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Was 2025 von Schwellenländeranleihen zu erwarten ist


05.12.24 13:00
RBC BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Schwellenländeranleihen in Hartwährung zeigten 2024 bislang eine starke Wertentwicklung - anders als Lokalwährungspapiere, die leichte Verluste verzeichneten, so Polina Kurdyavko, Head of Emerging Market Debt bei RBC BlueBay Asset Management und Co-Portfoliomanagerin des BlueBay Emerging Market Unconstrained Bond Fund.

Wie werde es 2025 weitergehen? Polina Kurdyavko blicke auf die Aussichten für das kommende Jahr.

In gewisser Weise sei 2024 ganz ähnlich wie 2023 verlaufen, was die Performance von Hartwährungsanleihen in den Schwellenländern angehe: Die Renditen lägen auf Indexbasis bisher im hohen einstelligen Bereich - vergleichbar mit den Renditen der Anlageklasse im vergangenen Jahr. Allerdings sei die Outperformance in diesem Jahr wesentlich ausgeprägter gewesen.

Zu Beginn des Jahres hätten die Expertenmit einer Ausfallquote von Null für Staatsanleihen der Schwellenländer und einer unterdurchschnittlichen Ausfallquote für Unternehmensanleihen gerechnet. Diese Vorhersage werde sich höchstwahrscheinlich bewahrheiten. Zugleich sei die Entwicklung in bestimmten Segmenten der Schwellenländer ganz anders verlaufen - insbesondere bei Lokalwährungen.

Im vergangenen Jahr hätten die Indizes in Landeswährung besser abgeschnitten als die Indizes in Hartwährung. In diesem Jahr hätten sie sich hingegen leicht negativ entwickelt. Das sei im Großen und Ganzen auf die Schwäche der Währungen zurückzuführen. An sich sei das nicht überraschend, wenn man die Erwartungen im Vorfeld und den Ausgang der US-Wahlen bedenke, die die Währungen der Schwellenländer gegenüber dem US-Dollar ins Hintertreffen gebracht hätten.

Blicke man auf das Jahr 2025 und betrachte die Kursentwicklung von Vermögenswerten nach den US-Wahlen, so hätten Hartwährungsanleihen aus den Schwellenländern recht verhalten reagiert. Die Experten würden davon ausgehen, dass die Ausfallquote bei Staatsanleihen auch im nächsten Jahr sehr nahe bei Null liegen werde. Bei Unternehmensanleihen würden die Experten mit einer Ausfallquote unter dem historischen Durchschnitt von 3,5 Prozent rechnen. Sie würden erwarten, dass die Schwellenländerwährungen gegenüber dem US-Dollar an Boden verlieren würden.

In Mittel- und Osteuropa dagegen hielten die Experten eine geldpolitische Lockerung der Zentralbanken für wahrscheinlicher. Aus regionaler Sicht bevorzugten sie daher Lateinamerika gegenüber Osteuropa bei der Positionierung in Schwellenländerwährungen. Bei den Zinsen seien sie der Meinung gewesen, dass sich eine Long-Position in den Schwellenländern in Mittel- und Osteuropa als vorteilhaft erweisen könnte. Die dortigen Zentralbanken hätten mehr Anreize, ihre Geldpolitik zur Stützung des Wachstums zu lockern.

Das geopolitische Risiko sei in den letzten Jahren gestiegen, und die Marktteilnehmer machten sich zu Recht Sorgen über dessen Auswirkungen auf Risikoanlagen. Während die US-Außenpolitik zu größerer Volatilität hätte führen können, würde eine mögliche Lösung der aktuellen Konflikte die globalen Märkte stabilisieren, die Stimmung verbessern und insbesondere den Schwellenländern zugutekommen.

Länder mit freundlicheren Beziehungen zur Trump-Regierung wie Argentinien, El Salvador und Russland könnten zu den Gewinnern gehören. Die Situation zwischen Israel und der Hisbollah sowie der Hamas sei weit komplizierter. Es könnte jedoch sein, dass man in den nächsten sechs Monaten eine Abnahme der geopolitischen Risiken erlebe. Dies würde sich auf die aktuell erhöhten Rohstoffpreise auswirken. Nach Ansicht der Experten könnte es zu einer Entkopplung kommen zwischen dem Ölpreis, der sich tatsächlich normalisieren könnte, und den Preisen für andere Metalle und seltene Mineralien, die weiterhin hoch bleiben könnten. Das würde sich dann in der Portfoliokonstruktion der Experten widerspiegeln. (05.12.2024/alc/a/a)