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Unternehmensanleihen bleiben 2017 eine gute Wahl


17.02.17 11:45
Vontobel Asset Management

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die grundlegende Frage für 2017 lautet: Wie können Anleiheinvestoren im aktuellen Niedrigzinsumfeld noch ansprechende Renditen erzielen? Die klare Antwort: Mit Unternehmensanleihen, so Mondher Bettaieb, Leiter Corporate Bonds bei Vontobel Asset Management.

Höhere Spreads und verlässliche Zinskupons aus Anleihen von Qualitätsunternehmen würden für einen insgesamt positiven Carry sorgen. Und daran dürfte sich auch 2017 nichts ändern. Dieses für Unternehmensanleihen günstige Umfeld bezeichne man als "Spread Carry Run".

Aber man solle zunächst in die USA blicken. Die Folgen des Politikwechsels unter Donald Trump für die Wirtschaft würden sich frühestens Ende des ersten Halbjahres zeigen. Die Chancen stünden gut, dass die Inflation nicht weiter steige. So würde sich etwa die Aufhebung von Obamas Gesundheitsreform preishemmend auswirken. Die Experten von Vontobel Asset Management glauben daher, dass die Renditen nicht mehr deutlich weiter steigen werden und die große Neubewertung möglicherweise schon hinter uns liegt. Wichtiger aber sei, dass die Renditeschwankungen in den USA nicht auf die Spreads von Unternehmensanleihen übergegriffen hätten. Deren Risikoaufschläge seien nach der Wahl Trumps sogar gesunken.

Die Trump-Präsidentschaft schaffe überdies attraktive Anlagechancen in bestimmten Branchen. Bettaieb denke dabei in den USA besonders an den Banken -, Energie- und Bausektor. Steilere Renditekurven kämen US-Banken zugute, denn steigende Nettozinsmargen würden sich günstig auf ihre Profitabilität auswirken. Eine US-Wirtschaft auf Wachstumskurs bedeute im Allgemeinen auch, dass die Ausfallquoten sinken würden und sich die Asset-Qualität der Banken bessere.

Gerechnet werde ferner mit weniger Neuemissionen amerikanischer Unternehmensanleihen in diesem Jahr verglichen mit dem Rekordjahr 2016. Auch der Anstieg der M&A-Transaktionen habe sich verlangsamt. Zugleich würden amerikanische Firmen verstärkt in Europa erwirtschaftete Gewinne zurück ins Land holen. Auch das dürfte sich positiv auf die Spreads von Unternehmensanleihen auswirken. Zu guter Letzt dürften Anleger aus Asien und Europa angesichts der attraktiveren Renditen auch weiter US-Anleihen kaufen. Anleiheinvestoren auf der Suche nach höheren Kupons und Potenzial für eine Spread-Verengung bei zugleich begrenzter Volatilität sollten bei US-Unternehmensanleihen - und insbesondere solchen aus dem mittleren Ratingsegment von A bis BBB - fündig werden.

Und auch die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) bleibe eine Stütze. Der von Draghi als Vertrauensbeweis in die europäische Wirtschaft bezeichnete Beschluss der EZB sehe die Verlängerung ihres aktuellen Programms zum Ankauf von Unternehmensanleihen (CSPP) bis Ende 2017 vor. Zugleich werde das Volumen der monatlichen Anleihenkäufe von 80 Mrd. EUR auf 60 Mrd. EUR reduziert. Die positive Wirkung des reibungslos laufenden CSPP sei unstrittig. Seit dem Start des Programms im Juni letzten Jahres hätten die europäischen Währungshüter bis Ende November Unternehmensanleihen im Volumen von 48 Mrd. EUR gekauft. Das entspreche im Schnitt Käufen von 8 Mrd. EUR pro Monat und könnte reichen, um das gesamte geschätzte Nettoangebot in diesem Jahr aufzukaufen.

Unsere Analysten erwarten für 2017 ein Nettoemissionsvolumen bei europäischen Unternehmensanleihen aus dem Nichtfinanzsektor von etwa 75 Mrd. EUR, so die Experten von Vontobel Asset Management. Allein die Nachfrage der EZB wäre demnach ausreichend, um das gesamte Angebot zu absorbieren, selbst wenn die Zentralbank ihre Unternehmensanleihenkäufe auf 6 Mrd. EUR pro Monat verringere.

Nun zur Inflation, die in diesem Jahr weltweit wohl kaum wesentlich steigen werde. Der Preisauftrieb beschleunige sich nämlich nur dann, wenn zugleich wieder mehr in Produktionsanlagen investiert werde. Da aber die Unternehmen nach wie vor nur über geringe Preissetzungsmacht verfügen würden, dürften sie überall auf der Welt höhere Investitionen scheuen. Wegen der Inflation mache sich Mondher Bettaieb daher keine allzu großen Sorgen.

Hochzinsanleihen sollten nach Einschätzung der Experten von Vontobel Asset Management in diesem Jahr in keinem Anlegerportfolio fehlen. Kuponerträge würden eine der besten Möglichkeiten bleiben, im aktuellen Umfeld eine nennenswerte Rendite zu erzielen. Im letzten Jahr hätten sich die Spreads zwar verengt. Aber noch lägen sie über den 2014 nach der Lehman-Pleite erreichten engsten Niveaus. Nach aktuellen Prognosen dürften die Ausfallraten um ihre langjährigen Durchschnittswerte bzw. darunter tendieren. Hochzinsanleihen würden sich zudem durch eine der kürzesten Durationen im Festzinsuniversum auszeichnen. Besonders hervorheben möchte Bettaieb in diesem Zusammenhang europäische Hochzinsanleihen, die man leicht übersehe, wenn man nur die Rendite im Blick habe. In den USA liege die Rendite im Schnitt bei rund 6%, in Europa bei etwa 3%. Dafür gebe es gute Gründe.

US-Staatsanleihen würden rund 240 Basispunkte über Bunds rentieren. Durch Absichern des Währungsrisikos schmelze jedoch der Großteil des Renditeplus dahin. Zugleich hätten europäische Hochzinspapiere eine kürzere Duration als ihre US-Pendants, während in Europa mehr Anleihen der Ratingkategorie BB und weniger der Kategorie B zu finden seien als in den USA. Die Experten von Vontobel Asset Management empfehlen High-Yield-Anlegern daher, nicht nur auf die Spreads, sondern auch auf das Rating zu schauen und den Durationsunterschied zu berücksichtigen. Würden auch diese Faktoren in den Vergleich mit einbezogen, seien die Spreads am europäischen Hochzinsmarkt um einiges weiter als am US-Markt.

Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren für globale Unternehmensanleihen deute sich der Beginn eines Goldilocks-Szenarios an: Die Wirtschaft nehme Fahrt auf, die Inflation beschleunige sich in Richtung Zielmarke, die Zentralbanken würden Zinsstraffungen erwägen und die meisten Vermögenswerte würden sich nach wie vor gut entwickeln. Bei diesen Rahmenbedingungen sind die Experten von Vontobel Asset Management für 2017 zuversichtlich. Anlegern würden sie raten, Ruhe zu bewahren und zu einem weiteren Engagement in Unternehmensanleihen. (17.02.2017/alc/a/a)