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Unternehmensanleihen spüren Gegenwind, Chancen dennoch intakt


20.08.12 13:18
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - "Der hohe Druck an den europäischen Kapitalmärkten und die Angst vor einem endgültigen Kollaps werden letztlich zu einer Transfer-Union führen", glaubt Robert Senz, Chief Investment Officer (CIO) für den Bereich Globale Anleihen bei Raiffeisen Capital Management, Österreichs Fondsmarktführer.

"Denn der permanente Kraftaufwand, der zur Stabilisierung des Systems und der Erhaltung des Status Quo notwendig ist, ist langfristig einfach nicht aufrechtzuerhalten."

Um diesen auf Dauer unhaltbaren Druck aufzulösen, kämen für Senz nur zwei Szenarien infrage: Entweder werde die Kraftanstrengung reduziert, was zur Folge habe, dass das bislang aufrechterhaltene System in sich zusammenbrechen werde, oder es würden weitere Mitstreiter mobilisiert, mit deren Hilfe der Brocken vielleicht doch noch ans Ziel gebracht werden könne. "Die aktuelle Situation birgt jedenfalls aufgrund ihrer Komplexität und des notwenigen Kraftaufwandes eine beträchtliche Unfallwahrscheinlichkeit. Minimalste Abweichungen definierter Vorgaben gefährden das gesamte System", so Senz.

Daher müssten Rahmenbedingungen geschaffen werden, aus denen heraus eine innere Entwicklung möglich sei. "An einer grundlegenden Reform der Euro-Zone führt kein Weg vorbei: Die Kapitalmärkte werden eine Fiskal- und Banken-Union erzwingen und dann wird alles auf eine Transfer- Union hinauslaufen", so der CIO. Das liefe zwar primär gegen die Interessen Deutschlands, aber wenn man das ganze Problem stemmen wolle, komme man an einer Vergemeinschaftung der Schulden innerhalb der Eurozone nicht vorbei.

Der Europäischen Zentralbank (EZB) käme in diesem Szenario - ähnlich der amerikanischen FED - die wichtige Rolle des Lender of Last Resort zu. Die einzelnen Nationalstaaten der Eurozone würden zwar an Bedeutung verlieren, an deren Stelle würde aber ein mit Souveränität ausgestatteter "Superstaat" treten. "Allerdings - und das hebt die Gefahr der Unfallwahrscheinlichkeit deutlich - braucht ein derartiges Staatsgebilde demokratische Legitimation. Die Herausforderung der Politik wird also sein, die Wähler ins Boot zu holen und sie von diesem bedeutenden Schritt zu überzeugen", so Senz.

Da diese Überzeugungsarbeit möglicherweise nicht gelingen werde, bleibe der Ausblick auf den Euro-Staatsanleihenmarkt verhalten. Senz: "Die Misere um die spanischen Banken und die bankrotten Provinzen belastet den Markt ebenso wie die endlose Diskussion um Griechenland. Somit spitzt sich die Lage für Italien und Spanien an den Rentenmärkten weiter zu." Die Erklärung durch EZB-Chef Draghi, dass die EZB alles Erforderliche tun werde, um den Euro zu stützen, habe zwar kurzfristig Entspannung gebracht, doch Widerspruch von anderen Notenbanken und weitergehende Diskussionen würden unvermeidlich scheinen.

"Der Markt erwartet, dass Spanien noch im September Hilfsgelder bei der EU beantragen wird. Eine wesentliche Frage wird dann sein, wie das von den Ratingagenturen aufgenommen wird. Eine Herabstufung Spaniens auf Sub-Investment Grade wäre jedenfalls ein weiterer Brandherd für den Staatsanleihenmarkt", so der CIO.

Dennoch hält Raiffeisen Capital Management kurzlaufende, z.B. 3-jährige Staatsanleihen einiger Peripheriestaaten - eine gewisse Risikobereitschaft vorausgesetzt - mit 3,65% (Italien) und 4,40% (Spanien) für ein gutes Investment. Deutsche Staatsanleihen hingegen erachte Raiffeisen Capital Management für ebenso wenig attraktiv wie die Renditen für US-Staatsanleihen.

Auch die Renditen von Unternehmensanleihen guter und sehr guter Bonität (Investmentgrade, IG) befänden sich auf niedrigen Niveaus. Aber, so Senz: "Ihre Renditeaufschläge gegenüber deutschen Staatsanleihen sind unter Risiko-Ertrags-Gesichtspunkten nach wie vor attraktiv." Unternehmensanleihen würden eine größere Diversifikation als Euro-Staatsanleihen erlauben, und die derzeitigen Renditeaufschläge einen gewissen Risikopuffer bieten. Einen "sicheren Hafen" für alle denkbaren wirtschaftlichen Szenarien würden Unternehmensanleihen jedoch nicht darstellen und eine sorgfältige Auswahl der einzelnen Titel werde zunehmend wichtiger.

Für risikoaverse Anleger, die in diesem Kontext einen Anstieg der Inflation befürchten würden und in erster Linie den realen Wert-Erhalt ihres Vermögens im Auge hätten, würden "Inflation Linked Bonds" eine gute Möglichkeit darstellen. Bei diesen Anleihen seien die Kuponzahlungen und die Tilgung zur Emission nicht nominell fixiert, sondern würden sich variabel mit der Inflationsrate ändern und somit die Veranlagung vor Wertverlusten bei steigender Inflation schützen. (20.08.2012/alc/a/a)