Erweiterte Funktionen

Weitere Zinssenkungen sind zu erwarten


06.03.20 14:00
BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Die Ausbreitung des Corona-Virus hat die Geldpolitik zu außergewöhnlichen Maßnahmen bewegt, so Mark Dowding, Partner und Chief Investment Officer von BlueBay.

Zum ersten Mal seit 2008 habe die US-Notenbank FED in der vergangenen Woche die Zinsen außerhalb der regulären Sitzungstermine gesenkt. In Dowdings Gesprächen in Washington sei klar geworden, dass noch weitere Zinssenkungen als sinnvoll angesehen würden, um die Finanzmärkte notfalls zu stabilisieren. Es sei allerdings auch eine gewisse Angst deutlich geworden, dass ein solcher Fahrplan die Zinsen bis auf null drücken könnte. Wenn die Wirtschaft das nächste Mal an Fahrt verliere, wäre der Spielraum der Geldpolitik dann sehr klein.

Dennoch - fürs Erste müsse man den Corona-Virus als Bestandteil unseres Lebens akzeptieren. Daher neige Dowding zu der Annahme, dass die FED bei der nächsten Sitzung die Zinsen erneut senken werde. Andere Zentralbanken, vor allem die Bank of England und die Europäische Zentralbank (EZB) sollten sich veranlasst fühlen, dem zu folgen.

In Europa erwarte Dowding, dass die EZB die Führung übernehme und die Ausweitung der Risikoprämien und eine Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen vor allem in der Peripherie eindämme. Nach Dowdings Überzeugung wäre es fahrlässig und inkompetent von EZB-Präsidentin Christine Lagarde, wenn sie zulassen würde, dass die aktuelle Dynamik zu einer erneuten Bedrohung der Stabilität der Eurozone führe.

Die Eurozone bleibe gleichzeitig jedoch eingeschnürt in einem exzessiv engen fiskalpolitischen Rahmen, weshalb nach Meinung von Dowding der aktuelle wirtschaftliche Abschwung hier am stärksten ausfallen und eine anschließende Erholung nur moderat sein werde.

Für den Moment bleibe Dowding bei seiner vorsichtigen Haltung. Allerdings, wenn das Verhalten irrational werde, würden sich meist auch Gelegenheiten ergeben. (06.03.2020/alc/a/a)