experten, Darren Williams und Guy Bruten, in ihrer Überzeugung, dass die politische Landschaft und die damit verbundenen geldpolitischen Entscheidungen letztendlich die Tür zu einer höheren Inflation öffnen würden. (28.09.2021/alc/a/a)