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Wandelanleihen sind für viele Anleger immer noch ein Rätsel


02.06.16 12:40
NN Investment Partners

Den Haag (www.anleihencheck.de) - Die Renditen auf festverzinsliche Werte werden in den nächsten fünf Jahren kaum mit denen der letzten fünf Jahre mithalten können, so Tarek Saber, Head of Convertible Bonds bei NN Investment Partners, London.

Doch die Marktvolatilität der vergangenen fünf Quartale liefere nunmehr weitere Argumente für ein Investment in Wandelanleihen (Convertible Bonds, "CBs") im Rahmen der Portfoliodiversifizierung. Für die Experten sei es dabei immer noch ein Rätsel, warum eine so große Zahl institutioneller Investoren CBs scheinbar ignoriere.

Seit der Finanzkrise von 2008 habe sich die Investorenbasis im Wandelanleihesegment grundlegend geändert. Die Szene werde jetzt von echten Investoren beherrscht, der Einfluss von Hedgefonds und Eigenhandelsabteilungen habe dagegen deutlich abgenommen. Dadurch sei das Risiko, dass sich die Ereignisse von 2008 am CB-Markt wiederholen würden, erheblich gesunken.

Nach Einschätzung der Experten sei eine solche Wiederholung das einzige offensichtliche potenzielle Bärenszenario für CBs. Momentan würden sich die Diversifikationsvorteile von CBs jedoch nicht leugnen lassen. Dafür spreche vor allem die hervorragende historische Wertentwicklung mit einer der höchsten risikobereinigten Renditen von allen herkömmlichen Anlageformen.

Nach Auffassung der Experten seien CBs gerade in unsicheren Zeiten ein hervorragendes Anlagemedium, da sie in zahlreichen Investmentzyklen gut abgeschnitten hätten. Wandelanleihen würden über ihre Aktienkomponente eine Kapitalbeteiligung am Emittenten mit gleichzeitigem Kapitalschutz durch die Wertuntergrenze bieten.

Durch diese Konvexität könnten Investoren zu zwei Dritteln an einer positiven Kursentwicklung der zugrunde liegenden Aktie teilhaben, während eine negative Entwicklung sie nur zu einem Drittel betreffe. Damit seien Wandelanleihen gerade in schwierigen Konjunkturphasen ein leistungsfähiger Portfoliodiversifizierer. Die Anlagephilosophie der Experten ziele daher darauf ab, anhand von vier Aspekten die Partizipation am Aktienexposure zu maximieren:

- CB-Struktur;
- Kapitalerhalt/Credit;
- durch Themenauswahl identifizierte Treiber für das Aufwärtspotenzial von Aktien;
- Portfolioskalierung und Risikokontrolle.

Die beiden wichtigsten Themen in dem Portfolio der Experten seien momentan Cloud Computing und Healthcare Spending. Nach Einschätzung der Experten werde das Segment Cloud Computing (Shared On-demand-Zugang zu Computerressourcen und Daten) wegen seiner Kosten- und Geschwindigkeitsvorteile für Unternehmen und Verbraucher weiterhin exponentiell wachsen. Desgleichen seien die Experten zuversichtlich, dass die Zuwächse beim Healthcare Spending das BIP-Wachstum in den entwickelten Volkswirtschaften auch weiter übertreffen würden. Grund seien die zunehmenden Bedürfnisse einer alternden Bevölkerung.

Vom Öl- und Gassektor würden sich die Experten fernhalten, da sie hier mittelfristig anhaltende Instabilität erwarten würden. Was die Regionen betreffe, hätten die Experten nicht in Unternehmen aus China oder anderen Emerging Markets investiert. Aufgrund der fehlenden Transparenz an diesen Märkten im Hinblick auf die Corporate Governance hätten die Experten nicht viel Vertrauen in die Absicherung nach unten, die einen zentralen Aspekt in dem Prozess der Experten darstelle.

Wandelanleihen würden eine Brücke zwischen Aktien- und Anleihemärkten schlagen. Sie würden bei steigenden Zinsen gut abschneiden und hätten sich in der Vergangenheit auch in niedrig-rentierlichen Konstellationen bewährt, wie sich in Japan habe beobachten lassen. Wandelanleihen würden negativ bzw. sehr gering mit Staats- und IG-Anleihen korrelieren. Ihre Korrelation mit Hochzinsanleihen liege bei 60 Prozent und die mit Aktien bei 92 Prozent. Daher würden Portfolios ausgewogener Wandelanleihen bessere risikobereinigte Renditen aufweisen als andere herkömmliche Anlageformen.

In diesem Zusammenhang beziehe sich der Begriff "ausgewogen" auf CBs in ihrer reinsten Ausprägung, im Gegensatz zu CBs mit Wandlungskursen deutlich über oder unter dem Kurs der zugrunde liegenden Aktie. Der Begriff der "ausgewogenen Wandelanleihe" schließe auch Mandatory CBs aus, die bei Fälligkeit in Aktien gewandelt würden, sowie sogenannte synthetische Wandelanleihen, die sich in der Regel aus Anleihen und Optionsscheinen zusammensetzen würden. Doch in gleich welchem Zusammenhang: Die Portfoliodiversifikationsvorteile von CBs würden sich nicht leugnen lassen. (02.06.2016/alc/a/a)