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Ungarn: Zentralbank wird vorsichtiger
08.05.24 13:45
DekaBank
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wirtschaft um 0,8% gegenüber dem Vorquartal (1,1% yoy) gewachsen ist, so die Analysten der DekaBank.
Die monatlichen Indikatoren würden darauf hindeuten, dass diese Konjunkturbelebung nach der längeren Schwächephase in erster Linie auf den Dienstleistungssektor zurückzuführen sei, während sich das verarbeitende Gewerbe nach wie vor eher schwach entwickele. Die Verbesserung der realen Einkommenssituation in Verbindung mit dem sinkenden Leitzinsniveau sollte in diesem Jahr auch weiter als Konjunkturstütze dienen. Die Verbraucherpreisinflation in Ungarn liege bereits seit Jahresanfang im oberen Zielbereich der Zentralbank (3% +/-1%-Punkt) - im März zuletzt bei 3,6% yoy - nachdem im Januar 2023 noch eine Rate von 25,7% yoy verzeichnet worden sei. Die Disinflation habe der Zentralbank vorerst einen großen Spielraum für eine Lockerung der Geldpolitik eröffnet: So hätten nicht nur die Notfallfazilitäten zur Stabilisierung des Forints abgeschafft werden, sondern auch der Leitzins seit dem vergangenen Herbst um 525 Bp auf nun 7,75% gesenkt werden können. Am aktuellen Rand werde die ungarische Zentralbank angesichts der proinflationären Risiken sowohl in Ungarn selbst als auch in den Industrienationen nun vorsichtiger: Im April habe der Zinsschritt nur 50 Bp, nach zuletzt 75-100 Bp, betragen. Die Analysten der DekaBank würden erwarten, dass die geldpolitische Lockerung in diesem Jahr fortgesetzt werde, doch langsamer und datenabhängiger in Bezug auf die Inflations- und Wechselkursentwicklung. Sie würden noch etwa 200 Bp an Leitzinssenkungen bis zum Jahresende erwarten.
Perspektiven: Ungarn bleibe eines der wenigen EU-Länder, die ihre Abhängigkeit von Energieträgern aus Russland beibehalten hätten. Jenseits von Eventrisiken müsse die Erdgasversorgung ab 2025 voraussichtlich neu ausgerichtet werden, denn der Erdgas-Transitvertrag zwischen Russland und der Ukraine laufe Ende 2024 aus und dürfte in der aktuellen geopolitischen Situation kaum verlängert werden.
Länderrisiko: Die Verschlechterung der makroökonomischen Rahmenbedingungen habe 2023 zu einer Verschlechterung der Bonitätseinschätzung Ungarns geführt, die im unteren Bereich des Investment Grades liege. Während sich die Leistungsbilanz nach der Energiekrise 2022/2023 bereits wieder verbessert habe, bleibe die Haushaltsdisziplin ein Problembereich. Auch 2024 drohe wieder eine Verfehlung des Budgetdefizitziels, nachdem bereits im ersten Quartal knapp 60% davon erreicht worden seien. Die Regierung habe nun ein Investitionsprogramm in Höhe von 0,8% des BIP zurückgestellt und bereite andere Ausgleichsmaßnahmen vor. Doch bestünden auf der Ausgabenseite durch die hohe Zinsbelastung und den bedeutenden Anteil der Sozialausgaben viele Rigiditäten, die die Flexibilität des Staatshaushaltes mindern würden. Ein weiteres zentrales Thema seien die Beziehungen zur EU und die Zuteilung der EU-Mittel. Ein Teil der EU-Mittel (in Höhe von ca. 6,5% des BIP) sei Ende 2023 und Anfang 2024 nach der erfolgreichen Verabschiedung der Justizreform freigegeben worden. Rund 9,7 Milliarden Euro an Fördermitteln seien weiterhin ausgesetzt und ihre an die verbleibenden 23 Super-Meilensteine gekoppelte Freigabe ungewiss. Die Blockadehaltung Orbans bei vielen wichtigen EU-Entscheidungen habe zuletzt immer wieder die ultimative Waffe der EU auf die Agenda gebracht, nämlich die Suspendierung der Mitgliedschaft aufgrund von Verletzungen der Grundwerte der EU nach Artikel 7 des EU-Vertrages. Nachdem die wichtigen Hürden wie das Ukraine-Paket und die NATO-Mitgliedschaft Schwedens als Konfliktpunkte ausgeräumt seien, dürfte der Konflikt zwischen Ungarn und der EU vorerst etwas in den Hintergrund treten. Sollte Ungarn der Zugang zu EU-Mitteln im Risikoszenario dauerhaft verwehrt bleiben, dürfte sich die Bonitätseinschätzung weiter verschlechtern. (Emerging Markets Trends vom 07.05.2024) (08.05.2024/alc/a/a)
Die monatlichen Indikatoren würden darauf hindeuten, dass diese Konjunkturbelebung nach der längeren Schwächephase in erster Linie auf den Dienstleistungssektor zurückzuführen sei, während sich das verarbeitende Gewerbe nach wie vor eher schwach entwickele. Die Verbesserung der realen Einkommenssituation in Verbindung mit dem sinkenden Leitzinsniveau sollte in diesem Jahr auch weiter als Konjunkturstütze dienen. Die Verbraucherpreisinflation in Ungarn liege bereits seit Jahresanfang im oberen Zielbereich der Zentralbank (3% +/-1%-Punkt) - im März zuletzt bei 3,6% yoy - nachdem im Januar 2023 noch eine Rate von 25,7% yoy verzeichnet worden sei. Die Disinflation habe der Zentralbank vorerst einen großen Spielraum für eine Lockerung der Geldpolitik eröffnet: So hätten nicht nur die Notfallfazilitäten zur Stabilisierung des Forints abgeschafft werden, sondern auch der Leitzins seit dem vergangenen Herbst um 525 Bp auf nun 7,75% gesenkt werden können. Am aktuellen Rand werde die ungarische Zentralbank angesichts der proinflationären Risiken sowohl in Ungarn selbst als auch in den Industrienationen nun vorsichtiger: Im April habe der Zinsschritt nur 50 Bp, nach zuletzt 75-100 Bp, betragen. Die Analysten der DekaBank würden erwarten, dass die geldpolitische Lockerung in diesem Jahr fortgesetzt werde, doch langsamer und datenabhängiger in Bezug auf die Inflations- und Wechselkursentwicklung. Sie würden noch etwa 200 Bp an Leitzinssenkungen bis zum Jahresende erwarten.
Perspektiven: Ungarn bleibe eines der wenigen EU-Länder, die ihre Abhängigkeit von Energieträgern aus Russland beibehalten hätten. Jenseits von Eventrisiken müsse die Erdgasversorgung ab 2025 voraussichtlich neu ausgerichtet werden, denn der Erdgas-Transitvertrag zwischen Russland und der Ukraine laufe Ende 2024 aus und dürfte in der aktuellen geopolitischen Situation kaum verlängert werden.
Länderrisiko: Die Verschlechterung der makroökonomischen Rahmenbedingungen habe 2023 zu einer Verschlechterung der Bonitätseinschätzung Ungarns geführt, die im unteren Bereich des Investment Grades liege. Während sich die Leistungsbilanz nach der Energiekrise 2022/2023 bereits wieder verbessert habe, bleibe die Haushaltsdisziplin ein Problembereich. Auch 2024 drohe wieder eine Verfehlung des Budgetdefizitziels, nachdem bereits im ersten Quartal knapp 60% davon erreicht worden seien. Die Regierung habe nun ein Investitionsprogramm in Höhe von 0,8% des BIP zurückgestellt und bereite andere Ausgleichsmaßnahmen vor. Doch bestünden auf der Ausgabenseite durch die hohe Zinsbelastung und den bedeutenden Anteil der Sozialausgaben viele Rigiditäten, die die Flexibilität des Staatshaushaltes mindern würden. Ein weiteres zentrales Thema seien die Beziehungen zur EU und die Zuteilung der EU-Mittel. Ein Teil der EU-Mittel (in Höhe von ca. 6,5% des BIP) sei Ende 2023 und Anfang 2024 nach der erfolgreichen Verabschiedung der Justizreform freigegeben worden. Rund 9,7 Milliarden Euro an Fördermitteln seien weiterhin ausgesetzt und ihre an die verbleibenden 23 Super-Meilensteine gekoppelte Freigabe ungewiss. Die Blockadehaltung Orbans bei vielen wichtigen EU-Entscheidungen habe zuletzt immer wieder die ultimative Waffe der EU auf die Agenda gebracht, nämlich die Suspendierung der Mitgliedschaft aufgrund von Verletzungen der Grundwerte der EU nach Artikel 7 des EU-Vertrages. Nachdem die wichtigen Hürden wie das Ukraine-Paket und die NATO-Mitgliedschaft Schwedens als Konfliktpunkte ausgeräumt seien, dürfte der Konflikt zwischen Ungarn und der EU vorerst etwas in den Hintergrund treten. Sollte Ungarn der Zugang zu EU-Mitteln im Risikoszenario dauerhaft verwehrt bleiben, dürfte sich die Bonitätseinschätzung weiter verschlechtern. (Emerging Markets Trends vom 07.05.2024) (08.05.2024/alc/a/a)


