Erweiterte Funktionen
Wachstum im Euroraum zieht an, ebenso die Inflation
05.11.24 10:17
Union Investment
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Etwas bessere Konjunkturdaten sowie die zuletzt unerwartet höhere Inflation im Euroraum prägten das Geschehen an den Märkten, so die Experten von Union Investment.
Zudem habe die US-Präsidentschaftswahl ihre Schatten vorausgeworfen und dürfte den einen oder anderen Anleger zur Zurückhaltung bewogen haben. An den Aktienbörsen seien zunächst teils neue Höchststände erzielt worden. Solide Konjunkturdaten hätten jedoch wieder einmal zu reduzierten Zinssenkungserwartungen der Anleger geführt. Dies habe zum Monatsende eine Abwärtsbewegung verursacht. Die weltweit großen Indizes seien, mit Ausnahme von Japan, mit einem Minus aus dem Handelsmonat Oktober gegangen. An den Rentenmärkten sei es gleichzeitig zu deutlich steigenden Renditen gekommen, was zu Kursverlusten bei Euro- und US-Staatspapieren geführt habe. Der US-Dollar habe im Berichtsmonat ebenfalls aufgewertet.
Die gegen Monatsende veröffentlichten Wachstumszahlen für den Euroraum hätten positiv überrascht. Statt der erwarteten 0,2 Prozent sei das aggregierte Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal dieses Jahres um 0,4 Prozent gestiegen (im Quartalsvergleich). Diese Dynamik dürfte nach Ansicht der Experten jedoch nicht von Dauer sein, da einige positive Einmaleffekte wie die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland und die Olympischen Spiele in Paris in die Zahlen eingeflossen seien. Zudem hätten sich einige Frühindikatoren zwar auch im Oktober stabilisiert, diese lägen jedoch noch unterhalb der Niveaus des zweiten und dritten Quartals.
Positiv sei anzumerken, dass der Konsum in den großen Ländern der Eurozone zuletzt solide ausgefallen sei und zum BIP-Wachstum habe beitragen können. Im Gegensatz zu den USA, wo das Wachstum neben dem Konsum auch maßgeblich von (staatlichen und privaten) Ausrüstungsinvestitionen getrieben werde, bleibe die Investitionstätigkeit im Euroraum weiterhin verhalten.
Auf Länderebene habe insbesondere Italien mit einer BIP-Stagnation im dritten Quartal enttäuscht. Frankreich sei um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen, Spanien sogar um 0,8 Prozent. In Frankreich täusche jedoch der Sondereffekt durch die Olympischen Spiele über die eigentlich schwächere unterliegende Konjunktur hinweg. In Spanien hätten ein robuster privater Konsum sowie die öffentlichen Ausgaben zum Wachstum beigetragen. Der Tourismus habe nach langer Zeit als wichtigster Wachstumstreiber nur eine Nebenrolle gespielt.
Unter den großen Volkswirtschaften habe Deutschland die größte Überraschung geliefert, da das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent zugelegt habe. Erwartet worden sei bestenfalls ein Nullwachstum. Hierzu hätten vor allem der öffentliche Sektor und der private Verbrauch beigetragen. Der leichte Anstieg folge jedoch auf einen abwärts revidierten Rückgang von 0,3 Prozent im zweiten Quartal. Für das Jahr 2024 habe sich somit mit den Q3-Daten zwar der Verlauf verändert, die Wachstumseinschätzung sei im Jahresdurchschnitt insgesamt jedoch nicht besser geworden. Für dieses Jahr dürfte allenfalls eine Stagnation unterm Strich stehen.
Die Produktivität der deutschen Wirtschaft sinke weiter, und die Wachstumsdynamik werde absehbar schwach bleiben. Es fehle vor allem an Investitionen, sowohl im Unternehmens- als auch im öffentlichen Sektor. Die öffentliche Infrastruktur leide unter einem Investitionsstau, zudem sei die deutsche Wirtschaft mit einem anhaltend schwierigen geopolitischen Umfeld konfrontiert. Die Welt habe sich verändert, während die Anpassung Deutschlands an die neuen Gegebenheiten nur langsam vorangehe. Prominentestes Beispiel hierfür sei der Umbruch in der Autoindustrie, der sich bereits vor Jahren abgezeichnet habe und auf den die deutschen Automanager noch keine befriedigenden Antworten gefunden hätten.
Für die deutsche Konjunktur sind unsere Volkswirte dennoch verhalten optimistisch und erwarten eine Verbesserung hin zu anhaltend positiven Wachstumsraten in den kommenden Quartalen, so die Experten von Union Investment. Nach einem Jahr mit bestenfalls einer Stagnation dürfte 2025 insgesamt wieder ein moderates Plus von unter einem Prozent beim Bruttoinlandsprodukt möglich sein. Unterstützen sollten einerseits die real steigenden Löhne, andererseits die hohen Ersparnisse der Verbraucher, die ausgegeben werden könnten - sofern sich die gedämpfte Konsumlaune weiter erhole. Leichten Rückenwind dürfte die heimische Wirtschaft aus den Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank erhalten.
Neben den Wachstumsdaten sei aber auch die Inflation mit 0,4 Prozent im Oktober (im Monatsvergleich zu September) beziehungsweise 2,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr hierzulande deutlich stärker als erwartet ausgefallen. Hier machten sich teilweise Basiseffekte bemerkbar, insbesondere im Energiebereich, doch handle es sich auch nach wie vor um "echten" Preisdruck im Vergleich zum Vormonat.
Auch die aggregierte Inflation im Euroraum habe im Oktober mit 2,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr am oberen Rand der Schätzungen gelegen. Im September habe sie sich noch auf 1,7 Prozent belaufen. Der Anstieg resultiere daraus, dass die Energiepreise die Inflationsrate im Jahresvergleich weniger stark gebremst hätten (-4,6 Prozent nach noch -6,1 Prozent im September) und die Inflationsrate für Lebensmittel gestiegen sei (2,9 Prozent nach 2,4 Prozent im Vormonat). Die Kerninflation (ohne Energie und Lebensmittel) sei mit 2,7 Prozent unverändert geblieben. Dabei zeige sich die Dienstleistungsinflation unverändert hoch bei 3,9 Prozent, während sich die Teuerung für Industriegüter auf weiterhin sehr niedrigem Niveau geringfügig erhöht habe (nach 0,4 Prozent im September auf 0,5 Prozent).
Die Europäische Zentralbank (EZB) habe im Oktober den Einlagensatz ein drittes Mal um 25 Basispunkte auf 3,25 Prozent gesenkt. Diese Zinssenkung hätten über die letzten drei bis vier Wochen nahezu alle EZB-Ratsmitglieder angekündigt, sämtliche Volkswirte erwartet und die Finanzmärkte hätten diese Entscheidung nahezu vollständig eingepreist.
Nach der letzten Sitzung am 12. September habe dies bekanntlich noch etwas anders ausgesehen. Die EZB habe erneut den Eindruck erweckt, wenig Notwendigkeit für Zinssenkungen im Oktober bzw. ab sofort bei jeder Sitzung zu sehen. Wenige Tage nach der Septembersitzung habe Präsidentin Christine Lagarde angedeutet, dass eine Zinssenkung im Oktober bzw. ein schnelleres Tempo der Zinssenkungen signifikante Änderungen des Wirtschafts- und Inflationsausblicks bedingen würde. Noch bis zum 20. September hätten die Finanzmärkte einem Zinsschritt im Oktober eine Wahrscheinlichkeit von lediglich 25 Prozent beigemessen.
In den Tagen darauf erschienen enttäuschende Konjunkturdaten (Einkaufsmanager-Indizes, Ifo-Index etc.) sowie Inflationszahlen am unteren Rand der Erwartungen, die die EZB zu einem Umdenken veranlasst haben, so die Experten von Union Investment. EZB-Präsidentin Lagarde habe herausgestellt, dass sich alle Zahlen seit Ende September in dieselbe Richtung entwickelt hätten, nämlich rückläufig. Entsprechend hätten diese dann in der Gesamtschau ein starkes Zinssignal gesendet.
Hinsichtlich konkreter Hinweise für den weiteren Zinspfad, also Tempo, Schrittgröße und letztlich das Endniveau des Leitzinses, habe sich die EZB aber weiterhin bedeckt gehalten. Dies sei in der aktuellen Lage nur verständlich, zumal die EZB in einem nach wie vor unsicheren Umfeld unschlüssig darüber sei, welche weiteren Schritte notwendig seien. Die EZB werde kommende Entscheidungen über Zinssenkungen weiterhin datenabhängig vornehmen. (Ausgabe Oktober 2024) (05.11.2024/alc/a/a)
Zudem habe die US-Präsidentschaftswahl ihre Schatten vorausgeworfen und dürfte den einen oder anderen Anleger zur Zurückhaltung bewogen haben. An den Aktienbörsen seien zunächst teils neue Höchststände erzielt worden. Solide Konjunkturdaten hätten jedoch wieder einmal zu reduzierten Zinssenkungserwartungen der Anleger geführt. Dies habe zum Monatsende eine Abwärtsbewegung verursacht. Die weltweit großen Indizes seien, mit Ausnahme von Japan, mit einem Minus aus dem Handelsmonat Oktober gegangen. An den Rentenmärkten sei es gleichzeitig zu deutlich steigenden Renditen gekommen, was zu Kursverlusten bei Euro- und US-Staatspapieren geführt habe. Der US-Dollar habe im Berichtsmonat ebenfalls aufgewertet.
Die gegen Monatsende veröffentlichten Wachstumszahlen für den Euroraum hätten positiv überrascht. Statt der erwarteten 0,2 Prozent sei das aggregierte Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal dieses Jahres um 0,4 Prozent gestiegen (im Quartalsvergleich). Diese Dynamik dürfte nach Ansicht der Experten jedoch nicht von Dauer sein, da einige positive Einmaleffekte wie die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland und die Olympischen Spiele in Paris in die Zahlen eingeflossen seien. Zudem hätten sich einige Frühindikatoren zwar auch im Oktober stabilisiert, diese lägen jedoch noch unterhalb der Niveaus des zweiten und dritten Quartals.
Positiv sei anzumerken, dass der Konsum in den großen Ländern der Eurozone zuletzt solide ausgefallen sei und zum BIP-Wachstum habe beitragen können. Im Gegensatz zu den USA, wo das Wachstum neben dem Konsum auch maßgeblich von (staatlichen und privaten) Ausrüstungsinvestitionen getrieben werde, bleibe die Investitionstätigkeit im Euroraum weiterhin verhalten.
Auf Länderebene habe insbesondere Italien mit einer BIP-Stagnation im dritten Quartal enttäuscht. Frankreich sei um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen, Spanien sogar um 0,8 Prozent. In Frankreich täusche jedoch der Sondereffekt durch die Olympischen Spiele über die eigentlich schwächere unterliegende Konjunktur hinweg. In Spanien hätten ein robuster privater Konsum sowie die öffentlichen Ausgaben zum Wachstum beigetragen. Der Tourismus habe nach langer Zeit als wichtigster Wachstumstreiber nur eine Nebenrolle gespielt.
Unter den großen Volkswirtschaften habe Deutschland die größte Überraschung geliefert, da das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent zugelegt habe. Erwartet worden sei bestenfalls ein Nullwachstum. Hierzu hätten vor allem der öffentliche Sektor und der private Verbrauch beigetragen. Der leichte Anstieg folge jedoch auf einen abwärts revidierten Rückgang von 0,3 Prozent im zweiten Quartal. Für das Jahr 2024 habe sich somit mit den Q3-Daten zwar der Verlauf verändert, die Wachstumseinschätzung sei im Jahresdurchschnitt insgesamt jedoch nicht besser geworden. Für dieses Jahr dürfte allenfalls eine Stagnation unterm Strich stehen.
Für die deutsche Konjunktur sind unsere Volkswirte dennoch verhalten optimistisch und erwarten eine Verbesserung hin zu anhaltend positiven Wachstumsraten in den kommenden Quartalen, so die Experten von Union Investment. Nach einem Jahr mit bestenfalls einer Stagnation dürfte 2025 insgesamt wieder ein moderates Plus von unter einem Prozent beim Bruttoinlandsprodukt möglich sein. Unterstützen sollten einerseits die real steigenden Löhne, andererseits die hohen Ersparnisse der Verbraucher, die ausgegeben werden könnten - sofern sich die gedämpfte Konsumlaune weiter erhole. Leichten Rückenwind dürfte die heimische Wirtschaft aus den Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank erhalten.
Neben den Wachstumsdaten sei aber auch die Inflation mit 0,4 Prozent im Oktober (im Monatsvergleich zu September) beziehungsweise 2,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr hierzulande deutlich stärker als erwartet ausgefallen. Hier machten sich teilweise Basiseffekte bemerkbar, insbesondere im Energiebereich, doch handle es sich auch nach wie vor um "echten" Preisdruck im Vergleich zum Vormonat.
Auch die aggregierte Inflation im Euroraum habe im Oktober mit 2,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr am oberen Rand der Schätzungen gelegen. Im September habe sie sich noch auf 1,7 Prozent belaufen. Der Anstieg resultiere daraus, dass die Energiepreise die Inflationsrate im Jahresvergleich weniger stark gebremst hätten (-4,6 Prozent nach noch -6,1 Prozent im September) und die Inflationsrate für Lebensmittel gestiegen sei (2,9 Prozent nach 2,4 Prozent im Vormonat). Die Kerninflation (ohne Energie und Lebensmittel) sei mit 2,7 Prozent unverändert geblieben. Dabei zeige sich die Dienstleistungsinflation unverändert hoch bei 3,9 Prozent, während sich die Teuerung für Industriegüter auf weiterhin sehr niedrigem Niveau geringfügig erhöht habe (nach 0,4 Prozent im September auf 0,5 Prozent).
Die Europäische Zentralbank (EZB) habe im Oktober den Einlagensatz ein drittes Mal um 25 Basispunkte auf 3,25 Prozent gesenkt. Diese Zinssenkung hätten über die letzten drei bis vier Wochen nahezu alle EZB-Ratsmitglieder angekündigt, sämtliche Volkswirte erwartet und die Finanzmärkte hätten diese Entscheidung nahezu vollständig eingepreist.
Nach der letzten Sitzung am 12. September habe dies bekanntlich noch etwas anders ausgesehen. Die EZB habe erneut den Eindruck erweckt, wenig Notwendigkeit für Zinssenkungen im Oktober bzw. ab sofort bei jeder Sitzung zu sehen. Wenige Tage nach der Septembersitzung habe Präsidentin Christine Lagarde angedeutet, dass eine Zinssenkung im Oktober bzw. ein schnelleres Tempo der Zinssenkungen signifikante Änderungen des Wirtschafts- und Inflationsausblicks bedingen würde. Noch bis zum 20. September hätten die Finanzmärkte einem Zinsschritt im Oktober eine Wahrscheinlichkeit von lediglich 25 Prozent beigemessen.
In den Tagen darauf erschienen enttäuschende Konjunkturdaten (Einkaufsmanager-Indizes, Ifo-Index etc.) sowie Inflationszahlen am unteren Rand der Erwartungen, die die EZB zu einem Umdenken veranlasst haben, so die Experten von Union Investment. EZB-Präsidentin Lagarde habe herausgestellt, dass sich alle Zahlen seit Ende September in dieselbe Richtung entwickelt hätten, nämlich rückläufig. Entsprechend hätten diese dann in der Gesamtschau ein starkes Zinssignal gesendet.
Hinsichtlich konkreter Hinweise für den weiteren Zinspfad, also Tempo, Schrittgröße und letztlich das Endniveau des Leitzinses, habe sich die EZB aber weiterhin bedeckt gehalten. Dies sei in der aktuellen Lage nur verständlich, zumal die EZB in einem nach wie vor unsicheren Umfeld unschlüssig darüber sei, welche weiteren Schritte notwendig seien. Die EZB werde kommende Entscheidungen über Zinssenkungen weiterhin datenabhängig vornehmen. (Ausgabe Oktober 2024) (05.11.2024/alc/a/a)
Aktuelle Kursinformationen mehr >
| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 20.04./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


