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Wenn der Spaß aufhört, endet das Spiel


29.01.21 11:15
BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Die Anleger scheuten in den vergangenen Tagen das Eingehen von Risiken, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management.

Als Gründe würden sich unangenehme Nachrichten in Bezug auf die Viruskrise, teils enttäuschende Wirtschaftsdaten und das neutrale Ergebnis der US-Notenbanksitzung anführen lassen.

Bei der jüngsten Zusammenkunft des Offenmarktausschusses der Federal Reserve (FED) habe FED-Chef Jerome Powell für eine relativ taubenhafte Haltung eingestanden und sorgfältig jedes Gespräch über einen Dreh an der Zinsschraube vermieden. Demgegenüber hätten Kommentare der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Geldpolitik die Möglichkeit einer zusätzlichen Lockerung der Finanzierungsbedingungen in der Eurozone mittels niedrigerer Zinssätze angedeutet. Das Argument: Die EZB befürchte, dass ein aufwertender Euro die Wachstumsaussichten des Währungsraums beeinträchtigen könnte.

Insgesamt scheine die konjunkturelle Entwicklung jedoch ins Laufen zu kommen: Die zuletzt gemeldeten US-Daten seien nach wie vor relativ vielversprechend. Und obwohl es Bedenken in Bezug auf das weltwirtschaftliche Vorankommen im ersten Quartal 2021 gebe, sei es bemerkenswert, dass der Internationale Währungsfonds seine Wachstumsprognosen für 2021 nach oben korrigiert habe - vor allem aufgrund der Entwicklung in den USA, die sich schneller berappeln würden als erwartet.

Aber nicht die Geld- und Fiskalpolitik habe in den vergangenen Tagen das Kursgeschehen an den Märkten bewegt - ganz andere Kräfte seien zum Wirken gekommen. Der leichte Kursrutsch bei Aktien scheine zum Teil mit Verkäufen von Hedgefonds zu tun zu haben, die im Ringen mit Hobbyaktionären in die Enge getrieben würden.

Hedgefonds würden sich über diese von Raubtieren inspirierte Taktik der geballten Attacke beschweren mögen, aber der Erfolg der Anleger in GameStop & Co. könnte dazu führen, dass Hedgefonds, die zunehmend riesigen Verlusten ausgesetzt seien, die Tragfähigkeit ihrer Anlagestrategien überdenken würden. Für erfahrene Marktteilnehmer komme die Lage aber nicht überraschend - es habe immer Blasen an den Finanzmärkten gegeben und es werde sie immer geben; genau wie Menschen, die darauf aus seien, schnell reich zu werden.

Wenn allerdings dieser Herdentrieb Schule mache und dazu führe, dass Risikoprämien obsolet würden, könnte eine neue Bedrohungslage für die Finanzstabilität entstehen. Die Zentralbanken müssten dann unter Umständen reagieren. Der Blick auf den Volatilitätsindex VIX, der auf über 30 Punkte geklettert sei, zeige jedoch, dass die Marktteilnehmer dem derzeitigen Geschehen eine gesunde Portion Skepsis entgegenbringen und dem instinktiven Wunsch folgen würden, sich nach unten abzusichern. Es gebe also keine Anzeichen, dass die Gier auch am breiten Markt außer Kontrolle gerate.

Nachdem die jüngsten Zentralbanksitzungen über die Bühne gegangen seien und vorerst keine wichtigen politischen Ereignisse anstünden, liege der Gedanke nahe, dass die Märkte einen ruhigen Monat erleben könnten und sich die Lage entspanne. Dennoch: Die Ereignisse an den Aktienmärkten in den vergangenen Tagen würden zeigen, dass es auch auf kurzfristige Sicht Katalysatoren geben könne, die die Volatilität treiben würden.

Letzten Endes wäre es vermutlich am besten, der von Hobbyaktionären und Hedgefonds aufgepumpten Blase - wie allen anderen auch - ihren natürlichen Lauf zu lassen. Es wäre eine heilsame Warnung für andere Marktteilnehmer in kommenden Zeiten. Eines sei klar: Wenn der Spaß aufhöre, ende das Spiel. (29.01.2021/alc/a/a)