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Welche Wirkung wird Draghinomics auf europäische Vermögenspreise haben?
17.09.14 16:18
ING Investment Management
Den Haag (www.anleihencheck.de) - Die Ereignisse der letzten Woche haben einmal mehr gezeigt, dass es so etwas wie eine sichere Wette an den Finanzmärkten der Welt nicht gibt, so Valentijn van Nieuwenhuijzen, Chefstratege bei ING Investment Management.
So mancher Anleger habe Mario Draghis Rede bei der Notenbank-Konferenz in Jackson Hole letzten Monat mit gewissen Vorbehalten aufgenommen. Nun habe es die EZB geschafft, die Märkte positiv zu überraschen. Vor allem der Euro habe deutlich auf die weitere geldpolitische Lockerung reagiert. Die Märkte hätten sich insbesondere davon beeindruckt gezeigt, dass den Worten (Draghis) auch tatsächlich Taten (der EZB) gefolgt seien.
Der entscheidende Punkt sei, dass die EZB-Führung auch weiterhin mit ihrer "Whatever it takes"-Mentalität überzeuge. Das stärke die Hoffnung auf eine konjunkturelle Erholung und die baldige Auflage eines QE-Programms. Nicht zuletzt lasse die entschlossene Haltung der EZB auch darauf hoffen, dass man in Europa einen ähnlichen geldpolitischen Kurswechsel erleben werde, wie ihn Japan Ende 2012 durchlaufen habe. Dieser Paradigmenwechsel - nach dem seinerzeit neu gewählten Premierminister Abe "Abenomics" genannt - könnte den seit dem Höhepunkt der Euro-Krise in Europa stattfindenden Reflationsprozess spürbar beschleunigen.
Mit seiner inspirierenden Rede in Jackson Hole habe Draghi tatsächlich einen weitaus grundsätzlicheren Wandel in der europäischen Geldpolitik in Aussicht gestellt. So habe er nicht nur betont, dass die sinkenden Inflationserwartungen eine weitere Lockerung rechtfertigen würden, sondern auch auf ein umfassenderes Reformpaket gedrängt, das geldpolitische Impulse mit einer kurzfristigen Stärkung der Nachfrage - sowohl fiskal als auch monetär - sowie der Steigerung des langfristigen Wachstumspotenzials verknüpfe.
Indem Draghi mit Nachdruck darauf hingewiesen habe, dass die Gefahr, nicht genug zu tun, das Risiko, zu viel zu tun, bei weitem überwiege, entspreche seine Botschaft im Wesentlichen der von Abe in Japan. Ob Draghinomics indes die gleiche Wirkung auf europäische Vermögenspreise haben werde wie Abenomics auf die Preisentwicklung in Japan, bleibe abzuwarten. Draghis progressive Ansichten seien jedenfalls ein vernünftiger Anfang und würden bereits die gewünschte Wirkung am Markt zeigen: Während Anleiherenditen und Euro in den vergangenen Wochen gefallen seien, hätten die Aktienkurse zugelegt.
Man müsse allerdings auch sehen, dass die Marktbewegungen in Japan nach dem Start von Abenomics weitaus deutlicher ausgefallen seien. So habe der Euro auf handelsgewichteter Basis im Verhältnis zu seinem Jahreshöchststand bisher nur um 4 Prozent nachgelassen. Der Japanische Yen habe 2013 hingegen rund 25 Prozent verloren. Es sei noch zu früh, um den Effekt von Draghinomics einzuschätzen. Immerhin habe es vier bis fünf Monate gedauert, bis sich bei den Anleihe-, Aktien- und Devisenkursen in Japan die volle Wirkung gezeigt habe. Hinzu komme, dass es erheblichen politischen Widerstand gegen Draghis Ideen gebe. Eine Wiederholung der japanischen Erfahrungen in Europa erscheine daher momentan weit hergeholt. Doch weitere Schritte in Richtung vorsichtiger Reflation seien nicht auszuschließen. (17.09.2014/alc/a/a)
So mancher Anleger habe Mario Draghis Rede bei der Notenbank-Konferenz in Jackson Hole letzten Monat mit gewissen Vorbehalten aufgenommen. Nun habe es die EZB geschafft, die Märkte positiv zu überraschen. Vor allem der Euro habe deutlich auf die weitere geldpolitische Lockerung reagiert. Die Märkte hätten sich insbesondere davon beeindruckt gezeigt, dass den Worten (Draghis) auch tatsächlich Taten (der EZB) gefolgt seien.
Mit seiner inspirierenden Rede in Jackson Hole habe Draghi tatsächlich einen weitaus grundsätzlicheren Wandel in der europäischen Geldpolitik in Aussicht gestellt. So habe er nicht nur betont, dass die sinkenden Inflationserwartungen eine weitere Lockerung rechtfertigen würden, sondern auch auf ein umfassenderes Reformpaket gedrängt, das geldpolitische Impulse mit einer kurzfristigen Stärkung der Nachfrage - sowohl fiskal als auch monetär - sowie der Steigerung des langfristigen Wachstumspotenzials verknüpfe.
Indem Draghi mit Nachdruck darauf hingewiesen habe, dass die Gefahr, nicht genug zu tun, das Risiko, zu viel zu tun, bei weitem überwiege, entspreche seine Botschaft im Wesentlichen der von Abe in Japan. Ob Draghinomics indes die gleiche Wirkung auf europäische Vermögenspreise haben werde wie Abenomics auf die Preisentwicklung in Japan, bleibe abzuwarten. Draghis progressive Ansichten seien jedenfalls ein vernünftiger Anfang und würden bereits die gewünschte Wirkung am Markt zeigen: Während Anleiherenditen und Euro in den vergangenen Wochen gefallen seien, hätten die Aktienkurse zugelegt.
Man müsse allerdings auch sehen, dass die Marktbewegungen in Japan nach dem Start von Abenomics weitaus deutlicher ausgefallen seien. So habe der Euro auf handelsgewichteter Basis im Verhältnis zu seinem Jahreshöchststand bisher nur um 4 Prozent nachgelassen. Der Japanische Yen habe 2013 hingegen rund 25 Prozent verloren. Es sei noch zu früh, um den Effekt von Draghinomics einzuschätzen. Immerhin habe es vier bis fünf Monate gedauert, bis sich bei den Anleihe-, Aktien- und Devisenkursen in Japan die volle Wirkung gezeigt habe. Hinzu komme, dass es erheblichen politischen Widerstand gegen Draghis Ideen gebe. Eine Wiederholung der japanischen Erfahrungen in Europa erscheine daher momentan weit hergeholt. Doch weitere Schritte in Richtung vorsichtiger Reflation seien nicht auszuschließen. (17.09.2014/alc/a/a)


