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Ungarn: Zinsentscheidung stabilisiert den Forint
10.07.24 12:00
DekaBank
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Ergebnisse der Europawahl am 6. bis 9. Juni und die anschließende Ankündigung einer vorgezogenen Parlamentswahl in Frankreich haben zu einer Nervosität an den europäischen Märkten allgemein geführt, so die Analysten der DekaBank.
Der ungarische Markt sei zudem von idiosynkratrischen Faktoren betroffen gewesen. Die neue Oppositionspartei Tisza unter der Führung des einstigen Fidesz-Mitglieds Peter Magyar habe auf einer Plattform der Kritik des Fidesz-Machtsystems aus dem Stand über 29% der Stimmen bekommen. Die Fidesz-Führung bleibe mit über 44% zwar unangefochten, doch dies sei das schwächste Ergebnis seit 20 Jahren. Zum ersten Mal seit Jahren mit einer ernstzunehmenden Opposition konfrontiert, könnte die Fidesz-Regierung die Fiskalpolitik in der Zeit vor der Parlamentswahl in 2026 dafür nutzen, ihre Popularität weiter zu festigen, oder zu anderen unkonventionellen Maßnahmen greifen - das scheine die Sorge der Märkte zu sein, die den Forint (HUF) zwischenzeitlich um über 2% gegenüber dem Euro hat abwerten lassen. Die Entscheidung der ungarischen Zentralbank am 18. Juni, das Tempo der Leitzinssenkungen auf 25 Bp zu drosseln, in Verbindung mit einer weiterhin hawkishen Kommunikation, habe den Forint vorerst stabilisiert. Ausgehend vom aktuellen Zinsniveau von 7,0% würden nur noch 75 Bp an Leitzinssenkungen bis zum Jahresende erwarten. Die außenpolitische Konstellation verheiße dem ungarischen Finanzmarkt angesichts des anhaltenden Konfliktes mit der EU und des US-Präsidentschaftswahl allerdings hohe Volatilität, sodass jede weitere Lockerung daten- und stimmungsabhängig werde erfolgen müssen.
Perspektiven: Ungarn bleibe eines der wenigen EU-Länder, die ihre Abhängigkeit von Energieträgern aus Russland beibehalten hätten. Jenseits von Eventrisiken müsse die Erdgasversorgung ab 2025 neu ausgerichtet werden, denn der Erdgas-Transitvertrag zwischen Russland und der Ukraine laufe Ende 2024 aus und dürfte in der aktuellen geopolitischen Situation kaum verlängert werden. Zur Fortsetzung des Gastransits gebe es zwar einige Initiativen, aber noch keine Lösung.
Länderrisiko: Die Bonitätseinschätzung Ungarns liege im unteren Bereich des Investment-Grades. Die Haushaltsdisziplin bleibe ein zentraler Problembereich und Ungarn zähle zu den sieben Ländern, gegen die ein Defizitverfahren nach der Neujustierung des EU-Stabilitätspaktes eingeleitet worden sei. Zwar bemühe sich die Regierung um eine seien, sei z.B. ein Investitionsprogramm (ca. 0,8% des BIP) zurückgestellt worden. Auch alternative Einnahmequellen, wie eine Bankenabgabe, seien erneut auf der Tagesordnung. Doch bestünden auf der Ausgabenseite durch die hohe Zinsbelastung und den bedeutenden Anteil der Sozialausgaben viele Rigiditäten, die die Flexibilität des Staatshaushalts einschränken würden. Ein weiteres zentrales Thema für das Rating seien die Beziehungen zur EU und die Zuteilung der EU-Mittel. Ein Teil der EU-Mittel (in Höhe von ca. 6,5% des BIP) sei Ende 2023 und Anfang 2024 nach der erfolgreichen Verabschiedung der Justizreform freigegeben worden. Rund 9,7 Milliarden Euro an Fördermitteln seien weiterhin ausgesetzt und ihre an die verbleibenden 23 Super-Meilensteine gekoppelte Freigabe ungewiss. Wegen Missachtung der EU-Asylgesetzregeln habe das EuGH im Juni Strafzahlungen gegen Ungarn verhängt. Die Analysten der DekaBank würden erwarten, dass Orban die politische Gratwanderung gegenüber der EU insofern gelinge, dass die die ultimative Waffe, nämlich die Suspendierung der EU-Mitgliedschaft aufgrund von Verletzungen der Grundwerte der EU nach Artikel 7 des EU-Vertrages, keine Anwendung finde. Sollte Ungarn der Zugang zu EU-Mitteln im Risikoszenario dauerhaft verwehrt bleiben, dürfte sich die Bonitätseinschätzung weiter verschlechtern. (Emerging Markets Trends vom 05.07.2024) (10.07.2024/alc/a/a)
Der ungarische Markt sei zudem von idiosynkratrischen Faktoren betroffen gewesen. Die neue Oppositionspartei Tisza unter der Führung des einstigen Fidesz-Mitglieds Peter Magyar habe auf einer Plattform der Kritik des Fidesz-Machtsystems aus dem Stand über 29% der Stimmen bekommen. Die Fidesz-Führung bleibe mit über 44% zwar unangefochten, doch dies sei das schwächste Ergebnis seit 20 Jahren. Zum ersten Mal seit Jahren mit einer ernstzunehmenden Opposition konfrontiert, könnte die Fidesz-Regierung die Fiskalpolitik in der Zeit vor der Parlamentswahl in 2026 dafür nutzen, ihre Popularität weiter zu festigen, oder zu anderen unkonventionellen Maßnahmen greifen - das scheine die Sorge der Märkte zu sein, die den Forint (HUF) zwischenzeitlich um über 2% gegenüber dem Euro hat abwerten lassen. Die Entscheidung der ungarischen Zentralbank am 18. Juni, das Tempo der Leitzinssenkungen auf 25 Bp zu drosseln, in Verbindung mit einer weiterhin hawkishen Kommunikation, habe den Forint vorerst stabilisiert. Ausgehend vom aktuellen Zinsniveau von 7,0% würden nur noch 75 Bp an Leitzinssenkungen bis zum Jahresende erwarten. Die außenpolitische Konstellation verheiße dem ungarischen Finanzmarkt angesichts des anhaltenden Konfliktes mit der EU und des US-Präsidentschaftswahl allerdings hohe Volatilität, sodass jede weitere Lockerung daten- und stimmungsabhängig werde erfolgen müssen.
Perspektiven: Ungarn bleibe eines der wenigen EU-Länder, die ihre Abhängigkeit von Energieträgern aus Russland beibehalten hätten. Jenseits von Eventrisiken müsse die Erdgasversorgung ab 2025 neu ausgerichtet werden, denn der Erdgas-Transitvertrag zwischen Russland und der Ukraine laufe Ende 2024 aus und dürfte in der aktuellen geopolitischen Situation kaum verlängert werden. Zur Fortsetzung des Gastransits gebe es zwar einige Initiativen, aber noch keine Lösung.
Länderrisiko: Die Bonitätseinschätzung Ungarns liege im unteren Bereich des Investment-Grades. Die Haushaltsdisziplin bleibe ein zentraler Problembereich und Ungarn zähle zu den sieben Ländern, gegen die ein Defizitverfahren nach der Neujustierung des EU-Stabilitätspaktes eingeleitet worden sei. Zwar bemühe sich die Regierung um eine seien, sei z.B. ein Investitionsprogramm (ca. 0,8% des BIP) zurückgestellt worden. Auch alternative Einnahmequellen, wie eine Bankenabgabe, seien erneut auf der Tagesordnung. Doch bestünden auf der Ausgabenseite durch die hohe Zinsbelastung und den bedeutenden Anteil der Sozialausgaben viele Rigiditäten, die die Flexibilität des Staatshaushalts einschränken würden. Ein weiteres zentrales Thema für das Rating seien die Beziehungen zur EU und die Zuteilung der EU-Mittel. Ein Teil der EU-Mittel (in Höhe von ca. 6,5% des BIP) sei Ende 2023 und Anfang 2024 nach der erfolgreichen Verabschiedung der Justizreform freigegeben worden. Rund 9,7 Milliarden Euro an Fördermitteln seien weiterhin ausgesetzt und ihre an die verbleibenden 23 Super-Meilensteine gekoppelte Freigabe ungewiss. Wegen Missachtung der EU-Asylgesetzregeln habe das EuGH im Juni Strafzahlungen gegen Ungarn verhängt. Die Analysten der DekaBank würden erwarten, dass Orban die politische Gratwanderung gegenüber der EU insofern gelinge, dass die die ultimative Waffe, nämlich die Suspendierung der EU-Mitgliedschaft aufgrund von Verletzungen der Grundwerte der EU nach Artikel 7 des EU-Vertrages, keine Anwendung finde. Sollte Ungarn der Zugang zu EU-Mitteln im Risikoszenario dauerhaft verwehrt bleiben, dürfte sich die Bonitätseinschätzung weiter verschlechtern. (Emerging Markets Trends vom 05.07.2024) (10.07.2024/alc/a/a)


