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Unerwartete Entwicklung beim Renditeaufschlag von Green Bonds


10.08.22 15:21
BANTLEON AG

Hannover (www.anleihencheck.de) - Nach der üblichen Sommerflaute bei der Neuemission von Green Bonds, die vom volatilen Marktumfeld und der geopolitischen Unsicherheit verstärkt wurde, ist ab September wieder mit einer deutlichen Belebung zu rechnen, so Marcio da Costa, Senior Portfolio Manager bei BANTLEON.

Das sei eine günstige Einstiegsgelegenheit für Anleger, die bislang keine Green Bonds halten würden, weil der Renditeaufschlag gegenüber den konventionellen Pendants (Greenium) derzeit minimal sei. Spätestens mit Umsetzung der Nachhaltigkeitsambitionen der EZB dürfte das Greenium wieder steigen.

Das Neuemissionsvolumen von Green Bonds sei erwartungsgemäß im Juli mit 17 Milliarden Euro nur halb so hoch ausgefallen wie im Juni. Hauptgrund sei die über die Sommermonate saisonal tiefere Neuemissionsaktivität in den Monaten Juli und August gewesen. Das volatile Marktumfeld und die geopolitische Unsicherheit hätten sich zusätzlich negativ auf die Primärmarktaktivität ausgewirkt. Das dynamische Wachstum des Green-Bond-Marktes scheine im Umfeld gestiegener Zinsen und hoher Risikoprämien zunächst gebremst, aber bereits im September dürfte der Markt wieder eine deutliche Belebung erfahren.

In diesem Zusammenhang lohne sich für Investoren ein Blick auf die jüngste unerwartete Entwicklung der Renditedifferenz zwischen Green Bonds und vergleichbaren konventionellen Anleihen (Greenium). Am Beispiel der deutschen Zwillingsanleihe mit Fälligkeit im Jahr 2030 werde die anfängliche Outperformance der grünen Anleihe deutlich. Die Renditedifferenz habe in der Spitze bei 7 Basispunkten gelegen. Seit Januar 2021 habe sich die Renditedifferenz nahezu vollständig zurückgebildet. Aktuell würden grüne deutsche Staatsanleihen wieder nahezu auf dem Niveau konventioneller Staatsanleihen rentieren. Damit bestehe aktuell kein finanzieller Anreiz für Emittenten, Green Bonds zu begeben. Gleichzeitig seien die Opportunitätskosten für Investoren, nachhaltig zu investieren, geringer denn je.

Zu beobachten sei dieses Phänomen auch bei der Preisfindung von Neuemissionen. So könnten günstigere Finanzierungskonditionen für Green Bonds im aktuellen Marktumfeld oft nicht vom Emittenten realisiert werden. Dies gelte auch für Emittenten, die bereits eine durchgängige grüne Zinskurve vorweisen würden. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau habe im Juni anders als gewohnt keine günstigeren Finanzierungskonditionen im Vergleich zu konventionellen Anleihen durchsetzen können. Sie habe sogar eine Neuemissionsprämie von etwa 1 Basispunkt in Kauf nehmen müssen.

Erklären lasse sich diese Entwicklung durch die jüngste Marktentwicklung: Die Rückbildung des Greeniums sei nahezu zeitgleich mit dem Zinsanstieg bei deutschen Bundesanleihen erfolgt. Denkbar sei, dass der Zinsanstieg zu einer allgemeinen Reduktion der Anleihenbestände geführt habe. Die Knappheit der Green Bonds habe sich damit entspannt. Dafür würden auch die Cash-Quoten von Fondsmanagern sprechen, die sich gemäß der jüngsten Fondsmanagerumfrage der Grossbank Bank of America auf zyklischen Höchstständen befinden würden.

Die Experten würden in dieser Entwicklung eine Chance für Anleger sehen, die bisher nicht in Green Bonds investiert gewesen seien. Diese könnten nun ohne nennenswertes Greenium in die Subassetklasse einsteigen. Perspektivisch dürfte das Greenium aber spätestens mit Umsetzung der Nachhaltigkeitsambitionen der EZB wieder steigen. Hinsichtlich der Emissionsaktivität seien die Experten für das weitere Jahr deutlich pessimistischer. Anstatt der ursprünglich erwarteten 750 Milliarden Euro würden sie nun nur noch mit einem Green-Bond-Emissionsvolumen von etwa 500 Milliarden Euro im Jahr 2022 rechnen. (10.08.2022/alc/a/a)