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Was sind die möglichen Auswirkungen einer sensitiveren US-Notenbank?
25.06.21 11:00
Degroof Petercam
Brüssel (www.anleihencheck.de) - In der vergangenen Woche hat die US-Notenbank ihre globale geldpolitische Führungsrolle bestätigt, so Peter De Coensel, CIO Fixed Income bei Degroof Petercam Asset Management.
Dies sei im Einklang mit der Botschaft von US-Präsident Biden an die G7, die NATO sowie Russland und China geschehen, dass die USA ihre globale politische Führung ausbauen und stärken wollten.
Die Abflachung der US-Renditekurve sei ungewöhnlich gewesen und offenbare Anfälligkeiten im Hinblick auf das längerfristig realisierte Inflations- und Wachstumspotenzial.
Die Anleihenmärkte seien seit November 2020 auf eine harte Probe gestellt worden, könnten aber ein Comeback feiern. Anleger sollten die globalen Chancen nutzen, die sich im Bereich der Industrie- und Schwellenländeranleihen bieten würden.
Oftmals würden Pressekonferenzen von Zentralbanken nur Erwartungen bestätigen, mit möglicherweise einigen kleinen Wendungen, die den Markt für ein paar Tage aufrütteln würden. Die Pressekonferenz der US-Notenbank in der letzten Woche habe ganz andere Auswirkungen gezeigt. Die mutige Aussage der FED habe einige außergewöhnliche Veränderungen in der US-Renditekurve, im Dollar und bei den Realzinsen ausgelöst. Was seien die möglichen Auswirkungen einer sensitiveren US-Notenbank?
Die wesentlichen Botschaften des FED-Vorsitzenden Powell hätten gelautet: Ein Entfesseln der Inflation stelle ein 'Tail Risk' dar, und die FED-Politik könnte sich früher normalisieren, wenn die Inflationsdaten vom prognostizierten Pfad abweichen würden. Die FED habe ihre Prognose für die US-Verbraucherpreise für 2021 und 2022 angehoben, sie aber für 2023 unverändert gehalten. Bis Ende 2023 sollte die Arbeitslosigkeit auf 3,9% fallen.
Die Wahrscheinlichkeit einer ersten Leitzinsanhebung Ende 2022 sei gestiegen, wobei die Straffung bis zu einer möglichen dritten Zinserhöhung im ersten Quartal 2024 fortgesetzt werde. Am 16. Juni habe die FED das "Pressure Cooker"-Szenario buchstäblich über Bord geworfen. Die Zentralbank werde eine "Behind the Curve"-Situation nicht dulden und habe dem Markt eine Lektion in Sachen Führung erteilt. Eine Warnung sei an gehebelte bzw. margenbasierte Spekulationsstrategien gegangen: Kostenfreies Geld für immer sollte nicht als selbstverständlich angesehen werden. Man solle sich die Reaktionen des Marktes genauer anschauen:
Aggressive Abflachung der US-Treasury-Renditekurve: Die Zinsdifferenz zwischen 2 und 30 Jahren habe mehrere "Sigmas" (Standardabweichungen) durchlaufen und sei um satte 23,5 Basispunkte gefallen. Die zweijährigen Renditen seien im Laufe der Woche auf 0,255% gestiegen, während die 30-Jahres-Laufzeit um 12,5 Basispunkte auf 2,015% gefallen sei. Die zehnjährigen Renditen hätten sich kaum bewegt und bei 1,44% geschlossen. Der "Value Call" der Experten zwischen Mitte März und Mitte Mai mit 5/5-Jahres-Forwards oberhalb von 2,5% habe sich als richtig erwiesen, sie hätten bei 2,07% geschlossen. Zehnjährige Renditen könnten sich in einer beruhigenden Spanne von 1,25 bis 1,50% einpendeln. Angesichts der erwarteten hohen Volatilität bei den Preisen könnten Inflationsziele im Zinssetzungsprozess völlig in den Hintergrund treten. Stattdessen werde die Volatilität der Zinssätze in Abhängigkeit von den Non-Farm-Payroll-Daten variieren.
Der Dollar-Index (DXY-Index) habe um 1,84% zugelegt. Eine weitere Stärke der US-Währung gegenüber dem Euro könnte bevorstehen, da Diskussionen um ein EZB-Tapering möglicherweise aufgeschoben würden und eine Normalisierung der Notenbankpolitik noch Jahre entfernt sei. Der Index für Schwellenländerwährungen (JP Morgan Emerging Market Currency) habe um 2,33% nachgegeben. Da die durchschnittlichen Realzins-Spreads zwischen Staatsanleihen der USA und der Schwellenländer in lokaler Währung immer noch attraktiv seien, biete sich den Anlegern eine zweite Chance, in den renditeträchtigen Sektor der Schwellenländeranleihen einzusteigen oder ihre Positionen aufzustocken.
Die fünfjährigen US-Realrenditen seien um satte 22 Basispunkte von -1,77% auf -1,55% gestiegen, ein Ausverkauf von seltener Intensität. Die zehnjährigen Realrenditen hätten um etwa 9 Basispunkte auf -0,80% zugelegt. Beide Laufzeitsegmente lägen immer noch tief im negativen Bereich. Die entsprechenden Inflationserwartungen bzw. Breakeven-Sätze seien angesichts der warnenden Äußerungen der FED eingebrochen. Die fünfjährigen Breakeven-Renditen seien im Laufe der vergangenen Woche um 7 Basispunkte auf 2,37% gefallen (seit Mitte Mai hätten sie fast 40 Basispunkte verloren), während die zehnjährigen Breakeven-Renditen bei 2,24% geschlossen hätten. Die FED verankere die durch US-TIPS ausgedrückten Inflationserwartungen. Es sei eine Spanne festgelegt worden. Wie in der letzten Woche erwähnt, würden sich die Märkte mehr auf den US-Arbeitsmarkt konzentrieren.
Bei der Beurteilung der längerfristigen Auswirkungen der FED-Aussagen falle der Blick auf den 30-jährigen Punkt der US-Renditekurve. Der Abflachungsschub habe diesen Wert in die Nähe von 2,00% gebracht. Habe die Beschleunigung der US-Staatsverschuldung den Glauben an die Langfristrenditen besiegelt? Anders ausgedrückt und die Botschaft des Reinhart-Rogoff-Papers "Growth in a Time of Debt" aufgreifend: Habe sich die Verschiebung in der Brutto-Außenverschuldung auf das langfristige Wachstumspotenzial der US-Wirtschaft ausgewirkt?
Basierend auf diesen Untersuchungen zeige sich, dass eine 60%ige externe Brutto-Verschuldung das Potenzialwachstum um 2% reduziere, während ein Anstieg über 90% das Potenzialwachstum halbiere. Ende 2020 habe die US-Außenverschuldung 102% des nominalen Bruttoinlandsproduktes ausgemacht. Die Tendenz der Verschuldung sei steigend, ebenso wie die Auswirkungen auf das Potenzialwachstum und möglicherweise auch auf die Höhe der langfristigen US-Renditen. (25.06.2021/alc/a/a)
Dies sei im Einklang mit der Botschaft von US-Präsident Biden an die G7, die NATO sowie Russland und China geschehen, dass die USA ihre globale politische Führung ausbauen und stärken wollten.
Die Abflachung der US-Renditekurve sei ungewöhnlich gewesen und offenbare Anfälligkeiten im Hinblick auf das längerfristig realisierte Inflations- und Wachstumspotenzial.
Die Anleihenmärkte seien seit November 2020 auf eine harte Probe gestellt worden, könnten aber ein Comeback feiern. Anleger sollten die globalen Chancen nutzen, die sich im Bereich der Industrie- und Schwellenländeranleihen bieten würden.
Oftmals würden Pressekonferenzen von Zentralbanken nur Erwartungen bestätigen, mit möglicherweise einigen kleinen Wendungen, die den Markt für ein paar Tage aufrütteln würden. Die Pressekonferenz der US-Notenbank in der letzten Woche habe ganz andere Auswirkungen gezeigt. Die mutige Aussage der FED habe einige außergewöhnliche Veränderungen in der US-Renditekurve, im Dollar und bei den Realzinsen ausgelöst. Was seien die möglichen Auswirkungen einer sensitiveren US-Notenbank?
Die Wahrscheinlichkeit einer ersten Leitzinsanhebung Ende 2022 sei gestiegen, wobei die Straffung bis zu einer möglichen dritten Zinserhöhung im ersten Quartal 2024 fortgesetzt werde. Am 16. Juni habe die FED das "Pressure Cooker"-Szenario buchstäblich über Bord geworfen. Die Zentralbank werde eine "Behind the Curve"-Situation nicht dulden und habe dem Markt eine Lektion in Sachen Führung erteilt. Eine Warnung sei an gehebelte bzw. margenbasierte Spekulationsstrategien gegangen: Kostenfreies Geld für immer sollte nicht als selbstverständlich angesehen werden. Man solle sich die Reaktionen des Marktes genauer anschauen:
Aggressive Abflachung der US-Treasury-Renditekurve: Die Zinsdifferenz zwischen 2 und 30 Jahren habe mehrere "Sigmas" (Standardabweichungen) durchlaufen und sei um satte 23,5 Basispunkte gefallen. Die zweijährigen Renditen seien im Laufe der Woche auf 0,255% gestiegen, während die 30-Jahres-Laufzeit um 12,5 Basispunkte auf 2,015% gefallen sei. Die zehnjährigen Renditen hätten sich kaum bewegt und bei 1,44% geschlossen. Der "Value Call" der Experten zwischen Mitte März und Mitte Mai mit 5/5-Jahres-Forwards oberhalb von 2,5% habe sich als richtig erwiesen, sie hätten bei 2,07% geschlossen. Zehnjährige Renditen könnten sich in einer beruhigenden Spanne von 1,25 bis 1,50% einpendeln. Angesichts der erwarteten hohen Volatilität bei den Preisen könnten Inflationsziele im Zinssetzungsprozess völlig in den Hintergrund treten. Stattdessen werde die Volatilität der Zinssätze in Abhängigkeit von den Non-Farm-Payroll-Daten variieren.
Der Dollar-Index (DXY-Index) habe um 1,84% zugelegt. Eine weitere Stärke der US-Währung gegenüber dem Euro könnte bevorstehen, da Diskussionen um ein EZB-Tapering möglicherweise aufgeschoben würden und eine Normalisierung der Notenbankpolitik noch Jahre entfernt sei. Der Index für Schwellenländerwährungen (JP Morgan Emerging Market Currency) habe um 2,33% nachgegeben. Da die durchschnittlichen Realzins-Spreads zwischen Staatsanleihen der USA und der Schwellenländer in lokaler Währung immer noch attraktiv seien, biete sich den Anlegern eine zweite Chance, in den renditeträchtigen Sektor der Schwellenländeranleihen einzusteigen oder ihre Positionen aufzustocken.
Die fünfjährigen US-Realrenditen seien um satte 22 Basispunkte von -1,77% auf -1,55% gestiegen, ein Ausverkauf von seltener Intensität. Die zehnjährigen Realrenditen hätten um etwa 9 Basispunkte auf -0,80% zugelegt. Beide Laufzeitsegmente lägen immer noch tief im negativen Bereich. Die entsprechenden Inflationserwartungen bzw. Breakeven-Sätze seien angesichts der warnenden Äußerungen der FED eingebrochen. Die fünfjährigen Breakeven-Renditen seien im Laufe der vergangenen Woche um 7 Basispunkte auf 2,37% gefallen (seit Mitte Mai hätten sie fast 40 Basispunkte verloren), während die zehnjährigen Breakeven-Renditen bei 2,24% geschlossen hätten. Die FED verankere die durch US-TIPS ausgedrückten Inflationserwartungen. Es sei eine Spanne festgelegt worden. Wie in der letzten Woche erwähnt, würden sich die Märkte mehr auf den US-Arbeitsmarkt konzentrieren.
Bei der Beurteilung der längerfristigen Auswirkungen der FED-Aussagen falle der Blick auf den 30-jährigen Punkt der US-Renditekurve. Der Abflachungsschub habe diesen Wert in die Nähe von 2,00% gebracht. Habe die Beschleunigung der US-Staatsverschuldung den Glauben an die Langfristrenditen besiegelt? Anders ausgedrückt und die Botschaft des Reinhart-Rogoff-Papers "Growth in a Time of Debt" aufgreifend: Habe sich die Verschiebung in der Brutto-Außenverschuldung auf das langfristige Wachstumspotenzial der US-Wirtschaft ausgewirkt?
Basierend auf diesen Untersuchungen zeige sich, dass eine 60%ige externe Brutto-Verschuldung das Potenzialwachstum um 2% reduziere, während ein Anstieg über 90% das Potenzialwachstum halbiere. Ende 2020 habe die US-Außenverschuldung 102% des nominalen Bruttoinlandsproduktes ausgemacht. Die Tendenz der Verschuldung sei steigend, ebenso wie die Auswirkungen auf das Potenzialwachstum und möglicherweise auch auf die Höhe der langfristigen US-Renditen. (25.06.2021/alc/a/a)


