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Was ist denn schon so schlimm an niedrigen Zinsen?


04.11.13 11:56
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Seit dem Jahr 2008 hält die hartnäckige Konjunkturflaute in der ganzen Welt an, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Selbst wenn sich optimistische Prognosen für 2014 bewahrheiten sollten, könne von einem sich selbst tragenden Aufschwung in den Industrieländern noch immer nicht die Rede sein. Dies habe die wichtigsten Notenbanken veranlasst, ihre ultra-expansive Geldpolitik fortzusetzen. Schon fünf Jahre lang lägen die Leitzinsen bei 0%. Jeden Monat schleuse die FED USD 85 Mrd. und die BoJ USD 65 Mrd. in die Märkte, in einem Jahr USD 1,800 Billionen.

Obwohl bisher ohne Erfolg sei die Hoffnung groß, dass durch viel billiges Geld letztlich doch noch Konjunkturimpulse ausgelöst werden. Von der Fiskalpolitik seien wegen der Überschuldung der meisten Staaten keine Stimulierungen zu erhoffen. Das Ausmaß der Lockerungen suche in der Geschichte seinesgleichen. Kritikern an der Nullzinspolitik werde entgegengehalten, was sei denn schon so schlimm an niedrigen Zinsen?

Doch sie hätten auch schwere Nachteile: Käufe von Staatsanleihen durch die Zentralbanken seien für die langfristige Stabilität keineswegs so harmlos, wie es den Märkten vorgegaukelt werde. Unter der beschwichtigenden Bezeichnung "quantitative Lockerungen" (QE) würden sie sich in einer starken Aufblähung der Bilanzen der Notenbanken spiegeln. Die Käufe von Staatsanleihen zu Marktpreisen würden die Kurse an den Börsen künstlich hoch halten und verhindern, dass sich die Rentenrenditen auf einem "marktkonformen" Niveau einpendeln würden. Bei einem Renditenanstieg würden empfindliche Kursverluste drohen.

An Sparer, Rentenfonds oder Lebensversicherungen, die auf Zinseinnahmen angewiesen seien und ihren dadurch erzwungenen Konsumverzicht, denke überhaupt niemand. Neue Ersparnisse, die eigentlich die Investitionen finanzieren sollten, an den Geld- und Rentenmärkten anzulegen, würden durch einen realen Wertverlust bestraft, da sie nicht einmal mehr Inflation und Teuerung ausgleichen würden.

Die gesamte Zinsstrukturkurve werde verzerrt, Kredite würden nicht mehr optimal in produktive und aussichtsreiche Investitionen fließen und könnten dadurch neue Krisen auslösen. Wenn es so "leicht" werde, neue staatliche Schulden zu finanzieren, nehme der Treasurer umso lieber den Weg des geringsten Widerstandes, ohne sich um die künftige Zinsbelastung allzu viele Sorgen zu machen. Wie viel schwieriger und unpopulärer sei es doch, Steuern zu erhöhen oder gar Ausgaben zu kürzen, und das kurz vor den nächsten Wahlen.

Inflationsgefahren müssten sich nicht so schnell in den Konsumentenpreisen zeigen, aber es gebe noch andere Formen von Blasenbildungen, wie z.B. am Aktien- und Rentenmarkt, aufgeblasen einzig und allein durch QE. Sie würden eine Scheinblüte vorspiegeln, die nach dem Muster der Blase am US-Immobilienmarkt die ganze Weltwirtschaft schwer belasten könne.

Eine Überschuldung durch eine expansive Geldpolitik bekämpfen zu wollen, sei der direkte Weg in einen Inflationsprozess. (Ausgabe vom 03.11.2013) (04.11.2013/alc/a/a)