Weltwirtschaftslage 2019 positiv - von der Inflation hängt alles ab


12.12.18 16:32
BNY Mellon IM

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Shamik Dhar, Chef-Ökonom von BNY Mellon Investment Management, gibt seinen Marktausblick für 2019.

Die Experten würden davon ausgehen, dass die weltwirtschaftliche Lage 2019 relativ freundlich bleibe, auch wenn möglicherweise ein Gegenwind durch Inflation, Handelskonflikte und die Verschuldung der Euroländer aufkommen werde. Die Fragen, die sich Anleger für 2019 stellen müssten, sei die folgende: Seien die weltweiten Fundamentaldaten stark genug, um die Finanzmärkte weltweit zu stabilisieren? Und: Sei dies bereits eingepreist oder nicht?

Die Experten würden schätzen, dass das Investitionsumfeld 2019 gut bleiben werde. Die entwickelten Volkswirtschaften würden sich weiter positiv entwickeln, auch wenn diese im Vergleich zu 2017 oder 2018 langsamer wachsen würden. Während sich das Tempo in China und Europa weiter reduzieren werde, würden die Verbraucher in den USA letztendlich die globale Wirtschaft vorantreiben.

Die Inflation in den entwickelten Volkswirtschaften scheine unter Kontrolle zu sein, was hohe Ausschläge unwahrscheinlicher mache. Die US-amerikanische Zentralbank werde die Leitzinsen 2019 voraussichtlich zweimal anheben. Die Experten würden - genauso wie der Markt - nicht von einer dritten Zinsanhebung im nächsten Jahr ausgehen. Auch sollte das im Schnitt niedrigere Beschäftigungsniveau in den G7-Staaten nicht zu entsprechenden Gehaltserhöhungen und steigender Inflation führen. Daher würden die Experten keinen Anstieg der Zinsen am langen Ende erwarten. Auch würden sie glauben, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren ersten Zinsschritt seit der Finanzkrise bis Ende 2019 oder sogar Anfang 2020 hinausschieben werde. Der US-Dollar könnte 2019 höher steigen - nur ein Aussetzen des erwarteten Zinsanstiegs oder Klarheit über den Brexit könnte diese Entwicklung stoppen.

Aus Sicht der Experten biete der weltweite Aktien-Abverkauf 2018 eine gute Gelegenheit für Anleger, ihre Risikopositionen 2019 zu erhöhen. In einem solchen Szenario würden Anleihen weiterhin negativ mit Aktien korrelieren, sodass sich Standard-Multi-Asset-Portfolios positiv entwickeln könnten.

Dennoch würden die Experten für 2019 eine höhere Volatilität der Finanzmärkte erwarten. Denn es bestünden weiterhin Risiken, die ein positives Szenario beeinträchtigen könnten:

Der US-Handelskonflikt mit China verschärfe sich. Während die Trump-Administration ihren Fokus ursprünglich auf das Handelsdefizit gegenüber China gelegt habe, verlagere er sich inzwischen auf den von China forcierten Technologietransfer, die Überwachung ausländischer Unternehmen und die Pläne von Präsident Xi für China bis 2025, die die technologische Vorherrschaft der USA direkt bedrohen würden. Diese Probleme dürften nicht schnell gelöst werden, und die Experten würden erwarten, dass die USA Anfang nächsten Jahres auf alle chinesischen Einfuhren in die USA Zölle von 25 Prozent erheben würden. Die Folge: Die USA könnten diesem Druck als relativ geschlossenen Volkswirtschaft standhalten, zumal die Wirtschaft weiterhin stark sei. Chinas Wirtschaft allerdings werde die Auswirkungen zu spüren bekommen. Auch würden Europa und die Schwellenländer davon betroffen sein, weil deren Wachstum stärker von der globalen Nachfrage abhänge.

2019 werde den Beginn einer strafferen Geldpolitik der Zentralbanken in den entwickelten Märkten markieren. Die USA hätten bereits bis Ende November 2018 rund 400 Mrd. US-Dollar an Treasuries und Mortgage-Backed-Securities verkauft und lägen derzeit bei 50 Mrd. US-Dollar pro Monat. Japan führe seine unkonventionelle Geldpolitik fort, während die Europäische Zentralbank voraussichtlich Ende 2018 ihr Wertpapierkaufprogramm beenden werde. Vor diesem Hintergrund sei die FED entschlossen, die Zinsen vor der nächsten Rezession anzuheben. Die Folge: Der Druck auf die Schwellenländer, die einen hohen Fremdfinanzierungsbedarf und eine hohe Verschuldungsquote hätten, werde durch die Verknappung der weltweiten Liquidität erhöht.

Die Wirtschaft der Eurozone sei weiterhin anfällig für Risiken im Finanzsektor. Europäische Banken würden nach wie vor die Staatsschulden ihrer Heimatländer halten. Davon seien die italienischen Banken am stärksten betroffen, aber auch für spanische und portugiesische Banken sei das Risiko hoch. Dazu komme, dass europäische Banken auch die Schulden anderer Staaten tragen würden, was die flächendeckende Ansteckungsgefahr im Finanzsektor zusätzlich erhöhe.

Die größte Gefahr liege allerdings in der Inflation. Solange die Inflation in den entwickelten Volkswirtschaften nur leicht ansteige, sei dies für die Zentralbanken gut zu steuern und für die Weltwirtschaft eher unbedeutend. Sollte sich das Tempo jedoch beschleunigen, dann würde das positiv gezeichnete Szenario für 2019 schnell zusammenbrechen. Die FED könnte dann die Zinsen schneller erhöhen als derzeit eingepreist, was zu einem Ausverkauf risikoreiche Wertpapiere führen könnte.

Der US-Dollar hingegen würde stärker, was die weltweite Wirtschaft stützen würde. Damit verbunden wäre ein Anstieg der langfristigen Realzinsen, die im Moment beispiellos niedrig und in Europa und Japan sogar negativ seien. Ein solches Szenario hätte große Auswirkungen auf die Anlagestrategien vieler Investoren, da die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen positiv werden würde. Investoren wären dann mit ganz anderen Herausforderungen als während der Finanzkrise konfrontiert. (12.12.2018/alc/a/a)