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Verleugnete Inflationsgefahren
04.03.21 08:30
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Plötzlich ist ein neues Schreckgespenst in die Börsen gefahren: Inflationsgefahren, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
In den USA sei der Konsumentenpreisindex auf 1,4% und in der Eurozone auf 0,9% gestiegen. Sofort seien die Kurse an den Rentenmärkten stark gefallen. Das Volumen der Anleihen mit einer negativen Rendite habe am 11. Dezember 2020 weltweit mit USD 18,380 Billionen einen Rekordwert erreicht. Aktuell seien es nur noch USD 12,696 Billionen. Dies zeige deutlich, wie sehr sich plötzlich die Märkte künftiger Inflationsgefahren bewusst geworden seien.
Sofort habe dies die Notenbanken auf den Plan gerufen mit vielen Beschwichtigungen. Allen voran die FED: "The economy is a long way from our employment and inflation goals, and it is likely to take some time for substantial further progress to be achieved," habe in dieser Woche Jerome Powell gesagt und "it could take more than three years", bis die Inflation das von der FED angestrebte Ziel ereiche. Trotzdem seien die Renditen der 10-jährigen Treasuries weiter auf 1,54% gestiegen, nur die Kurse der Edelmetalle hätten nachgegeben. Es herrsche eine "babylonische Verwirrung".
Die Zehnjahresrenditen der Treasuries und der Anstieg der Konsumentenpreise in den USA würden parallel verlaufen. Die Märkte nähmen die Gefahren vorweg! Stärkere Eingriffe der Notenbank mittels QE könnten dies nur zeitweise unterbrechen. Das beeinflusse auch das Sparverhalten der Privaten. Solange sie keine ausreichende Realverzinsung erzielen könnten, würden sie langfristige Anlagen meiden und wenn die Geldmärkte keine Anlagealternative bieten würden, würden sie lieber ganz liquide bleiben. So sei die Sparquote der Privathaushalte auf einen Rekordstand von 20,5% (Februar 2020 8%) gestiegen, während die Inflationserwartungen nach dem Index der Universität of Michigan die drei Prozent-Marke erreicht hätten. Inflationsgefahren müssten also durchaus ernst genommen werden.
In Westeuropa sei das Bild ähnlich, die Entwicklung sei rund vier Wochen hinter der amerikanischen. Im Monat Januar sei der Harmonisierte Index der Verbraucherpreise in der Eurozone (EA) auf 0,9% und in der Europäischen Union (EU) auf 1,2% gestiegen. Im Februar sei in Deutschland dieser Index mit 1,3% nicht mehr ganz so hoch wie im Januar mit 1,6% geblieben. Doch auch in Westeuropa seien die Inflationsgefahren nicht mehr einfach zu leugnen. Sicherlich handle es sich nicht um eine galoppierende, allenfalls eine schleichende Inflation, doch sie werde vielerorts beschwichtigt.
Die Europäische Zentralbank (EZB), in der EA verantwortlich für die Preisstabilität, folge dem FED-Vorbild mit Beschwichtigungen auf den Anstieg der Renditen und weise darauf hin, sie habe, so ihr Vize-Präsidenten Luis de Guindos, genügend Mittel, um jeden unerwünschten Anstieg der Anleiherenditen zu bekämpfen. Die Notenbank besitze die dafür nötige Flexibilität in der Geldpolitik, habe de Guindos in einem am Dienstag auf der EZB-Webseite veröffentlichten Interview gesagt. Inflationssorgen halte der Notenbanker derzeit nicht für angebracht. "Alles in allem würde ich sagen, dass wir kurzfristig nicht sehr besorgt sein müssen hinsichtlich der Inflation und mittelfristig werden wir uns das weiterhin sehr sorgfältig anschauen, was wir immer tun." Kurzfristig, in den nächsten zwölf Monaten, werde die Teuerung unter dem EZB-Ziel von knapp zwei Prozent bleiben.
Doch was könnten die Notenbanken gegen einen Anstieg der Anleiherenditen überhaupt tun? Auf keinen Fall möchten sie die Geldmarktzinsen erhöhen. ZIRP bzw. NIRP sollten nicht verändert werden aus Rücksicht auf die Konjunktur. Also würden nur weitere Aufkäufe von im Markt befindlichen Anleihen bleiben (QE = quantitative Lockerungen). Das aber wirke inzwischen wie Öl ins Feuer der Inflationsgefahren gießen.
Es sei vorauszusehen gewesen, dass die Wende weg von einer ultra-expansiven Geldpolitik zu einer neutralen äußerst schwerfallen werde. Genau an diesem Punkt seien die Märkte jetzt. Eine neutrale Geldpolitik solle die Konjunktur weder bremsen noch weiter fördern. Eine neutrale Zinsstruktur könnte etwa bei 2% bis 3% Geldmarktzinsen und 5% bis 6% Rentenrenditen liegen. Der Übergang hierzu werde mit hohen Kursverlusten auf die Bestände einhergehen. Doch gar nichts zu machen, ignoriere die Inflationsgefahren, die langfristig sogar ausufern könnten. Wir geraten in eine hermeneutische Unsicherheit, das Endergebnis ist völlig ungewiss, so die Experten von "fairesearch".
Wenn jetzt bei Anlageentscheidungen vor Inflationsgefahren gewarnt werde, dann sei damit die längerfristige Unsicherheit gemeint. Hiervor könnten Edelmetalle schützen. (Ausgabe vom 03.03.2021) (04.03.2021/alc/a/a)
In den USA sei der Konsumentenpreisindex auf 1,4% und in der Eurozone auf 0,9% gestiegen. Sofort seien die Kurse an den Rentenmärkten stark gefallen. Das Volumen der Anleihen mit einer negativen Rendite habe am 11. Dezember 2020 weltweit mit USD 18,380 Billionen einen Rekordwert erreicht. Aktuell seien es nur noch USD 12,696 Billionen. Dies zeige deutlich, wie sehr sich plötzlich die Märkte künftiger Inflationsgefahren bewusst geworden seien.
Sofort habe dies die Notenbanken auf den Plan gerufen mit vielen Beschwichtigungen. Allen voran die FED: "The economy is a long way from our employment and inflation goals, and it is likely to take some time for substantial further progress to be achieved," habe in dieser Woche Jerome Powell gesagt und "it could take more than three years", bis die Inflation das von der FED angestrebte Ziel ereiche. Trotzdem seien die Renditen der 10-jährigen Treasuries weiter auf 1,54% gestiegen, nur die Kurse der Edelmetalle hätten nachgegeben. Es herrsche eine "babylonische Verwirrung".
Die Zehnjahresrenditen der Treasuries und der Anstieg der Konsumentenpreise in den USA würden parallel verlaufen. Die Märkte nähmen die Gefahren vorweg! Stärkere Eingriffe der Notenbank mittels QE könnten dies nur zeitweise unterbrechen. Das beeinflusse auch das Sparverhalten der Privaten. Solange sie keine ausreichende Realverzinsung erzielen könnten, würden sie langfristige Anlagen meiden und wenn die Geldmärkte keine Anlagealternative bieten würden, würden sie lieber ganz liquide bleiben. So sei die Sparquote der Privathaushalte auf einen Rekordstand von 20,5% (Februar 2020 8%) gestiegen, während die Inflationserwartungen nach dem Index der Universität of Michigan die drei Prozent-Marke erreicht hätten. Inflationsgefahren müssten also durchaus ernst genommen werden.
Die Europäische Zentralbank (EZB), in der EA verantwortlich für die Preisstabilität, folge dem FED-Vorbild mit Beschwichtigungen auf den Anstieg der Renditen und weise darauf hin, sie habe, so ihr Vize-Präsidenten Luis de Guindos, genügend Mittel, um jeden unerwünschten Anstieg der Anleiherenditen zu bekämpfen. Die Notenbank besitze die dafür nötige Flexibilität in der Geldpolitik, habe de Guindos in einem am Dienstag auf der EZB-Webseite veröffentlichten Interview gesagt. Inflationssorgen halte der Notenbanker derzeit nicht für angebracht. "Alles in allem würde ich sagen, dass wir kurzfristig nicht sehr besorgt sein müssen hinsichtlich der Inflation und mittelfristig werden wir uns das weiterhin sehr sorgfältig anschauen, was wir immer tun." Kurzfristig, in den nächsten zwölf Monaten, werde die Teuerung unter dem EZB-Ziel von knapp zwei Prozent bleiben.
Doch was könnten die Notenbanken gegen einen Anstieg der Anleiherenditen überhaupt tun? Auf keinen Fall möchten sie die Geldmarktzinsen erhöhen. ZIRP bzw. NIRP sollten nicht verändert werden aus Rücksicht auf die Konjunktur. Also würden nur weitere Aufkäufe von im Markt befindlichen Anleihen bleiben (QE = quantitative Lockerungen). Das aber wirke inzwischen wie Öl ins Feuer der Inflationsgefahren gießen.
Es sei vorauszusehen gewesen, dass die Wende weg von einer ultra-expansiven Geldpolitik zu einer neutralen äußerst schwerfallen werde. Genau an diesem Punkt seien die Märkte jetzt. Eine neutrale Geldpolitik solle die Konjunktur weder bremsen noch weiter fördern. Eine neutrale Zinsstruktur könnte etwa bei 2% bis 3% Geldmarktzinsen und 5% bis 6% Rentenrenditen liegen. Der Übergang hierzu werde mit hohen Kursverlusten auf die Bestände einhergehen. Doch gar nichts zu machen, ignoriere die Inflationsgefahren, die langfristig sogar ausufern könnten. Wir geraten in eine hermeneutische Unsicherheit, das Endergebnis ist völlig ungewiss, so die Experten von "fairesearch".
Wenn jetzt bei Anlageentscheidungen vor Inflationsgefahren gewarnt werde, dann sei damit die längerfristige Unsicherheit gemeint. Hiervor könnten Edelmetalle schützen. (Ausgabe vom 03.03.2021) (04.03.2021/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 17.04./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


