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Weiche Landung trotz Inversion der Zinsstruktur?
02.02.23 11:34
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Nachdem die Renditen der deutschen und der US-Staatsanleihen Ende letzter Woche tendenziell gestiegen sind, gaben sie in den vergangenen Tagen wieder etwas nach, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank im aktuellen Wochenbarometer.
Am 01.02. hätten die zehnjährigen Bunds bei 2,29% und die entsprechenden T-Notes bei 3,50% rentiert. Die Zinsstrukturen (10 Jahre - 2 Jahre) würden an beiden Bondmärkten stark invers bleiben. So würden die zehnjährigen Bunds im Durchschnitt der letzten Tage bei rund 40 BP unter den Zweijährigen rentieren, während in den USA die korrespondierende Differenz bei knapp unter 70 BP gelegen habe. Obwohl sich die Inversion der Zinsstruktur in der Vergangenheit als ein sehr zuverlässiges Rezessionssignal, vor allem für die USA, erwiesen habe, gebe es weiterhin Zweifel, ob tatsächlich mit einer solchen Entwicklung zu rechnen sei. Zwar sei das deutsche BIP im vierten Quartal um 0,2% QoQ geschrumpft, da jedoch der ifo-Index schon den vierten Monat in Folge gestiegen sei, könnte ein Anschlussquartal mit einem erneut sinkenden BIP vermieden werden. Die US-Wirtschaft sei im Schlussquartal des vergangenen Jahres mit 2,9% QoQ (annualisiert) relativ deutlich gewachsen, auch wenn der Konsum in diesem Jahr an Kraft verlieren sollte, da sich die Sparquote in der Nähe eines Allzeittiefs bewege. Feststellen könne man in jedem Fall, dass auch der Internationale Währungsfonds in seinem aktualisierten weltwirtschaftlichen Ausblick mit einem Tick mehr Optimismus in die Zukunft schaue.
Die EZB werde heute aller Voraussicht nach den Hauptrefinanzierungssatz um 50 BP auf 3,0% (Einlagenzinssatz auf 2,5%) anheben und einen weiteren Schritt in dieser Größenordnung für den 16. März signalisieren. Innerhalb der EZB hätten sich einige Mitgliederbereits dezidiert für eine derartige Vorgehensweise ausgesprochen (darunter Joachim Nagel von der Bundesbank, Klaas Knot aus den Niederlanden und Peter Kazimir aus der Slowakei), während die Notenbankpräsidenten von Italien (Ignazio Visco), Griechenland (Yannis Stournaras) und Direktoriumsmitglied Fabio Panetta auf die Bremse drücken und sich dafür aussprechen würden, die weiteren Schritte nach diesem Treffen stärker von den Konjunkturdaten abhängig zu machen.
Einen solchen Konjunkturindikator habe es am 01.02. mit der Inflation aus der Eurozone gegeben, die zurückgegangen sei. Die Gesamtinflationsrate sei von 9,2% auf 8,5% deutlich gesunken, wobei die Kernrate nahezu unverändert bei 5,2% stehe. Bei der heutigen EZB-Sitzung seien weitere Details zum Quantitative-Tightening-Programm zu erwarten. Bisher habe man angekündigt das APP-Portfolio im Durchschnitt der Monate März bis Juni um monatlich 15 Mrd. Euro zu reduzieren. Unklar sei zum einen, in welchem Tempo es danach weitergehen werde und zum anderen, ob bestimmte Bonds schneller abgebaut würden als andere. So sei es beispielsweise bei der britischen Notenbank so, dass die Reinvestitionen in Unternehmensanleihen und Covered Bonds ganz beendet worden seien, während man bei den Staatsanleihen durch teilweises Reinvestieren vorsichtiger vorgegangen sei. Alternativ könnte die EZB aber auch proportional über alle Sektoren das Portfolio reduzieren, was bedeuten würde, dass man überall auch einen Teil der Fälligkeiten reinvestiere. Wenn man das Tempo von 15 Mrd. Euro beim Quantitative Tightening beibehalte, dann werde man das APP-Portfolio zum Jahresende um 150 Mrd. Euro auf 3,07 Billionen Euro reduziert haben.
Für die EZB sei es von größter Wichtigkeit, wie die Lohnverhandlungen im öffentlichen Sektor in Deutschland ausgehen würden. Die Gewerkschaft ver.di verlange für die Beamten und Angestellten der Kommunen und des Bundes im Durchschnitt eine Lohnerhöhung von 14%. Hier habe es in der vergangenen Woche noch kein Ergebnis gegeben. Die nächsten Verhandlungsrunden seien für den 22. und 23. Februar angesetzt. Der Beamtenbund habe mit einem "Lockdown" durch flächendeckende Streiks gedroht.
Die konjunkturellen Rahmenbedingungen für die gestrige FED-Sitzung, für die eine Zinserhöhung von 25 BP eine ausgemachte Sache gewesen sei, (der Redaktionsschluss für diesen Artikel sei ausnahmsweise bereits vor der Sitzung gewesen) seien kurz umrissen: Abschwächung der Gesamtwirtschaft und ein scheinbar etwas abnehmender Aufwärtsdruck auf die Löhne. Vor allem sei die Inflation zurückgegangen. Gleichzeitig sei der Arbeitsmarkt immer noch relativ stark angespannt, denn auf einen Arbeitslosen kämen weiterhin fast zwei offene Stellen und die Arbeitslosenrate liege mit 3,5% so tief wie 1969 nicht mehr. Vermutlich werde man auch im März noch mal den Zins anheben und es gebe einige Analysten, die auch für Mai noch eine weitere Zinsanhebung für möglich halten würden.
Die Prognose der Hamburg Commercial Bank sei, dass es nach dieser Anhebung noch zu einer weiteren komme und man dann erst einmal pausiere und in Q4 möglicherweise eine Zinssenkung durchführe. Die angestrebte weiche Landung gelinge so einigermaßen, aber die Inflation bleibe zu hoch und daher werde das Zinsniveau auch nicht weiter nach unten geführt, so die Erwartung der Hamburg Commercial Bank. (Wochenbarometer vom 02.02.2023) (02.02.2023/alc/a/a)
Am 01.02. hätten die zehnjährigen Bunds bei 2,29% und die entsprechenden T-Notes bei 3,50% rentiert. Die Zinsstrukturen (10 Jahre - 2 Jahre) würden an beiden Bondmärkten stark invers bleiben. So würden die zehnjährigen Bunds im Durchschnitt der letzten Tage bei rund 40 BP unter den Zweijährigen rentieren, während in den USA die korrespondierende Differenz bei knapp unter 70 BP gelegen habe. Obwohl sich die Inversion der Zinsstruktur in der Vergangenheit als ein sehr zuverlässiges Rezessionssignal, vor allem für die USA, erwiesen habe, gebe es weiterhin Zweifel, ob tatsächlich mit einer solchen Entwicklung zu rechnen sei. Zwar sei das deutsche BIP im vierten Quartal um 0,2% QoQ geschrumpft, da jedoch der ifo-Index schon den vierten Monat in Folge gestiegen sei, könnte ein Anschlussquartal mit einem erneut sinkenden BIP vermieden werden. Die US-Wirtschaft sei im Schlussquartal des vergangenen Jahres mit 2,9% QoQ (annualisiert) relativ deutlich gewachsen, auch wenn der Konsum in diesem Jahr an Kraft verlieren sollte, da sich die Sparquote in der Nähe eines Allzeittiefs bewege. Feststellen könne man in jedem Fall, dass auch der Internationale Währungsfonds in seinem aktualisierten weltwirtschaftlichen Ausblick mit einem Tick mehr Optimismus in die Zukunft schaue.
Einen solchen Konjunkturindikator habe es am 01.02. mit der Inflation aus der Eurozone gegeben, die zurückgegangen sei. Die Gesamtinflationsrate sei von 9,2% auf 8,5% deutlich gesunken, wobei die Kernrate nahezu unverändert bei 5,2% stehe. Bei der heutigen EZB-Sitzung seien weitere Details zum Quantitative-Tightening-Programm zu erwarten. Bisher habe man angekündigt das APP-Portfolio im Durchschnitt der Monate März bis Juni um monatlich 15 Mrd. Euro zu reduzieren. Unklar sei zum einen, in welchem Tempo es danach weitergehen werde und zum anderen, ob bestimmte Bonds schneller abgebaut würden als andere. So sei es beispielsweise bei der britischen Notenbank so, dass die Reinvestitionen in Unternehmensanleihen und Covered Bonds ganz beendet worden seien, während man bei den Staatsanleihen durch teilweises Reinvestieren vorsichtiger vorgegangen sei. Alternativ könnte die EZB aber auch proportional über alle Sektoren das Portfolio reduzieren, was bedeuten würde, dass man überall auch einen Teil der Fälligkeiten reinvestiere. Wenn man das Tempo von 15 Mrd. Euro beim Quantitative Tightening beibehalte, dann werde man das APP-Portfolio zum Jahresende um 150 Mrd. Euro auf 3,07 Billionen Euro reduziert haben.
Für die EZB sei es von größter Wichtigkeit, wie die Lohnverhandlungen im öffentlichen Sektor in Deutschland ausgehen würden. Die Gewerkschaft ver.di verlange für die Beamten und Angestellten der Kommunen und des Bundes im Durchschnitt eine Lohnerhöhung von 14%. Hier habe es in der vergangenen Woche noch kein Ergebnis gegeben. Die nächsten Verhandlungsrunden seien für den 22. und 23. Februar angesetzt. Der Beamtenbund habe mit einem "Lockdown" durch flächendeckende Streiks gedroht.
Die konjunkturellen Rahmenbedingungen für die gestrige FED-Sitzung, für die eine Zinserhöhung von 25 BP eine ausgemachte Sache gewesen sei, (der Redaktionsschluss für diesen Artikel sei ausnahmsweise bereits vor der Sitzung gewesen) seien kurz umrissen: Abschwächung der Gesamtwirtschaft und ein scheinbar etwas abnehmender Aufwärtsdruck auf die Löhne. Vor allem sei die Inflation zurückgegangen. Gleichzeitig sei der Arbeitsmarkt immer noch relativ stark angespannt, denn auf einen Arbeitslosen kämen weiterhin fast zwei offene Stellen und die Arbeitslosenrate liege mit 3,5% so tief wie 1969 nicht mehr. Vermutlich werde man auch im März noch mal den Zins anheben und es gebe einige Analysten, die auch für Mai noch eine weitere Zinsanhebung für möglich halten würden.
Die Prognose der Hamburg Commercial Bank sei, dass es nach dieser Anhebung noch zu einer weiteren komme und man dann erst einmal pausiere und in Q4 möglicherweise eine Zinssenkung durchführe. Die angestrebte weiche Landung gelinge so einigermaßen, aber die Inflation bleibe zu hoch und daher werde das Zinsniveau auch nicht weiter nach unten geführt, so die Erwartung der Hamburg Commercial Bank. (Wochenbarometer vom 02.02.2023) (02.02.2023/alc/a/a)


