Unterinvestitionen in Ölförderung treiben Energiepreise - und die Inflation


21.10.21 09:45
Carmignac Gestion

Luxemburg (www.anleihencheck.de) - Die Erwartungen der Anleger haben sich innerhalb nur eines Quartals grundlegend geändert, so Edouard Carmignac, Vorsitzender und Chief Investment Officer (CIO) bei Carmignac.

Sei zuvor noch mit einem starken Wachstum und vorübergehendem Inflationsdruck gerechnet worden, herrsche nun Angst vor Stagflation, also vor einem schwachen Wachstum bei anhaltendem Inflationsdruck.

Wie sei die Situation einzuschätzen? Der Rückgang der Wachstumserwartungen sei für die Experten keine Überraschung, denn sie hätten mit einer Wachstumsverlangsamung gerechnet. Besorgniserregender sei aus Sicht der Experten die Zunahme des Inflationsdrucks und die Frage nach dessen Nachhaltigkeit. Der Preisdruck infolge der durch die Corona-Krise verursachten Störungen in den Produktionsketten sei vorübergehender Natur.

So dürfte etwa der Mangel an Halbleitern, der die Produktion bei einer Vielzahl von Automobilherstellern zumindest teilweise lahmgelegt habe, bald durch die Wiedereröffnung der Testzentren in Malaysia behoben werden. Diese würden über große Bestände verfügen, welche nur noch zertifiziert werden müssten. Ähnliches gelte für die Überlastung der Häfen, die angesichts des Mangels an Komponenten in vielen Branchen zu Lieferengpässen führe.

Der Aufwärtsdruck auf die Energiepreise dürfte dagegen langfristig bestehen bleiben. Zwar seien die in den letzten Wochen verzeichneten Preissteigerungen das Resultat eines außergewöhnlichen Zusammentreffens von Trockenheit, schwachen Winden in Europa und der saisonalen Abschaltung von Gasproduktionsanlagen. Die Investitionen in die Förderung fossiler Brennstoffe seien in den vergangenen Jahren jedoch zu gering gewesen. In Verbindung mit der Bevorzugung grüner Energien werde das zwangsläufig dazu führen, dass die Energiepreise steigen würden.

Ein positiver Effekt des Anstiegs der Preise traditioneller Energien sei zumindest, dass erneuerbare Energien wettbewerbsfähiger würden. Ob es zu anhaltendem Lohndruck kommen werde, sei schwieriger vorherzusagen. Einerseits würden sich Regierungen in vielen Ländern (von den USA bis China) bemühen, die Ungleichheiten zu verringern, was Aufwärtsdruck bei den Löhnen von Geringverdienern zur Folge habe. Andererseits würden die Corona-Hilfen einige Menschen vom Arbeitsmarkt fernhalten. Werde das Auslaufen dieser Hilfszahlungen ausreichen, um den Trend umzukehren?

Man sollte jedenfalls zur Kenntnis nehmen, dass sich die Inflation nach der Corona-Krise wahrscheinlich als hartnäckig erweisen werde. Dennoch würden die Experten weiterhin davon ausgehen, dass strukturelle (demografische, technologische) deflationäre Faktoren den Inflationsdruck mindern würden. Müsse man die Aussichten auf eine moderate Inflation (von etwa 2%) fürchten? Sie würde die reale Schuldenlast verringern, die Verbraucher zum Konsum und die Unternehmen zu mehr Investitionen anregen und wäre zudem positiv für Aktienanlagen. (21.10.2021/alc/a/a)