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Was ist nur mit China los? - Vorsicht bei Schwellenländeranleihen


24.08.15 15:59
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Es lief schon mal besser für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt! Der Motor, der ein hohes Wirtschaftswachstum generiert, läuft schon länger nicht mehr so rund wie früher einmal, so die Analysten der Weberbank.

Die aufstrebende Nation habe vor einigen Jahren klar erkannt, dass ein weiterer wirtschaftlicher Aufstieg nur möglich sei, wenn der Wandel von der billigen Werkbank der Welt hin zu einer modernen Dienstleistungsgesellschaft mit starkem Binnenkonsum gelinge. So ein grundlegender Wandel verlaufe allerdings in der Regel nicht störungsfrei. Seit mehreren Jahren sei nun schon ein stetiger Rückgang der Wachstumsraten der Volkswirtschaft festzustellen. Die aktuellen Konjunkturindikatoren würden eine weitere Schwächephase signalisieren.

In dieses Umfeld hinein hätten die Chinesen kürzlich mit einem unerwarteten Liberalisierungsschritt ihrer Währung überrascht. Künftig werde sich der YUAN stärker an den tatsächlichen Marktpreisen orientieren. Ein richtiger und wichtiger Schritt hin zu einer langfristig angestrebten frei konvertierbaren Währung - allerdings zur falschen Zeit. Die mit der Änderung verbundene Abwertung der chinesischen Währung sei von vielen Marktteilnehmern als verdeckte Konjunkturspritze verstanden worden und habe Sorgen eines stärkeren Konjunktureinbruchs genährt.

Wenn die größte Volkswirtschaft wirtschaftliche Probleme habe, so habe es dank Globalisierung die ganze Welt. Das sorge überall für große Verunsicherung. Jetzt in Panik zu verfallen, sei jedoch der falsche Weg. Die Chinesen hätten noch etlichen Spielraum für weitere wirtschaftsstimulierende Maßnahmen. Ein drastischer Einbruch sei in Augen der Analysten somit nicht zu erwarten, eine weitere kleine Wachstumsabschwächung jedoch schon.

Unterstützung würden die Chinesen auch von Seiten der Rohstoffpreise erhalten. Durch den drastischen Rückgang der Preisnotierungen erhalte China hier als größter Nachfrager weltweit ein Sonderkonjunkturpaket. Die im letzten Jahrzehnt vollzogene Fokussierung der Weltwirtschaft auf die stark wachsenden Schwellenländer berge Gefahren, die jetzt deutlicher sichtbar würden. Das gute sei jedoch, dass zeitgleich die etablierten Industrienationen wieder besser Schritt fassen würden und einen Teil der Schwäche ausgleichen könnten.

Die Aktienmärkte hätten am stärksten auf die chinesischen Wachstumssorgen reagiert. Vor allem die Schwellenländerbörsen hätten unter Druck gestanden. Seit April hätten die Märkte dort schon um über 20 Prozent nachgegeben. Noch sei für die Region kein Silberstreif am Horizont zu entdecken, weshalb die Analysten ein deutlich reduziertes Portfoliogewicht umgesetzt hätten. Aber auch zyklische Aktienmärkte, wie der deutsche, die in den letzten Jahren stark vom Chinaboom profitiert hätten, hätten zweistellige Rückgänge hinnehmen müssen. Die Exporte der deutschen Wirtschaft nach China würden zwar lediglich 2 Prozent des BIP ausmachen, China bleibe aber Deutschlands viertgrößter Handlungspartner.

Wie schon ausgeführt, würden die Analysten keinen drastischen Einbruch der chinesischen und auch nicht der deutschen Wirtschaft erwarten. Auch würden die Analysten lediglich von einer Wachstumsverlangsamung reden. Chinas Wirtschaft wachse also trotzdem weiter, nur halt langsamer! Dementsprechend sollten vor allem zyklische Portfoliopositionen unter die Lupe und gegebenenfalls aus dem Depot genommen werden.

Für andere Unternehmen, die keine oder wenig Verknüpfungen zu den Schwellenländern hätten, könne die derzeitige Korrekturphase des Gesamtmarktes sogar eine Kaufgelegenheit darstellen. Es gelte also, einen kühlen Kopf zu bewahren, da unter strategischen Gesichtspunkten die Beimischung von Aktien in einem breit aufgestellten Anlageportfolio nach wie vor angeraten und attraktiv sei.

Auch die Rentenmärkte hätten den Anstieg der Risikoaversion der Anleger gespürt. Vermeintlich sichere Segmente wie beispielsweise deutsche Staatsanleihen seien stark nachgefragt gewesen und hätten zugewinnen können. Die vor wenigen Wochen noch vorhandene Angst vor steigenden Zinsen scheine aus den Köpfen der Anleger gewichen oder wenigstens in den Hintergrund getreten zu sein. Neben der Suche nach Sicherheit sei auch die durch die schwachen Rohstoffnotierungen deutlich abgeschwächte Inflationserwartung Auslöser der Bewegung gewesen.

Anleihen der Schwellenländer hätten hingegen stärkere Korrekturen hinnehmen müssen. Auslöser sei aber interessanterweise weniger die Sorge um China als die Rohstoffpreisentwicklung gewesen. Dieser Anleihemarkt werde durch die beiden Rohstoffregionen Lateinamerika und Osteuropa dominiert. Der negative Preistrend der Rohstoffe habe die Währungen der betroffenen Länder unter Druck gebracht. Globale Schwellenländerprodukte auf lokaler Währung notierend seien folglich derzeit zu reduzieren. Paradoxerweise seien es asiatische Anlagen, die sich derzeit stabiler verhalten würden und attraktiver für den Anleger seien. (24.08.2015/alc/a/a)