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Vorschau auf die Zentralbank-Sitzungen der FED und der EZB im Juli


25.07.23 09:15
Carmignac Gestion

Luxemburg (www.anleihencheck.de) - Die EZB und die US-FED werden im Laufe der Woche ihre letzten Zinsentscheidungen vor der Sommerpause treffen. Kevin Thozet, Mitglied des Investmentkomitees von Carmignac, erwartet folgende Notenbankbeschlüsse:

Die Desinflation sei stark. In den USA würden die Preise jedoch schneller als im Euroraum fallen - wo sie Anfang 2024 immer noch auf einem unangenehm hohen Niveau von drei Prozent (oder mehr) liegen dürften. Die Arbeitsmärkte seien nach wie vor sehr angespannt, auch wenn Deutschland in dieser Hinsicht etwas schwächele. Die Inflation habe die Bemühungen der Zentralbanker um die Entwicklung der Leitzinsen dominiert. Jetzt, da der Desinflationsprozess klarer werde, richte sich die Aufmerksamkeit darauf, wie sich die Löhne und die Arbeitsmarktdynamik entwickeln würden.

Der Verbraucherpreisindex für Juni habe endlich ermutigende Signale gesendet, während die von der FED favorisierte Super-Kerninflation schließlich zum Stillstand gekommen sei. Es werde erwartet, dass die nächsten drei Inflationsdaten im Monatsvergleich bei 0,2 Prozent liegen würden, was mit dem jährlichen Inflationsziel der FED von 2 Prozent übereinstimme. Dies sei eine Erleichterung.

Auf dem US-Arbeitsmarkt gebe es Anzeichen für eine Beruhigung, da die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung mit 228.000 niedriger ausgefallen sei als erwartet (ein Zwei-Monatstief und 22.000 weniger als gedacht) und die Löhne im Jahresvergleich immer noch um 6 Prozent steigen würden. Beides spreche dafür, dass Jerome Powell einen noch progressiveren Ansatz in der Geldpolitik verfolgen sollte. Dies würde bedeuten, dass die FED ihren Zinserhöhungspfad verlangsame und auf greifbarere Indikatoren für eine Verlangsamung des Arbeitsmarktes warte, bevor die letzte Zinserhöhung vom Tisch sei.

Vor diesem Hintergrund bestehe die Möglichkeit einer neuen Abfolge, bei der die Leitzinsen auf jeder zweiten Sitzung um 0,25 Prozent angehoben würden. Die Analysten würden daher mit einer Anhebung um 0,25 Prozent am 26. Juli 2023 rechnen und eine Anhebung auf der November-Sitzung für möglich halten. Voraussetzung dafür sei, dass die Beschäftigungsdaten für September und Oktober die Abkühlung am Arbeitsmarkt bestätigen würden.

Die Erhöhung durch die EZB im Juli von 3,5 Prozent auf 3,75 Prozent scheine beschlossene Sache zu sein. Im September werde der Leitzins dann wohl auf 4 Prozent angehoben.

Es werde erwartet, dass die Kerninflation in der Region ab Oktober ansteige und die volkwirtschaftlichen Veröffentlichungen würden auf ein sehr schwaches Wachstumsumfeld hindeuten. Die Kraftübertragung der Geldpolitik funktioniere, aber das Risiko einer übermäßigen Straffung in der Region sei angesichts der wirtschaftlichen Vielfalt der Mitgliedstaaten größer. So könnte der September das Ende dieses außergewöhnlichen Zinserhöhungszyklus sein - und die Märkte seien offenbar auf eine solche Folge gut vorbereitet.

Das Risiko auf dieser Seite des Atlantiks liege im Ringen um die EZB-Bilanz. Nach dem TLTRO und dem APP könnte das Pandemic Emergency Purchase Program (PEPP) das nächste Unterstützungsprogramm sein, das zur Abwicklung anstehe. In der Tat solle das PEPP seine Reinvestitionen Ende 2024 beenden. Es bestehe jedoch die Gefahr, dass das Enddatum auf Mitte 2024 vorgezogen werde. Dies könnte die Bereitschaft einiger Ausschussmitglieder ausgleichen, den Zinserhöhungszyklus bereits im September zu unterbrechen oder sogar zu beenden. (25.07.2023/alc/a/a)