Warum Sonne und Wind die Inflation drücken


09.06.25 09:15
BNP Paribas

Paris (www.anleihencheck.de) - Der Inflationsspuk, der uns in den zurückliegenden Jahren auf Trab gehalten hat, er scheint nun endgültig vorbei zu sein, so Olaf Hordenbach ist Chefredakteur des Kundenmagazins von BNP Paribas MÄRKTE & ZERTIFIKATE.

Nach ersten vorläufigen Schätzungen hätten sich die Preise für Waren und Dienstleistungen im Mai in Deutschland nur um knapp 2,1% verteuert. Das sei quasi eine Punktlandung zu einer "gewünschten" Inflation von 2%. Denn Inflation an sich sei nicht schlecht.

Eine moderate Geldentwertung kurble den Wirtschaftskreislauf an, weil sie die Verbraucher - industrielle wie private - dazu animiere, ihr Geld auszugeben statt zu horten. In anderen Ländern der Euroregion liege die Inflation mittlerweile sogar schon unter der gewünschten Marke. In Spanien etwa zuletzt bei 1,9%, in Italien bei 1,7%. "Spitzenreiter" sei Frankreich mit 0,7%, was schon fast zu wenig sei und erste Sorgen über Deflation aufkommen lasse. Die sei viel schwieriger zu bekämpfen als die Inflation, weil sie die Verbraucher in eine Art Konsumverweigerung verfallen lasse, aus der man sie nur unter viel gutem Zureden herausholen könne. Doch male man den Teufel nicht an die Wand und freue sich über die aktuellen Zahlen. Sie würden Hordenbach jedoch nicht überraschen, denn die zurückliegende Inflationswelle sei vor allem von den gestiegenen Energiepreisen getrieben worden, und die wiederum seien das Ergebnis der uns aufgezwungenen Umstellung der Energieversorgung - weg von russischem Gas, von dem Deutschland lange sehr abhängig gewesen sei. Zur Erinnerung: Im Hoch sei Russland für über die Hälfte des gesamten deutschen Gasbedarfs verantwortlich gewesen. Dieser Anteil sei quasi über Nacht auf null zurückgefahren worden. Auch wenn über Hintertüren immer noch russisches Gas nach Deutschland ströme, habe sich die Bedeutung Russlands für die heimische Energieversorgung massiv verringert. Und das habe eben kurzfristig für Preissprünge gesorgt, Veränderungen würden nun mal Geld kosten.

Doch die Lage entspanne sich. Dazu trügen auch die regenerativen Energien bei. Wenn die Sonne scheine und der Wind wehe, produziere Deutschland an einigen Tagen mittlerweile so viel Energie, dass die Preise an den Strombörsen ins Negative rutschen würden. Theoretisch müssten Stromverbraucher dann sogar Geld erhalten. In der Praxis fehle es allerdings noch an genügend Energiespeichern. Die müssten nun ausgebaut werden, was noch mal Geld kosten würde, weswegen die Inflation nicht von heute auf morgen völlig verschwinden werde, was aber auch gar nicht gewünscht sei. Wichtig dabei sei aber, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen weiter senken werde, so wie am Donnerstag. Der Leitzins liege nun bei 2%. Auch hier noch mal ein Blick zurück, vor noch nicht einmal zwei Jahren seien es in der Spitze 4,5% gewesen. Man sehe, wir seien auf dem richtigen Weg, was auch den DAX antreibe. (Ausgabe vom 06.06.2025) (09.06.2025/alc/a/a)