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Ungarn: Verfrühtes Ende des Leitzinsanhebungszyklus belastet Forint
18.10.22 10:00
DekaBank
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Ungarische Zentralbank hat Ende September ihren Leitzinsanhebungszyklus überraschend auf einem Niveau von 13% für beendet erklärt, so die Analysten der DekaBank.
Diese Entscheidung bedeute indes nicht, dass die Straffung vollständig abgesagt sei: Drei neue Instrumente sollten der Abschöpfung der Liquidität dienen und würden so auf dem Geldmarkt für Raten oberhalb des Leitzinsniveaus sorgen (aktueller Zins der neuen Einlagefazilität: 14,14%). Das Modell ähnele der Geldpolitik der ersten Hälfte 2022, als die Zentralbank den Ein-Wochen-Einlagensatz als Hauptinstrument der Geldpolitik verwendet habe. Im Sommer habe die Zentralbank unter dem Druck der Märkte dieses zweigleisige System abschaffen müssen.
Dass die Währungshüter in der aktuellen Marktphase erneut eine komplizierte mehrgleisige Geldpolitik versuchen würden, würden sowohl der lokale Anleihemarkt als auch der Währungsmarkt offensichtlich für einen Fehler halten: Seit dem 27. September habe der Ungarische Forint gegenüber dem Euro ca. 6% abgewertet, seit Jahresanfang ca. 15%.
Der starke Anstieg der Inflationsrate im September (4,1% mom/20,5% yoy) sei zwar erwartet und in erster Linie auf die Anpassungen der Energiepreise und die Lebensmittelpreisanstiege zurückzuführen gewesen. Doch spreche das Umfeld dafür, dass die Zentralbank den effektiven Zinssatz kurzfristig deutlich oberhalb des aktuellen Niveaus der Liquiditätsinstrumente ansteuern müsse, um das Vertrauen der Märkte zurückzugewinnen. Die Rahmenbedingungen würden Ungarn anfällig machen: Der andauernde Konflikt mit der EU, Leistungsbilanz- und Haushaltsdefizit, anhaltend hohe Inflation sowie hohe Abhängigkeit sowohl von der EU-Konjunktur als auch den russischen Energielieferungen.
Die Kaufkraftverluste aufgrund der hohen Inflation, die Straffung der Geldpolitik sowie die erwartete Rezession in Euroland dürften im Winterhalbjahr zu einer starken Konjunkturbelastung werden. Der Anteil der russischen Erdgaslieferungen sei in Ungarn mit über 50% der insgesamt verbrauchten Energie im EU-Vergleich besonders hoch. Sollte es im Risikoszenario zu einem Gasexportstopp aus Russland kommen, sei es aufgrund der Zerstörung der Gastransitinfrastruktur der Ukraine oder aufgrund der Sanktions- und Gegensanktionsspirale, wäre Ungarn deshalb überproportional stark betroffen. Laut einer Studie des Internationalen Währungsfonds würde der Effekt über 4% des Bruttoinlandproduktes betragen. Dank der Ausnahmen im 6. EU-Sanktionspaket sollte Ungarn auch im kommenden Jahr noch das Erdöl aus Russland beziehen dürfen, was die Risiken für die Kraftstoffversorgung des Landes reduziere. Die Raffinerien des Landes seien stark auf die russischen Ölsorten angewiesen.
Ungarns Rating liege im unteren Investment-Grade-Bereich. Die Haushaltsdefizite seien in jüngster Vergangenheit ungewöhnlich hoch gewesen, sodass nun angesichts des höheren Zinsniveaus eine Konsolidierung dringend geboten sei. Die Stellung Ungarns innerhalb der EU sei wegen dessen Nähe zu Russland problematisch. Die EU habe den neuen Rechtsstaatsmechanismus gegen Ungarn eingeleitet und eine deutliche Kürzung der EU-Mittel aufgrund von häufig angeprangerten Korruption und Vetternwirtschaft bei der Mittelverwendung empfohlen. Die Fidesz-Regierung arbeite an einem institutionellen Rahmen, um dieser Mittelkürzung zu entgehen, doch es dürfte mehrere Monate in Anspruch nehmen, bis insbesondere die Mittel der Aufbau- und Resilienzfazilität freigegeben werden könnten. Somit bleibe Ungarn in Bezug auf die Finanzierung der erheblichen Leistungs- und Haushaltsdefizite vorerst anfällig. Sollte Ungarns Zugang zu EU-Mittel im Risikoszenario eingeschränkt werden, dürfte dies die Bonitätseinschätzung der Ratingagenturen belasten. (Ausgabe vom 14.10.2022) (18.10.2022/alc/a/a)
Diese Entscheidung bedeute indes nicht, dass die Straffung vollständig abgesagt sei: Drei neue Instrumente sollten der Abschöpfung der Liquidität dienen und würden so auf dem Geldmarkt für Raten oberhalb des Leitzinsniveaus sorgen (aktueller Zins der neuen Einlagefazilität: 14,14%). Das Modell ähnele der Geldpolitik der ersten Hälfte 2022, als die Zentralbank den Ein-Wochen-Einlagensatz als Hauptinstrument der Geldpolitik verwendet habe. Im Sommer habe die Zentralbank unter dem Druck der Märkte dieses zweigleisige System abschaffen müssen.
Der starke Anstieg der Inflationsrate im September (4,1% mom/20,5% yoy) sei zwar erwartet und in erster Linie auf die Anpassungen der Energiepreise und die Lebensmittelpreisanstiege zurückzuführen gewesen. Doch spreche das Umfeld dafür, dass die Zentralbank den effektiven Zinssatz kurzfristig deutlich oberhalb des aktuellen Niveaus der Liquiditätsinstrumente ansteuern müsse, um das Vertrauen der Märkte zurückzugewinnen. Die Rahmenbedingungen würden Ungarn anfällig machen: Der andauernde Konflikt mit der EU, Leistungsbilanz- und Haushaltsdefizit, anhaltend hohe Inflation sowie hohe Abhängigkeit sowohl von der EU-Konjunktur als auch den russischen Energielieferungen.
Die Kaufkraftverluste aufgrund der hohen Inflation, die Straffung der Geldpolitik sowie die erwartete Rezession in Euroland dürften im Winterhalbjahr zu einer starken Konjunkturbelastung werden. Der Anteil der russischen Erdgaslieferungen sei in Ungarn mit über 50% der insgesamt verbrauchten Energie im EU-Vergleich besonders hoch. Sollte es im Risikoszenario zu einem Gasexportstopp aus Russland kommen, sei es aufgrund der Zerstörung der Gastransitinfrastruktur der Ukraine oder aufgrund der Sanktions- und Gegensanktionsspirale, wäre Ungarn deshalb überproportional stark betroffen. Laut einer Studie des Internationalen Währungsfonds würde der Effekt über 4% des Bruttoinlandproduktes betragen. Dank der Ausnahmen im 6. EU-Sanktionspaket sollte Ungarn auch im kommenden Jahr noch das Erdöl aus Russland beziehen dürfen, was die Risiken für die Kraftstoffversorgung des Landes reduziere. Die Raffinerien des Landes seien stark auf die russischen Ölsorten angewiesen.
Ungarns Rating liege im unteren Investment-Grade-Bereich. Die Haushaltsdefizite seien in jüngster Vergangenheit ungewöhnlich hoch gewesen, sodass nun angesichts des höheren Zinsniveaus eine Konsolidierung dringend geboten sei. Die Stellung Ungarns innerhalb der EU sei wegen dessen Nähe zu Russland problematisch. Die EU habe den neuen Rechtsstaatsmechanismus gegen Ungarn eingeleitet und eine deutliche Kürzung der EU-Mittel aufgrund von häufig angeprangerten Korruption und Vetternwirtschaft bei der Mittelverwendung empfohlen. Die Fidesz-Regierung arbeite an einem institutionellen Rahmen, um dieser Mittelkürzung zu entgehen, doch es dürfte mehrere Monate in Anspruch nehmen, bis insbesondere die Mittel der Aufbau- und Resilienzfazilität freigegeben werden könnten. Somit bleibe Ungarn in Bezug auf die Finanzierung der erheblichen Leistungs- und Haushaltsdefizite vorerst anfällig. Sollte Ungarns Zugang zu EU-Mittel im Risikoszenario eingeschränkt werden, dürfte dies die Bonitätseinschätzung der Ratingagenturen belasten. (Ausgabe vom 14.10.2022) (18.10.2022/alc/a/a)
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