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Wachsende Risiken erfordern größere Vorsicht bei Fixed-Income-Investoren
22.06.17 12:15
T. Rowe Price
Baltimore (www.anleihencheck.de) - Die geldpolitischen Maßnahmen der großen Zentralbanken dürften in der zweiten Jahreshälfte verstärkt prüfende Blicke auf sich ziehen, wenn Investoren nach weiteren Anzeichen dafür suchen, dass die Ära der expansiven Geldpolitik zu Ende geht, so Quentin Fitzsimmons, Portfoliomanager Global Fixed Income bei T. Rowe Price.
"Die Erwartung, dass die Europäische Zentralbank auf einen Kurs der geldpolitischen Normalisierung zurückkehrt und die US-amerikanische Notenbank sowie die chinesische Volksbank ihre geldpolitischen Straffungsmaßnahmen beibehalten, kann eine Rückkehr der Volatilität mit sich bringen", erläutere Fitzsimmons. In diesem zunehmend unsicheren Umfeld sei ein vorsichtiger Ansatz für festverzinsliche Wertpapieranlagen erforderlich, der sich vor allem auf Schwellenmärkte und sehr selektiv auf Unternehmensanleihen aus entwickelten Ländern konzentriere.
Als Donald Trump im vergangenen November zum US-Präsidenten gewählt worden sei, sei es zu einem Ausverkauf an den US-amerikanischen Rentenmärkten angesichts der damals erwarteten Steuerkürzungen, regulatorischen Reformen und massiven Infrastrukturprogramme gekommen. Allein: "Die zuletzt sichtbaren Schwierigkeiten des Präsidenten, den Kongress von seinen Ideen zu überzeugen, haben die anfänglichen Erwartungen der Märkte gedämpft. Und die Anleger haben begonnen, eine Umsetzung der geplanten Agenda als unwahrscheinlicher zu betrachten", erläutere Fitzsimmons. Zugleich betone er, dass das Gewinnwachstum der US-Unternehmen weiterhin sehr stark erscheine: "Für die nächste Zeit erwarten wir keine Ausfälle bei US-Unternehmensanleihen. Dies bietet die Möglichkeit, in Unternehmen mit soliden Fundamentaldaten zu investieren, sofern sie attraktiv bewertet sind", unterstreiche der Portfoliomanager.
Die Zinswende in Europa sei zwar ein Thema, dass Anleger mit einiger Vorsicht beobachten sollten, dennoch dürfte Fitzsimmons zufolge die Europäische Zentralbank (EZB) die wirtschaftliche Erholung der Eurozone nicht durch aggressive Maßnahmen aufs Spiel setzen wollen. "Für die europäische Zentralbank ist es momentan schwieriger, ihre expansive Geldpolitik zu drosseln als für die FED in den USA", so der Experte. Im Gegensatz zu ihren US-amerikanischen Amtskollegen müssten die EZB-Verantwortlichen die Auswirkungen ihrer Aktionen nicht nur auf ein Land, sondern auf viele Nationen mit großen Unterschieden in der Kreditqualität berücksichtigen. "Solange die EZB es vermeidet, die Märkte mit unerwarteten Maßnahmen zu überraschen, dürften die Renditen in Europa für den Rest des Jahres niedrig bleiben", glaube Fitzsimmons.
Hinzu komme in Europa die politische Ungewissheit angesichts des Wahlergebnisses aus dem Vereinigten Königreich - die Konservativen hätten im Juni ihre absolute Mehrheit im Unterhaus verloren. "Während das Ergebnis dazu führen könnte, dass die britische Regierung nun einen pragmatischeren Ansatz für die Brexit-Verhandlungen verfolgt, dürften die Bedenken in der Innenpolitik die Anlegerstimmung belasten", so Fitzsimmons. In vielerlei Hinsicht sei Europa heute aber in einer stärkeren Position als Anfang 2017. So seien die Rechtspopulisten bei den Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich gescheitert. "Das Wirtschaftswachstum ist auf dem Kontinent stark, das Vertrauen der Unternehmen ist hoch - dies spiegelt sich in einer zunehmenden Investitionsbereitschaft wider. Wie in den USA erwirtschaften auch die Unternehmen in Europa hohe Gewinne. Dies bietet fundamental orientierten Investoren Chancen, die in der Lage sind, attraktiv bewertete Unternehmen mit starken Fundamentaldaten zu identifizieren."
Schwellenländeranleihen hätten gegenüber Anleihen aus Industriestaaten seit Jahresbeginn eine bessere Performance erzielt. "Dieser Trend könnte sich fortsetzen, wenn sich das Wirtschaftswachstum in den Emerging Markets verbessert. Bislang gab es in mehreren Ländern Fortschritte bei den Strukturreformen, die Anleihemärkte bieten weiterhin gute Einstiegschancen", konstatiere Quentin Fitzsimmons. Zudem seien einige Schwellenländer wie Kolumbien und Russland in einer disinflationären Wachstumsphase. Dies mache ihre lokalen Anleihemärkte attraktiv - insbesondere bei Straffungsmaßnahmen der US-Notenbank.
Ein Hauptrisiko für aufstrebende Märkte sei laut dem Portfoliomanager die Möglichkeit, dass die Straffung der US-Geldpolitik eine Aufwertung des US-Dollars zur Folge haben könnte. Dies könne Druck auf Schwellenländeranleihen und -währungen ausüben. Der Experte nenne zwei weitere Risiken: Sowohl ein deutlicher Preisverfall bei Rohstoffen als auch erhöhte politische Risiken wie der brasilianische Korruptionsskandal oder weitere Spannungen in Asien im Zusammenhang mit dem Raketenprogramm Nordkoreas könnten die Märkte verunsichern. Auch China bleibe für viele Investoren auf dem "Risiko-Radar", da eine wirtschaftliche Abschwächung in einem gewissen Grad unvermeidlich erscheine. Sollte Peking drastische Schritte unternehmen, dies zu bekämpfen, könne das Probleme verursachen.
"Wenn das passiert, werden die Effekte nicht nur in Asien, sondern auch in der ganzen Welt zu spüren sein, vor allem in Ländern, die stark von der chinesischen Nachfrage abhängig sind, wie Deutschland, Australien, Chile und Brasilien", so Fitzsimmons und ergänze: "Die chinesischen Behörden sind wahrscheinlich bemüht, alle drastischen Maßnahmen zu vermeiden." Mittlerweile hätten im Reich der Mitte zudem die Fortschritte in den Handelsgesprächen mit der Trump-Regierung die Befürchtungen eines US-amerikanischen Handelskrieges beruhigt. "Die mittelfristigen Aussichten für die lokalen Schwellenländeranleihen sehen daher weiterhin solide aus, obwohl Anleger sensibel für Anzeichen von starken Rückschlägen sein sollten."
Das Gesamtbild für Fixed-Income-Investoren sei im zweiten Halbjahr 2017 laut Fitzsimmons eines der wachsenden Risiken und zugleich eines der selektiven Chancen. Während es weiterhin geldpolitische Divergenz zwischen den verschiedenen Regionen gebe und die Möglichkeit bestehe, Bewegungen bei Spreads und Renditekurven auszunutzen, sei es klar, dass dies nicht unendlich so weiterlaufe. Denn die Ära der ultraexpansiven Geldpolitik gehe allmählich zu Ende. "Damit steigt die Volatilität an den Anleihemärkten." Angesichts dessen, sei es für Anleger wichtig, vorsichtig zu agieren und sich auf die vielversprechendsten Positionen zu konzentrieren. In lokalen Währungen denominierte Schwellenländeranleihen böten seiner Ansicht nach einige der besten Chancen, vor allem in Ländern mit niedrigem Inflationsausblick und würden Aussichten auf Zinserhöhungen begrenzen. Weiterhin könnten sich variabel verzinsliche Bankkredite, die sich historisch gut in Zeiten steigender Zinsen verhalten hätten, bewähren. Darüber hinaus sehe der Experte gute Chancen bei Anleihen globaler Unternehmen, die solide Fundamentaldaten und attraktive Bewertungen aufweisen würden. (22.06.2017/alc/a/a)
"Die Erwartung, dass die Europäische Zentralbank auf einen Kurs der geldpolitischen Normalisierung zurückkehrt und die US-amerikanische Notenbank sowie die chinesische Volksbank ihre geldpolitischen Straffungsmaßnahmen beibehalten, kann eine Rückkehr der Volatilität mit sich bringen", erläutere Fitzsimmons. In diesem zunehmend unsicheren Umfeld sei ein vorsichtiger Ansatz für festverzinsliche Wertpapieranlagen erforderlich, der sich vor allem auf Schwellenmärkte und sehr selektiv auf Unternehmensanleihen aus entwickelten Ländern konzentriere.
Als Donald Trump im vergangenen November zum US-Präsidenten gewählt worden sei, sei es zu einem Ausverkauf an den US-amerikanischen Rentenmärkten angesichts der damals erwarteten Steuerkürzungen, regulatorischen Reformen und massiven Infrastrukturprogramme gekommen. Allein: "Die zuletzt sichtbaren Schwierigkeiten des Präsidenten, den Kongress von seinen Ideen zu überzeugen, haben die anfänglichen Erwartungen der Märkte gedämpft. Und die Anleger haben begonnen, eine Umsetzung der geplanten Agenda als unwahrscheinlicher zu betrachten", erläutere Fitzsimmons. Zugleich betone er, dass das Gewinnwachstum der US-Unternehmen weiterhin sehr stark erscheine: "Für die nächste Zeit erwarten wir keine Ausfälle bei US-Unternehmensanleihen. Dies bietet die Möglichkeit, in Unternehmen mit soliden Fundamentaldaten zu investieren, sofern sie attraktiv bewertet sind", unterstreiche der Portfoliomanager.
Die Zinswende in Europa sei zwar ein Thema, dass Anleger mit einiger Vorsicht beobachten sollten, dennoch dürfte Fitzsimmons zufolge die Europäische Zentralbank (EZB) die wirtschaftliche Erholung der Eurozone nicht durch aggressive Maßnahmen aufs Spiel setzen wollen. "Für die europäische Zentralbank ist es momentan schwieriger, ihre expansive Geldpolitik zu drosseln als für die FED in den USA", so der Experte. Im Gegensatz zu ihren US-amerikanischen Amtskollegen müssten die EZB-Verantwortlichen die Auswirkungen ihrer Aktionen nicht nur auf ein Land, sondern auf viele Nationen mit großen Unterschieden in der Kreditqualität berücksichtigen. "Solange die EZB es vermeidet, die Märkte mit unerwarteten Maßnahmen zu überraschen, dürften die Renditen in Europa für den Rest des Jahres niedrig bleiben", glaube Fitzsimmons.
Schwellenländeranleihen hätten gegenüber Anleihen aus Industriestaaten seit Jahresbeginn eine bessere Performance erzielt. "Dieser Trend könnte sich fortsetzen, wenn sich das Wirtschaftswachstum in den Emerging Markets verbessert. Bislang gab es in mehreren Ländern Fortschritte bei den Strukturreformen, die Anleihemärkte bieten weiterhin gute Einstiegschancen", konstatiere Quentin Fitzsimmons. Zudem seien einige Schwellenländer wie Kolumbien und Russland in einer disinflationären Wachstumsphase. Dies mache ihre lokalen Anleihemärkte attraktiv - insbesondere bei Straffungsmaßnahmen der US-Notenbank.
Ein Hauptrisiko für aufstrebende Märkte sei laut dem Portfoliomanager die Möglichkeit, dass die Straffung der US-Geldpolitik eine Aufwertung des US-Dollars zur Folge haben könnte. Dies könne Druck auf Schwellenländeranleihen und -währungen ausüben. Der Experte nenne zwei weitere Risiken: Sowohl ein deutlicher Preisverfall bei Rohstoffen als auch erhöhte politische Risiken wie der brasilianische Korruptionsskandal oder weitere Spannungen in Asien im Zusammenhang mit dem Raketenprogramm Nordkoreas könnten die Märkte verunsichern. Auch China bleibe für viele Investoren auf dem "Risiko-Radar", da eine wirtschaftliche Abschwächung in einem gewissen Grad unvermeidlich erscheine. Sollte Peking drastische Schritte unternehmen, dies zu bekämpfen, könne das Probleme verursachen.
"Wenn das passiert, werden die Effekte nicht nur in Asien, sondern auch in der ganzen Welt zu spüren sein, vor allem in Ländern, die stark von der chinesischen Nachfrage abhängig sind, wie Deutschland, Australien, Chile und Brasilien", so Fitzsimmons und ergänze: "Die chinesischen Behörden sind wahrscheinlich bemüht, alle drastischen Maßnahmen zu vermeiden." Mittlerweile hätten im Reich der Mitte zudem die Fortschritte in den Handelsgesprächen mit der Trump-Regierung die Befürchtungen eines US-amerikanischen Handelskrieges beruhigt. "Die mittelfristigen Aussichten für die lokalen Schwellenländeranleihen sehen daher weiterhin solide aus, obwohl Anleger sensibel für Anzeichen von starken Rückschlägen sein sollten."
Das Gesamtbild für Fixed-Income-Investoren sei im zweiten Halbjahr 2017 laut Fitzsimmons eines der wachsenden Risiken und zugleich eines der selektiven Chancen. Während es weiterhin geldpolitische Divergenz zwischen den verschiedenen Regionen gebe und die Möglichkeit bestehe, Bewegungen bei Spreads und Renditekurven auszunutzen, sei es klar, dass dies nicht unendlich so weiterlaufe. Denn die Ära der ultraexpansiven Geldpolitik gehe allmählich zu Ende. "Damit steigt die Volatilität an den Anleihemärkten." Angesichts dessen, sei es für Anleger wichtig, vorsichtig zu agieren und sich auf die vielversprechendsten Positionen zu konzentrieren. In lokalen Währungen denominierte Schwellenländeranleihen böten seiner Ansicht nach einige der besten Chancen, vor allem in Ländern mit niedrigem Inflationsausblick und würden Aussichten auf Zinserhöhungen begrenzen. Weiterhin könnten sich variabel verzinsliche Bankkredite, die sich historisch gut in Zeiten steigender Zinsen verhalten hätten, bewähren. Darüber hinaus sehe der Experte gute Chancen bei Anleihen globaler Unternehmen, die solide Fundamentaldaten und attraktive Bewertungen aufweisen würden. (22.06.2017/alc/a/a)


