Warum die Inflation noch lange nicht besiegt ist


20.08.24 12:30
Berenberg

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Bei ihrem Treffen hoch in den Bergen von Jackson Hole können sich die Währungshüter aus den USA und Europa zunächst gegenseitig beglückwünschen, so Dr. Holger Schmieding, Chefvolkswirt bei Berenberg.

Sie hätten den großen Inflationsschub überstanden, der sie in den Jahren davor arg gebeutelt habe. Auf beiden Seiten des Atlantiks sei die Inflation wieder auf unter 3 Prozent gefallen. Allerdings hätten die Notenbanker beim Blick zurück noch einiges aufzuarbeiten. Auch wenn vor allem pandemiebedingte Engpässe und der Putin-Schock bei Energie- und Nahrungsmittelpreisen die Inflation ausgelöst hätten, müssten sie sich vorwerfen lassen, zu spät reagiert zu haben. Auch beim Blick voraus herrsche alles andere als eitler Sonnenschein. Denn endgültig besiegt sei die Inflation nicht.

Angesichts eines strukturellen Mangels an Arbeitskräften bleibe der Lohndruck hoch. Das treibe die Preise für Dienstleistungen. Auch die Kosten des Kilmaschutzes und ein zunehmender Protektionismus dürften dafür sorgen, dass sich die Inflation künftig eher bei 2,5 Prozent als beim Zentralbankziel von 2 Prozent einpendeln werde. Dazu komme die Diskussion über die Unabhängigkeit der Zentralbanken, losgetreten mal wieder von Donald Trump, der ein Mitspracherecht des US-Präsidenten bei der Geldpolitik fordere. Um dieses Risiko einzugrenzen, müsse insbesondere die US-Notenbank Federal Reserve System (FED) noch mehr als zuvor darauf achten, dass ihr keine groben Fehler unterlaufen würden. Ein übermäßiger Anstieg der Arbeitslosigkeit könnte für die FED politisch unangenehm werden. Nach dem Ausflug in die Berge würden schwere Aufgaben auf die Notenbanker warten, in den USA mehr noch als in Europa. (20.08.2024/alc/a/a)