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Wichtig für Investoren: Senkt FED für weiche oder härtere Landung?


20.09.24 10:00
Janus Henderson Investors

London (www.anleihencheck.de) - Im Vorfeld der September-Sitzung der Federal Reserve (FED) haben wir - mit einer gewissen Verwunderung - beobachtet, wie viele Marktteilnehmer geradezu besessen von der Höhe der heutigen Zinssenkung waren, so Jim Cielinski, Global Head of Fixed Income, und Daniel Siluk, Head of Global Short Duration and Liquidity, Janus Henderson Investors.

Ob 25 oder 50 Basispunkte - die Daten, an denen sich die Geldpolitik orientiere, deuteten darauf hin, dass es nun an der Zeit sei, von einer restriktiven Haltung abzurücken.

Für Anleger sei jedoch wichtiger, ob die FED "hinter der Kurve" liege. Eine Zinssenkung in einer robusten US-Wirtschaft (das Szenario einer sanften Landung) oder bei einer ins Stocken geratenen Wirtschaft mit rascher Abkühlung des Arbeitsmarktes (eine harte Landung) habe sehr unterschiedliche Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Der Vorsitzende der FED, Jerome Powell, habe sich große Mühe gegeben, die aktuelle Entscheidung so zu formulieren, dass man sie als bullische Zinssenkung einstufen würde. Seine Rhetorik - gespickt mit Worten wie "ausgewogen", "zuversichtlich" und "widerstandsfähig" - solle signalisieren, dass die "starke" Senkung um 50 Basispunkte kein Grund zur Beunruhigung sei, sondern ein vorsichtiger erster Schritt zur Normalisierung der Geldpolitik.

Bei der Suche nach Erkenntnissen zur Positionierung von Portfolios in dieser Zinssenkungsphase, in der es kaum Anzeichen für eine schwächelnde Wirtschaft gebe, konzentriere man sich auf die Entwicklungen, die die US-Notenbank für das kommende Jahr erwarte, und darauf, wie sich dies auf den endgültigen Zinssatz für diesen Zyklus auswirken könnte.

Der größere Zinsschritt der FED sei in ihren Augen gerechtfertigt gewesen, da er gezeigt habe, dass die Inflationszeit hinter uns liege. Den Erwartungen zum Trotz habe die FED die Zinsen über einen längeren Zeitraum bei 5,50 % halten können, da sich der US-Arbeitsmarkt robuster gegenüber höheren Zinsen erwiesen habe als erwartet. Zwar hätten keine Alarmglocken geschrillt, aber die jüngste Entspannung auf dem Arbeitsmarkt habe die FED dazu veranlasst, einen ausgewogeneren Ansatz für ihr duales Mandat zu wählen. Angesichts der Fortschritte bei der Inflation im vergangenen Jahr habe sich die FED den Luxus erlauben können, mit dieser ersten Zinssenkung einen großen Schritt zu tun, ohne den Markt zu beunruhigen.

Die Daten in der aktualisierten Zusammenfassung der Wirtschaftsprojektionen, die auf der Sitzung präsentiert worden seien, würden dies bestätigen. Die FED-Vertreter gingen nun davon aus, dass die Arbeitslosenquote bis Ende 2024 bei 4,4 % liegen werde und bis Ende des nächsten Jahres auf diesem Niveau bleiben könne. Dieses Niveau liege zwar noch unter den Werten, die mit einer wesentlichen Abkühlung einhergingen, aber der Umfang, in dem die Arbeitslosigkeit gestiegen sei, habe die FED wahrscheinlich dazu gezwungen, auf mögliche Negativüberraschungen zu achten.

Obwohl der Anstieg der Arbeitslosenquote größtenteils auf neue Erwerbspersonen zurückzuführen sei, seien einige Frühindikatoren für die Arbeitsmarktlage unbeständiger geworden. Die Zahl der offenen Stellen liege 37 % unter ihrem Höchststand nach der Pandemie, das inflationsbereinigte Lohnwachstum sei zwar immer noch positiv, aber tendenziell rückläufig, und der Vier-Wochen-Durchschnitt der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung – ein Indikator für eine befürchtete Entlassungswelle – sei von 201.000 auf 231.000 gestiegen. Wie die Arbeitslosenquote liege auch dieser Wert deutlich unter dem Niveau, das mit einer wirtschaftlichen Kontraktion einhergehen würde.

Eine leichte Abschwächung auf dem Arbeitsmarkt dürfte der Preis sein, den die FED für Fortschritte auf dem Weg zur Erreichung ihres Inflationsziels von 2,0 % zu zahlen bereit sei. Im Übrigen sei eine Zinsobergrenze von 5,0 % auch nach der aktuellen Senkung bei einer Kerninflation von 2,6 % immer noch restriktiv. Die FED gehe vermutlich davon aus, dass dieses Niveau ausreiche, um die Gesamt- und Kerninflation bis 2025 auf das nach unten korrigierte Niveau von 2,1 % bzw. 2,2 % zu bringen.

Man halte es für wichtig zu erwähnen, dass eine Senkung um 50 Basispunkte die Erwartung der FED, wo die Endrate für diesen Zyklus liege, nicht wesentlich verändert habe - diese liege immer noch zwischen 2,5 % und 3,0 %.

Mit Beginn der Zinssenkungen könne sich der Markt nun der Frage widmen, welche Art von Landung erfolgen werde. Eine weiche Landung sei bekanntermaßen schwierig, und während der langen Phase der Zinserhöhungen der FED sei die vorherrschende Meinung gewesen, dass diese Ausweitung - wie die meisten anderen - durch eine übermäßig restriktive Politik beendet würde. Doch im Laufe des Jahres 2024 habe sich das Pendel in Richtung einer sanften Landung bewegt. Schließlich sei die Inflation gesunken, ohne dass die Arbeitslosigkeit in die Höhe geschnellt sei, und die Nachfrage der US-Verbraucher bleibe hoch.

Wenn sich die Wirtschaft angesichts eines Leitzinses von 5,5 % als stabil erwiesen habe, könnte ihre Widerstandsfähigkeit nun dadurch gestärkt werden, dass Unternehmen und Haushalte von niedrigeren Kreditkosten profitieren. Das Ergebnis sei eine Verlängerung des Konjunkturzyklus und Rückenwind für risikoreichere Anlagen, die konjunkturabhängig seien oder mittelfristig fällige Schulden zu bedienen hätten. Die FED sei sich vermutlich bewusst, dass eine Senkung der Kapitalkosten der US-Wirtschaft Auftrieb geben würde. Man gehe davon aus, dass die FED bei einem Schritt um 50 Basispunkte zurückhaltender gewesen wäre, hätte sie nicht die Sicherheit gehabt, dass die lohnbedingte Inflation aufgrund des angespannten Arbeitsmarktes weniger besorgniserregend sei.

Einige würden den Zinsschritt von 50 Basispunkten als Beweis dafür interpretieren, dass die FED möglicherweise hinter der Kurve zurückbleibe. Der Vorsitzende Powell habe erklärt, dies sei nicht der Fall, und die Daten würden diese Behauptung bestätigen. Dennoch sei das Risiko nicht ganz von der Hand zu weisen, dass die lange und variable Verzögerung der restriktiven Geldpolitik noch nicht vollständig zum Tragen gekommen sei. In diesem Hard-Landing-Szenario wären Zinssenkungen kein Luxus mehr, sondern würden zu einem Rettungsanker, um die schwächelnden Investitionen und den Konsum zu stützen. Diese Kaskade von Ereignissen würde das Ende der geldpolitischen Expansion nach der Pandemie markieren.

Der aktuelle Schritt sei aus Positionierungssicht für Investoren in festverzinsliche Wertpapiere nicht von entscheidender Bedeutung. Die bekannten Tatsachen hätten sich nicht geändert. Die Inflation lasse nach. Die US-Wirtschaft sei robust. Und der Arbeitsmarkt sei trotz einer gewissen Abschwächung noch lange nicht auf Rezessionsniveau. Dies deute auf eine Verlängerung des Zyklus hin, die für risikoreichere Anlagen günstig sein sollte - vor allem für höherwertige Unternehmensanleihen, deren Schicksal stärker von der Stärke der Verbraucher abhänge. Ebenso sollten Unternehmen mit höherer Verschuldung von niedrigeren Kreditkosten profitieren.

Während diese Unternehmen bei einer harten Landung in Mitleidenschaft gezogen würden, könne eine Fixed-Income-Allokation weiterhin eine breitere Allokation unterstützen, da sie das Potenzial habe, Kapital zu erhalten und als Diversifikator für riskantere Aktien zu dienen. In beiden Szenarien bedeute der beginnende Zinssenkungszyklus, dass viele Punkte entlang der Renditekurve einen Kapitalzuwachs bringen könnten. Insofern sei die Duration der Freund des Anlegers. Und auf dem aktuellen Niveau biete die Zinsstrukturkurve immer noch ein Ertragsniveau, das in den letzten 15 Jahren eine Seltenheit gewesen sei.

Da die unbekannten Unbekannten eben genau das seien, sollten Anleger eine Allokation in höherwertige Anleihen mit ausreichender Duration als integralen Bestandteil eines gut diversifizierten Portfolios betrachten - vor allem, wenn die FED die schwer fassbare weiche Landung anstrebe. (20.09.2024/alc/a/a)