Erweiterte Funktionen
Warnsignal? Sogar Anleiheprofis empfehlen Aktien
31.05.17 12:15
FONDS professionell
Wien (www.anleihencheck.de) - Spätestens, wenn ein Anleihenstratege dazu rät, Aktien zu kaufen und Bonds abzustoßen, ist man geneigt, Unheil zu vermuten, so die Experten von "FONDS professionell".
Geschehen sei das dieser Tage, in Gestalt eines Marktausblicks von Bank of Americas Credit-Stratege Ioannis Angelakis, der in einem Vergleich zwischen Investment-Grade-Bonds und Aktien meine: "Aktien bringen einen attraktiveren Ertrag als Anleihen." Die Frage stelle sich, ob der Vorschlag auch vom Timing her Sinn mache.
Treiber für den gewöhnungsbedürftigen Aktienoptimismus der Bank of America (BofA) sei die Europäische Zentralbank. Ihr Kaufprogramm öffentlicher Schulden habe zu einem echten Kuriosum geführt: Die Renditen europäischer Aktien hätten laut Daten der Bank of America ML zum ersten Mal in diesem Jahrtausend die von europäischen High Yield Bonds übertroffen. Dass dieser Umstand einem Anleihen-Strategen auffalle, liege unter anderem daran, dass er die relative Stärke des Aktiensegments in Europa mit dem Anleihenmarkt argumentiere.
Im High Yield-Bereich würden sich die Renditen seit Jahren im Sinkflug befinden. Der BoA/ML Euro High Yield-Index sei inzwischen unter drei Prozent gefallen, habe Ende Mai eine Rendite von rund 2,8 Prozent ausgewiesen und notiere somit auf einem Rekordtief. Inflationsbereinigt würden Hochrisiko-Anleihen somit nur noch bei 0,89 Prozent rentieren. Bemerkenswerterweise habe diese Entwicklung aber nicht nur mit den niedrigen Zinsen zu tun. "Die Qualität unseres High Yield-Index hat sich verbessert", schreibe Angelakis. Und: Die "BB-Ratings machen nun ungefähr 75 Prozent des gesamten High Yield-Universums aus."
Abgesehen davon, dass die fallenden Renditen am Anleihenmarkt tendenziell dazu motivieren würden, dieses Segment zu meiden und in Aktien quasi hineinzurotieren, habe die höhere Qualität an Schulden dazu geführt, dass auch die entsprechenden Aktien profitiert hätten. Gute Unternehmensschulden würden den Wert des Unternehmens und somit auch den der Aktie steigern, so die Ratio. Aus Sicht von Angelakis seien Aktien also das neue High Yield und dem Bond-Markt deshalb vorzuziehen, weil Aktienmärkte "eine attraktivere Dividendenrendite ausweisen".
Dass europäische Aktien vor diesem Hintergrund Potenzial hätten, leite Angelakis nicht zuletzt aus den USA ab. Die erfolgte Argumentation habe dort dazu geführt, dass Aktienrenditen seit der Jahrtausendwende periodisch die Renditen von Anleihen deutlich outperformen würden. Gerade jetzt würden sich die US-Märkte in einer solchen Phase befinden. Gehe man nun davon aus, dass sich diese Sichtweise aufgrund der immer stärkeren Verzahnung der Märkte auch in Europa herumspreche, hätten europäische Aktien deutliches Potenzial.
So lange also die EZB als Käufer im Markt und die Qualität von High Yields hoch bleibe, spreche eher mehr als wenig für Aktien. Problematisch sei jedoch einmal mehr das Timing - und zwar bezüglich der Frage, wann die EZB sukzessive aus genau diesem Markt aussteige.
Was gegenwärtig eine gute Nachricht für den Aktienmarkt darstelle, könne sich also sehr schnell ins Gegenteil verkehren - dann nämlich, wenn die gesamtwirtschaftlichen Daten im allgemeinen und die Inflationsstatistiken im besonderen aus Sicht von EZB-Chef Mario Draghi gut genug seien, um ein Ende der Markteingriffe einzuleiten. (31.05.2017/alc/a/a)
Geschehen sei das dieser Tage, in Gestalt eines Marktausblicks von Bank of Americas Credit-Stratege Ioannis Angelakis, der in einem Vergleich zwischen Investment-Grade-Bonds und Aktien meine: "Aktien bringen einen attraktiveren Ertrag als Anleihen." Die Frage stelle sich, ob der Vorschlag auch vom Timing her Sinn mache.
Treiber für den gewöhnungsbedürftigen Aktienoptimismus der Bank of America (BofA) sei die Europäische Zentralbank. Ihr Kaufprogramm öffentlicher Schulden habe zu einem echten Kuriosum geführt: Die Renditen europäischer Aktien hätten laut Daten der Bank of America ML zum ersten Mal in diesem Jahrtausend die von europäischen High Yield Bonds übertroffen. Dass dieser Umstand einem Anleihen-Strategen auffalle, liege unter anderem daran, dass er die relative Stärke des Aktiensegments in Europa mit dem Anleihenmarkt argumentiere.
Abgesehen davon, dass die fallenden Renditen am Anleihenmarkt tendenziell dazu motivieren würden, dieses Segment zu meiden und in Aktien quasi hineinzurotieren, habe die höhere Qualität an Schulden dazu geführt, dass auch die entsprechenden Aktien profitiert hätten. Gute Unternehmensschulden würden den Wert des Unternehmens und somit auch den der Aktie steigern, so die Ratio. Aus Sicht von Angelakis seien Aktien also das neue High Yield und dem Bond-Markt deshalb vorzuziehen, weil Aktienmärkte "eine attraktivere Dividendenrendite ausweisen".
Dass europäische Aktien vor diesem Hintergrund Potenzial hätten, leite Angelakis nicht zuletzt aus den USA ab. Die erfolgte Argumentation habe dort dazu geführt, dass Aktienrenditen seit der Jahrtausendwende periodisch die Renditen von Anleihen deutlich outperformen würden. Gerade jetzt würden sich die US-Märkte in einer solchen Phase befinden. Gehe man nun davon aus, dass sich diese Sichtweise aufgrund der immer stärkeren Verzahnung der Märkte auch in Europa herumspreche, hätten europäische Aktien deutliches Potenzial.
So lange also die EZB als Käufer im Markt und die Qualität von High Yields hoch bleibe, spreche eher mehr als wenig für Aktien. Problematisch sei jedoch einmal mehr das Timing - und zwar bezüglich der Frage, wann die EZB sukzessive aus genau diesem Markt aussteige.
Was gegenwärtig eine gute Nachricht für den Aktienmarkt darstelle, könne sich also sehr schnell ins Gegenteil verkehren - dann nämlich, wenn die gesamtwirtschaftlichen Daten im allgemeinen und die Inflationsstatistiken im besonderen aus Sicht von EZB-Chef Mario Draghi gut genug seien, um ein Ende der Markteingriffe einzuleiten. (31.05.2017/alc/a/a)


