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Vier gute Gründe für Wandelanleihen


21.03.22 10:16
Lazard Asset Management

Delaware (www.anleihencheck.de) - Arnaud Brillois, Portfoliomanager und Analyst bei Lazard Asset Management und Manager des Lazard Convertible Global Fund, berichtet über die Chancen für Wandelanleihen im laufenden Jahr 2022.

Wandelanleihen oder Convertibles würden zu den hybriden Kapitalanlagen gehören: Der Käufer erwerbe eine Anleine mit einem Coupon, gleichzeitig aber auch das Recht auf einen Umtausch in Aktien des Unternehmens (Wandlung). In guten Märkten könnten Investoren am Aktienmarkt partizipieren, in fallenden Märkten würden sie eine Unternehmensanleihe halten. Daraus ergebe sich ein asymmetrisches Chance-Risiko-Profil.

Im Jahr 2021 habe sich der Aktienmarkt besser als die Wandelanleihen entwickelt, was hauptsächlich an den treibenden Branchen gelegen habe: Finanz- und Energieunternehmen hätten zum Beispiel starke Gewinne verbuchen können, seien bei den Convertibles jedoch kaum präsent. Die Emittenten der Wandelanleihen würden überwiegend zu den Small- und Mid-Caps gehören, die Wachstumskapital suchen würden - es bestehe eine gewisse Nähe zum Aktienindex NASDAQ. Dementsprechend seien hier Branchen wie Technologie oder Healthcare stark vertreten.

Geografisch würden die USA den Wandelanleihen-Markt dominieren, sie würden fast Dreiviertel des Volumens ausmachen. Russland trage mit etwa einem Prozent nur einen geringen Anteil, sodass der Ukrainekrieg wenig direkten Einfluss auf die Papiere habe. Die Experten seien mit ihren Fonds gar nicht in Russland investiert.

Aktuell würden aus Sicht der Experten die folgenden vier guten Gründe für Wandelanleihen sprechen:

1. Gerade Technologie-Unternehmen wie zum Beispiel Spezialisten für Cybersecurity hätten zum Jahresauftakt mit starken Ergebnissen aufwarten können.

2. Die Experten würden bei den Aktien aktuell attraktive Bewertungen sehen. Die Kurse seien gefallen, obwohl die Unternehmen starke Gewinne einfahren würden.

3. Zudem bestehe ein gewisses Recovery-Momentum für einige von der Pandemie stark getroffene Branchen wie zum Beispiel den Tourismus oder die Eventveranstalter.

4. Neben den Sondereffekten durch die Pandemie und die Energiepreise würden auch strukturelle Faktoren die Inflation treiben. Wandelanleihen könnten über ihre Aktienkomponente einen gewissen Inflationsschutz bieten.

Der Convertible-Markt biete hohe Konvexität und hohe Diversität. Die Experten würden daher starkes Aufwärtspotenzial nach den ihrer Meinung nach übertriebenen Abwertungen im vergangenen Jahr sehen. Wandelanleihen seien meist Kurzläufer und wenig sensitiv für Zinseinflüsse. Sie würden oft aus dem High Yield-Bereich stammen oder gar kein Rating aufweisen, da die Emittenten keine anderen Anleihen ausgeben würden.

Für einen globalen Investmentansatz sei daher eine sorgfältige Unternehmensauswahl und -analyse essenziell. Die Experten hätten ein sehr starkes Research-Team, das für die Titelauswahl ihrer Fonds verantwortlich sei. Ihr zweiter Ansatz sei eine Investment-Grade-Strategie, die sich auf Convertibles mit diesem Rating konzentriere. Das reduziere das Risiko, aber auch die Chancen. In einem dritten Weg würden die Experten gezielt nach unterbewerteten Wandelanleihen investieren: Die Recovery-Strategie suche zum Beispiel nach Titeln aus der Tourismusbranche oder anderen Bereichen, die stark unter COVID 19 gelitten hätten und bei einem Übergang in die endemische Phase der Pandemie großes Aufholpotenzial hätten. (21.03.2022/alc/a/a)