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Untypisch: Renditen fallen trotz steigender Aktienkurse
22.04.21 13:00
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Trotz der positiven Entwicklung der Aktienmärkte und der erfreulichen Konjunkturdaten aus den USA machen die langfristigen US-Renditen keine Anstalten, weiter zu steigen, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank im aktuellen "Wochenbarometer".
Im Gegenteil, in den letzten Tagen seien die Renditen sogar gesunken. Man könne natürlich argumentieren, dass die Marktteilnehmer die kräftige Erholung der US-Wirtschaft bereits eingepreist hätten. Überzeugend sei das aber nicht und so seien es möglicherweise technische bzw. temporäre Faktoren, die die Renditen unten halten würden. Mit anderen Worten, de la Rubia rechne in den kommenden Wochen mit höheren Renditen.
Um die künftige Entwicklung der Renditen werde es auch bei der heutigen EZB-Sitzung (22.04.) gehen. Die entscheidende Frage sei, inwieweit sich Christine Lagarde mit ihrer Ansicht durchsetzen könne, das PEPP-Programm möglichst lange und aggressiv einzusetzen, damit ein möglicher weiterer Renditenanstieg aus den USA nicht auf die Eurozone ungebremst übergreifen könne. Dafür habe die EZB letztes Mal angekündigt, dass im zweiten Quartal die Ankäufe imRahmen des PEPP-Programms erhöht würden. Zu den Falken, die sich in den letzten Tagen gemeldet hätten, würden Jens Weidmann von der Deutschen Bundesbank und Klaas Knot von der niederländischen Notenbank zählen. Weidmann habe gesagt, die Notmaßnahmen dürften nicht unendlich fortgeführt werden. Klaas Knot sei deutlich weitergegangen. Bei einem Anstieg der Inflation und einer wirtschaftlichen Erholung könne das PEPP-Programm schon ab dem nächsten Quartal allmählich zurückgefahren werden. De la Rubia gehe nicht davon aus, dass diese Position im EZB-Rat mehrheitsfähig sei.
Gleichzeitig sei festzustellen, dass die Anleiheankäufe in den vergangenen Wochen gar nicht sonderlich stark gestiegen seien. Vermutlich habe die EZB dafür keine große Notwendigkeit gesehen, denn die Renditen in den USA seien zuletzt gefallen und die Bund-Renditen nur moderat gestiegen. Möglicherweise möchte man nicht unnötig Munition verschießen. Eigentlich würde es schon genügen, wenn die EZB klar mache, dass sie bei einem ungewollt starken Anstieg der Renditen die Anleiheankäufe verstärke. Das würde in Richtung Yield Curve Control gehen, aber so lange man keine expliziten Renditewerte festlege, so wie das die BoJ gemacht habe, scheine das ein realistische Vorgehensweise zu sein.
Allmählich rücke der Einsatz der Mittel aus dem EU-Wiederaufbaufonds näher.Deutschland werde in diesen Tagen den Ratifizierungsprozess abschließen, nachdem das Bundesverfassungsgericht den Stopp dieses Prozesses wieder aufgehoben habe. Italien werde nächste Woche die Verwendung der Mittel - 192 Mrd. Euro würden in dieses Land fließen -bekannt geben. Ab Juni oder Juli dürfte die EU damit beginnen, Anleihen für die Finanzierung des Fonds zu emittieren. Hier entstehe ein neues Anleihesegment mit einem jährlichen Emissionsvolumen von 150 Mrd. Euro über die nächsten fünf Jahre.
Die Mittel des Wiederaufbaufonds sollten auch helfen, die Ziele zu erreichen, die man möglicherweise heute (22.04.) bei dem von den USA organisierten Online-Klimagipfel verkünde. Die EU habe im Vorfeld ein Gesetz beschlossen, dass die Senkung des CO2-Ausstoßes um 55% bis 2030 gegenüber 1990 vorsehe. In den entsprechenden Sektoren sollte daher in den kommenden Jahren überdurchschnittliches Wachstum zu erwarten sein.
In der kommenden Woche würden die FED und die Bank of Japan tagen. Die FED dürfte keine Neuigkeiten verkünden, sondern klarmachen, dass sie an den 120 Mrd. US-Dollar Anleiheankäufen pro Monat bis auf Weiteres festhalten werde und auch nicht beabsichtige, bereits 2022 an der Leitzinsschraube zu drehen. Die Markterwartungen würden dem widersprechen und einen Zinsschritt bereits im kommenden Jahr erwarten.
Darüber hinaus sei ein ganzer Reigen von Daten zu erwarten. Dazu würden die PMI-Indices für die USA und die Eurozone (23.04.), die US-Auftragseingänge (26.04.) und das BIP für die USA im ersten Quartal (29.04.) gehören. In Deutschland sollte man auf den ifo-Index für Deutschland (26.04.), das GfK-Konsumentenvertrauen (28.04.), die Arbeitslosenrate (29.04.) sowie das BIP für Q1 (30.04.) schauen. (22.04.2021/alc/a/a)
Im Gegenteil, in den letzten Tagen seien die Renditen sogar gesunken. Man könne natürlich argumentieren, dass die Marktteilnehmer die kräftige Erholung der US-Wirtschaft bereits eingepreist hätten. Überzeugend sei das aber nicht und so seien es möglicherweise technische bzw. temporäre Faktoren, die die Renditen unten halten würden. Mit anderen Worten, de la Rubia rechne in den kommenden Wochen mit höheren Renditen.
Um die künftige Entwicklung der Renditen werde es auch bei der heutigen EZB-Sitzung (22.04.) gehen. Die entscheidende Frage sei, inwieweit sich Christine Lagarde mit ihrer Ansicht durchsetzen könne, das PEPP-Programm möglichst lange und aggressiv einzusetzen, damit ein möglicher weiterer Renditenanstieg aus den USA nicht auf die Eurozone ungebremst übergreifen könne. Dafür habe die EZB letztes Mal angekündigt, dass im zweiten Quartal die Ankäufe imRahmen des PEPP-Programms erhöht würden. Zu den Falken, die sich in den letzten Tagen gemeldet hätten, würden Jens Weidmann von der Deutschen Bundesbank und Klaas Knot von der niederländischen Notenbank zählen. Weidmann habe gesagt, die Notmaßnahmen dürften nicht unendlich fortgeführt werden. Klaas Knot sei deutlich weitergegangen. Bei einem Anstieg der Inflation und einer wirtschaftlichen Erholung könne das PEPP-Programm schon ab dem nächsten Quartal allmählich zurückgefahren werden. De la Rubia gehe nicht davon aus, dass diese Position im EZB-Rat mehrheitsfähig sei.
Allmählich rücke der Einsatz der Mittel aus dem EU-Wiederaufbaufonds näher.Deutschland werde in diesen Tagen den Ratifizierungsprozess abschließen, nachdem das Bundesverfassungsgericht den Stopp dieses Prozesses wieder aufgehoben habe. Italien werde nächste Woche die Verwendung der Mittel - 192 Mrd. Euro würden in dieses Land fließen -bekannt geben. Ab Juni oder Juli dürfte die EU damit beginnen, Anleihen für die Finanzierung des Fonds zu emittieren. Hier entstehe ein neues Anleihesegment mit einem jährlichen Emissionsvolumen von 150 Mrd. Euro über die nächsten fünf Jahre.
Die Mittel des Wiederaufbaufonds sollten auch helfen, die Ziele zu erreichen, die man möglicherweise heute (22.04.) bei dem von den USA organisierten Online-Klimagipfel verkünde. Die EU habe im Vorfeld ein Gesetz beschlossen, dass die Senkung des CO2-Ausstoßes um 55% bis 2030 gegenüber 1990 vorsehe. In den entsprechenden Sektoren sollte daher in den kommenden Jahren überdurchschnittliches Wachstum zu erwarten sein.
In der kommenden Woche würden die FED und die Bank of Japan tagen. Die FED dürfte keine Neuigkeiten verkünden, sondern klarmachen, dass sie an den 120 Mrd. US-Dollar Anleiheankäufen pro Monat bis auf Weiteres festhalten werde und auch nicht beabsichtige, bereits 2022 an der Leitzinsschraube zu drehen. Die Markterwartungen würden dem widersprechen und einen Zinsschritt bereits im kommenden Jahr erwarten.
Darüber hinaus sei ein ganzer Reigen von Daten zu erwarten. Dazu würden die PMI-Indices für die USA und die Eurozone (23.04.), die US-Auftragseingänge (26.04.) und das BIP für die USA im ersten Quartal (29.04.) gehören. In Deutschland sollte man auf den ifo-Index für Deutschland (26.04.), das GfK-Konsumentenvertrauen (28.04.), die Arbeitslosenrate (29.04.) sowie das BIP für Q1 (30.04.) schauen. (22.04.2021/alc/a/a)


