Erweiterte Funktionen
Wahlen in Italien: Welches Szenario ist am besten für die Märkte?
26.02.18 12:30
Allianz Global Investors
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Parlamentswahlen in Italien am 4. März sind wahrscheinlich das bedeutendste politische Ereignis im Euroraum im laufenden Jahr, so die Experten von Allianz Global Investors.
Gleichzeitig würden die Wähler neue Regierungen in den Regionen Lombardei und Latium wählen - auf die zusammen ein Drittel der italienischen Wirtschaftsleistung entfalle.
Dies sei die erste Wahl unter dem im Oktober 2017 verabschiedeten neuen italienischen Wahlrecht. Es begünstige die etablierten politischen Kräfte, die willens und in der Lage seien, stärkere Koalitionen zu bilden - etwa Mitte-Links- bzw. Mitte-Rechts-Allianzen. Dies gehe zulasten der 5-Sterne-Bewegung (M5S) und anderer gegen das Establishment gerichtete Parteien, die nicht zur Zusammenarbeit mit anderen bereit seien. Nach den jüngsten Umfragen scheine jedoch keine der genannten Koalitionen den erforderlichen Anteil von 40% der Stimmen zu erreichen, um die Mehrheit im Parlament zu erlangen und eine Regierung bilden zu können:
Die derzeitige Mitte-Links-Koalition habe stetig an Zustimmung bei den Wählern verloren; die M5S erhalte wahrscheinlich die meisten Stimmen, dürfte aber nicht imstande sein, eine Regierung zu bilden; den jüngsten Trends zufolge dürfte die Mitte-Links-Koalition stärker unter Stimmenthaltungen leiden als ein Mitte-Rechts-Bündnis. Wenn es dabei bleibe, könnte eine Mitte-Rechts-Koalition die Mehrheit im Parlament erhalten.
Auch wenn Wahlumfragen keine sonderlich zuverlässigen Prognoseinstrumente darstellen, skizzieren die Experten von Allianz Global Investors nachfolgend vier mögliche Szenarien für den Wahlausgang in Italien:
Am unwahrscheinlichsten: Die von den Märkten bevorzugte Mitte-Links-Koalition
Es bestünden nur geringe Chancen, dass die derzeitige regierende Mitte-Links-Koalition unter der Führung von Premierminister Paolo Gentiloni die Wahlen unbeschadet überstehe. Die Märkte würden eine Fortsetzung dieser Koalition bevorzugen, da sie in fiskalpolitischer Hinsicht als relativ diszipliniert gelte. Mit einem besorgniserregenden Wert von über 130% des BIP sei die Staatsverschuldung Italiens nach der Griechenlands die höchste im Euroraum.
Zunehmend möglich: Mitte-Rechts-Koalition als eindeutiger Gewinner
Sollte es bei den Wahlen einen eindeutigen Sieger geben, dann dürfte dies eine Mitte-Rechts-Koalition sein. Dies wäre aus Sicht der Märkte ein etwas weniger günstiges - wenngleich nicht allzu negatives - Ergebnis. In diesem Szenario wäre der neue Premierminister wahrscheinlich eine moderat ausgerichtete, der Europäischen Union wohlgesonnene Person - wahrscheinlich ähnlich wie Paolo Gentiloni. Einer der infrage kommenden Kandidaten sei Antonio Tajani, der aktuelle Präsident des EU-Parlaments.
Am wahrscheinlichsten: Bildung einer Koalition aus Demokratischer Partei und Mitte-Rechts-Bündnis
Der wahrscheinlichste Wahlausgang sei, dass es keinen eindeutigen Sieger gebe. In diesem Fall rechnen die Experten von Allianz Global Investors mit der Bildung einer Regierungskoalition unter Beteiligung der Demokratischen Partei und Teilen des Mitte-Rechts-Bündnisses. Bis sich die Parteien einigen würden, würde Premierminister Gentiloni im Amt bleiben. Sollten sich die Koalitionsverhandlungen in die Länge ziehen, könnte sich dies an den Märkten negativ bemerkbar machen. Die Experten von Allianz Global Investors gehen aber nicht davon aus, dass es zu einem größeren Ausverkauf kommt, da sich die Konjunktur in Italien weiter verbessert.
Extremrisiko: Außenseiterparteien würden eine Koalition bilden
Nicht ganz auszuschließen sei, dass die nicht zu den etablierten Kräften zählenden Parteien - M5S, Lega Nord und die Extreme Linke - eine Koalition bilden würden. Allerdings scheinen die politischen Grundüberzeugungen dieser drei Parteien unvereinbar, so die Experten von Allianz Global Investors. Lediglich M5S und die Extreme Linke würden gemeinsame ideologische Vorstellungen besitzen und könnten sich verbünden. Ihre wirtschaftlichen und politischen Vorhaben würden aber von den Märkten eindeutig abgelehnt. Das Szenario sei zum Glück sehr unwahrscheinlich.
Wenn rasch eine Mitte-Rechts-Koalition unter Beteiligung der Demokratischen Partei zustande komme, könnten die Renditeaufschläge italienischer Staatsanleihen deutlich zurückgehen, da dann das Vertrauen der Anleger steigen werde. Die Märkte würden zunehmend darauf warten, dass sich in den Ländern der Euroland-Peripherie eine zyklische Erholung abzeichne, die eine positive Neueinschätzung der Bonität erlaube. In Portugal und in Spanien sei das bereits geschehen, nun könnte dies auch in Italien passieren.
Würden die Wahlen zu einer Mitte-Rechts-Koalition führen - was für die Experten nicht das wahrscheinlichste Szenario sei - könnte dies unterschiedliche Reaktionen an den Märkten bewirken. Zwar würden wir in diesem Fall zunächst keinen Anstieg des Renditeaufschlags italienischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen erwarten, so die Experten von Allianz Global Investors. Vielmehr müsste aus Sicht der Marktteilnehmer erst das wirtschaftliche Programm der neuen Regierung absehbar sein. Jedoch seien gravierende Reaktionen für den Fall möglich, dass das Mitte-Rechts-Bündnis seine bisherigen Vorschläge umsetzen würde: Eine Senkung der Unternehmenssteuern, eine Anhebung der Mindestrente und eine Einkommensteuer mit einheitlichen Prozentsatz (Flat Tax). Alle diese Maßnahmen würden die Staatsverschuldung Italiens weiter steigen lassen.
Unterm Strich lasse sich festhalten, dass italienische Staatsanleihen derzeit relativ teuer seien. Anfang Februar habe ihr Renditeaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen lediglich 127 Basispunkte betragen. Im Vorfeld der Wahlen könnten die Marktteilnehmer zunehmend nervös werden und die Risikoprämie wieder auf ein Niveau von 145 bis 150 Basispunkte oder sogar darüber steigen lassen. Gehe aus den Wahlen kein eindeutiger Sieger hervor, könnte es zu einer Spread-Ausweitung kommen, wenn sich die Demokratische Partei und die Forza Italia verbünden würden. Unterdessen würde ein Auseinanderbrechen der Mitte-Rechts-Koalition die Lega Nord dazu veranlassen, ihre bislang gemäßigte Anti-Euro-Rhetorik wieder zu verschärfen. Doch selbst wenn die Risikoaufschläge im Umfeld der Wahlen steigen sollten, bietet der italienische Markt aus Sicht der Experten von Allianz Global Investors nach wie vor attraktive Anlagemöglichkeiten, sofern die extremen Parteien nicht den Sieg davontragen. (26.02.2018/alc/a/a)
Gleichzeitig würden die Wähler neue Regierungen in den Regionen Lombardei und Latium wählen - auf die zusammen ein Drittel der italienischen Wirtschaftsleistung entfalle.
Dies sei die erste Wahl unter dem im Oktober 2017 verabschiedeten neuen italienischen Wahlrecht. Es begünstige die etablierten politischen Kräfte, die willens und in der Lage seien, stärkere Koalitionen zu bilden - etwa Mitte-Links- bzw. Mitte-Rechts-Allianzen. Dies gehe zulasten der 5-Sterne-Bewegung (M5S) und anderer gegen das Establishment gerichtete Parteien, die nicht zur Zusammenarbeit mit anderen bereit seien. Nach den jüngsten Umfragen scheine jedoch keine der genannten Koalitionen den erforderlichen Anteil von 40% der Stimmen zu erreichen, um die Mehrheit im Parlament zu erlangen und eine Regierung bilden zu können:
Die derzeitige Mitte-Links-Koalition habe stetig an Zustimmung bei den Wählern verloren; die M5S erhalte wahrscheinlich die meisten Stimmen, dürfte aber nicht imstande sein, eine Regierung zu bilden; den jüngsten Trends zufolge dürfte die Mitte-Links-Koalition stärker unter Stimmenthaltungen leiden als ein Mitte-Rechts-Bündnis. Wenn es dabei bleibe, könnte eine Mitte-Rechts-Koalition die Mehrheit im Parlament erhalten.
Auch wenn Wahlumfragen keine sonderlich zuverlässigen Prognoseinstrumente darstellen, skizzieren die Experten von Allianz Global Investors nachfolgend vier mögliche Szenarien für den Wahlausgang in Italien:
Am unwahrscheinlichsten: Die von den Märkten bevorzugte Mitte-Links-Koalition
Es bestünden nur geringe Chancen, dass die derzeitige regierende Mitte-Links-Koalition unter der Führung von Premierminister Paolo Gentiloni die Wahlen unbeschadet überstehe. Die Märkte würden eine Fortsetzung dieser Koalition bevorzugen, da sie in fiskalpolitischer Hinsicht als relativ diszipliniert gelte. Mit einem besorgniserregenden Wert von über 130% des BIP sei die Staatsverschuldung Italiens nach der Griechenlands die höchste im Euroraum.
Sollte es bei den Wahlen einen eindeutigen Sieger geben, dann dürfte dies eine Mitte-Rechts-Koalition sein. Dies wäre aus Sicht der Märkte ein etwas weniger günstiges - wenngleich nicht allzu negatives - Ergebnis. In diesem Szenario wäre der neue Premierminister wahrscheinlich eine moderat ausgerichtete, der Europäischen Union wohlgesonnene Person - wahrscheinlich ähnlich wie Paolo Gentiloni. Einer der infrage kommenden Kandidaten sei Antonio Tajani, der aktuelle Präsident des EU-Parlaments.
Am wahrscheinlichsten: Bildung einer Koalition aus Demokratischer Partei und Mitte-Rechts-Bündnis
Der wahrscheinlichste Wahlausgang sei, dass es keinen eindeutigen Sieger gebe. In diesem Fall rechnen die Experten von Allianz Global Investors mit der Bildung einer Regierungskoalition unter Beteiligung der Demokratischen Partei und Teilen des Mitte-Rechts-Bündnisses. Bis sich die Parteien einigen würden, würde Premierminister Gentiloni im Amt bleiben. Sollten sich die Koalitionsverhandlungen in die Länge ziehen, könnte sich dies an den Märkten negativ bemerkbar machen. Die Experten von Allianz Global Investors gehen aber nicht davon aus, dass es zu einem größeren Ausverkauf kommt, da sich die Konjunktur in Italien weiter verbessert.
Extremrisiko: Außenseiterparteien würden eine Koalition bilden
Nicht ganz auszuschließen sei, dass die nicht zu den etablierten Kräften zählenden Parteien - M5S, Lega Nord und die Extreme Linke - eine Koalition bilden würden. Allerdings scheinen die politischen Grundüberzeugungen dieser drei Parteien unvereinbar, so die Experten von Allianz Global Investors. Lediglich M5S und die Extreme Linke würden gemeinsame ideologische Vorstellungen besitzen und könnten sich verbünden. Ihre wirtschaftlichen und politischen Vorhaben würden aber von den Märkten eindeutig abgelehnt. Das Szenario sei zum Glück sehr unwahrscheinlich.
Wenn rasch eine Mitte-Rechts-Koalition unter Beteiligung der Demokratischen Partei zustande komme, könnten die Renditeaufschläge italienischer Staatsanleihen deutlich zurückgehen, da dann das Vertrauen der Anleger steigen werde. Die Märkte würden zunehmend darauf warten, dass sich in den Ländern der Euroland-Peripherie eine zyklische Erholung abzeichne, die eine positive Neueinschätzung der Bonität erlaube. In Portugal und in Spanien sei das bereits geschehen, nun könnte dies auch in Italien passieren.
Würden die Wahlen zu einer Mitte-Rechts-Koalition führen - was für die Experten nicht das wahrscheinlichste Szenario sei - könnte dies unterschiedliche Reaktionen an den Märkten bewirken. Zwar würden wir in diesem Fall zunächst keinen Anstieg des Renditeaufschlags italienischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen erwarten, so die Experten von Allianz Global Investors. Vielmehr müsste aus Sicht der Marktteilnehmer erst das wirtschaftliche Programm der neuen Regierung absehbar sein. Jedoch seien gravierende Reaktionen für den Fall möglich, dass das Mitte-Rechts-Bündnis seine bisherigen Vorschläge umsetzen würde: Eine Senkung der Unternehmenssteuern, eine Anhebung der Mindestrente und eine Einkommensteuer mit einheitlichen Prozentsatz (Flat Tax). Alle diese Maßnahmen würden die Staatsverschuldung Italiens weiter steigen lassen.
Unterm Strich lasse sich festhalten, dass italienische Staatsanleihen derzeit relativ teuer seien. Anfang Februar habe ihr Renditeaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen lediglich 127 Basispunkte betragen. Im Vorfeld der Wahlen könnten die Marktteilnehmer zunehmend nervös werden und die Risikoprämie wieder auf ein Niveau von 145 bis 150 Basispunkte oder sogar darüber steigen lassen. Gehe aus den Wahlen kein eindeutiger Sieger hervor, könnte es zu einer Spread-Ausweitung kommen, wenn sich die Demokratische Partei und die Forza Italia verbünden würden. Unterdessen würde ein Auseinanderbrechen der Mitte-Rechts-Koalition die Lega Nord dazu veranlassen, ihre bislang gemäßigte Anti-Euro-Rhetorik wieder zu verschärfen. Doch selbst wenn die Risikoaufschläge im Umfeld der Wahlen steigen sollten, bietet der italienische Markt aus Sicht der Experten von Allianz Global Investors nach wie vor attraktive Anlagemöglichkeiten, sofern die extremen Parteien nicht den Sieg davontragen. (26.02.2018/alc/a/a)


