Währungshüter warten weiter auf mehr Inflation


25.08.17 12:57
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Wenngleich diese Woche keine wichtigen Notenbankentscheidungen stattfinden, liefert der konjunkturelle Veröffentlichungskalender doch neues Futter für die Währungshüter, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Dabei liege der Fokus zum einen auf den USA. Schlüsselgröße hier sei der am Freitag anstehende Arbeitsmarktbericht. Dieser dürfte weiterhin ein solides bis gutes Bild zur Beschäftigungssituation in den USA zeichnen. Die Arbeitslosenquote habe zuletzt bereits unterhalb der 4,5%-Marke gelegen, bei der die FED aktuell das Ziel der Vollbeschäftigung als erreicht ansehe. Auch im August rechnen die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt mit einer unverändert niedrigen Arbeitslosenquote von nur 4,3%. 180.000 neue Stellen dürften dabei wohl neu geschaffen worden sein.

Bei vielen FOMC-Mitgliedern sei vor diesem Hintergrund die Sorge groß, dass der Arbeitsmarkt das Ziel der Vollbeschäftigung substanziell übertreffen und so perspektivisch für einen kräftigen Inflationsdruck sorgen könnte. Die Verfechter dieser Meinung würden sich daher dafür aussprechen, die sehr akkommodierende Geldpolitik zeitnah weiter zurückzufahren. Insgesamt würden sich die Anzeichen für einen steigenden Inflationsdruck zumindest bisher aber noch in Grenzen halten. Der PCE-Deflator habe sich im Juli in der Kernrate wohl noch weiter auf 1,4% abgeschwächt.

In diesem Zusammenhang dürfte die Entwicklung der Stundenlöhne besonderes Augenmerk verdienen. Die durchschnittlichen Stundenlöhne sollten auch im August nur 2,5% höher liegen als im August 2016 - noch vor einem Jahr sei das Lohnwachstum trotz einer höheren Arbeitslosenquote mit 2,8% gg. Vj. aber ausgeprägter gewesen. Bisher lasse sich also kein Lohndruck ausmachen, der die Preise in den USA nachhaltig nach oben treibe. Die konjunkturellen Aussichten in den USA würden derweil günstig bleiben. Zum einen dürfte das Verarbeitende Gewerbe weiter im Aufwärtsmodus bleiben. Die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt rechnen mit einem nahezu soliden ISM-Index von 56,6 Punkten. Gleichzeitig stärke der gute Arbeitsmarkt den Verbrauchern den Rücken. Das vom Conference Board erhobene Konsumentenvertrauen sei im August wohl dank besserer Lagebeurteilung und aufgehellter Erwartungshaltung auf 121,8 Punkte gestiegen.

Auch in der Eurozone würden die Währungshüter nach wie vor auf einen nachhaltigen, sich selbsttragenden Inflationsanstieg hin zur Zielmarke von 2% warten. Die Augustdaten dürften die Geduld weiter auf die Probe stellen. Die Analysten würden zwar mit einem leichten Anziehen der Teuerung von 1,3% auf 1,5% in der Jahresrate rechnen. Bereits im späteren Jahresverlauf würden Basiseffekte drohen durch die Energiepreisentwicklung die Inflation aber einmal mehr in die Knie zu zwingen. Hinzu komme der relativ starke Euro, der die Importpreise hemme. Die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt rechnen vor diesem Hintergrund damit, dass die EZB ihre Inflationsprognose im Rahmen ihrer Septembersitzung nach unten korrigieren wird. Ein schneller Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik sei damit nicht zu erwarten.

Selbst in Deutschland, wo der Konjunkturmotor auf höchster Stufe laufe, bleibe die Preisentwicklung überschaubar. Man rechne zwar im August mit einer Teuerung von 1,9% gg. Vj. Der Anstieg sollte aber ebenfalls nur einen kurzen Sommerflirt mit der 2%-Marke darstellen, bevor die oben genannten Basiseffekte greifen würden. Dabei enttäusche die Inflation auch hier trotz eines rundlaufenden Arbeitsmarktes. Im August sei die Zahl der Arbeitslosen (sb.) wohl um weitere 10.000 zurückgegangen, die Arbeitslosenquote sollte auf niedrigen 5,7% verharren, nachdem die Unternehmen rekordhohe Einstellungsabsichten in den jüngsten Sentimenterhebungen angegeben hätten und die Zahl der freien Stellen ebenfalls ein neues Spitzenniveau erreicht habe. Auch in Deutschland freue die Verbraucher dabei das Zusammenspiel aus niedriger Teuerung und guten Arbeitsmarktbedingungen. Das GfK-Konsumentenvertrauen sei im September wohl auf 10,9 Punkte hochgeklettert. (25.08.2017/alc/a/a)