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Ultralockere Geldpolitik der EZB bietet Investmentmöglichkeiten an


14.04.15 12:04
Janus Capital International

London (www.anleihencheck.de) - Für Janus-Fondsmanager Bill Gross würden sich aus der ultralockeren Geldpolitik der EZB Investmentmöglichkeiten ergeben, so die Experten von Janus Capital International.

Das jüngst begonnene Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) eröffne Einstiegschancen für Investoren. Zu dieser Einschätzung komme Bill Gross, Fondsmanager und Anlagestratege des Assetmanagers Janus Capital in seinem aktuellen Investmentausblick. "Das Programm, das über die Laufzeit hinweg immerhin ein Volumen von 200 Prozent der Staatsverschuldung aller EU-Länder umfasst, wird die Zinsen in Deutschland niedrig halten. Die wiederum bilden einen Anker für die Sätze von britischen und US-Staatsanleihen", prognostiziere Gross. "Ich halte all diese Staatspapiere für überbewertet und würde sie nicht kaufen, aber stattdessen die Volatilität um sie herum verkaufen. Durch das von EZB-Präsident Mario Draghi initiierte Programm ist es sehr wahrscheinlich, dass sich etwa die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen innerhalb der kommenden drei Monate in einem Zinskorridor von minus 0,05 Prozent bis plus 0,5 Prozent bewegen wird."

Der reale Zins entscheidet

Gross' Strategie beruhe auf der These, dass das reale Zinsniveau eine der zentralen Stellschrauben für die Volkswirtschaft und insbesondere die Geldpolitik sei. "Bei allen methodischen Schwierigkeiten gehe ich davon aus, dass der Realzins dazu in der Lage ist, einen Kreditsuperzyklus und Vermögensblasen auszulösen. Ebenso können mit seiner Hilfe die negativen Probleme, die daraus folgen, beseitigt werden", sei der Janus-Experte überzeugt. "Das ist eine Lehre aus der Geldpolitik der amerikanischen und anderer Notenbanken aus dem vergangenen Jahrhundert." Entscheidend sei dabei, eine Vorstellung von einem "neutralen" Realzins zu haben. Dieser liege den Forschungen der beiden Ökonomen Kenneth S. Rogoff und Carmen Reinhart zufolge bei 1,35 Prozent in entwickelten Volkswirtschaften und 2,88 Prozent in den Schwellenländern. "Aber diese Erkenntnisse beziehen sich auf den Zeitraum von 1979 bis 2009", so Gross. "Es spricht einiges dafür, dass es heute einen ‚neuen‘ neutralen Zinssatz gibt, der bereits jetzt auf einem deutlich niedrigeren Niveau liegt und dort auch in Zukunft verbleiben wird."

Neutrales reales Zinsniveau liegt bei null Prozent

Um herauszufinden, mit welchem Realzins sich eine moderne Volkswirtschaft nach den Verwerfungen der Finanzkrise auf Dauer zu stabilisieren lasse, halte Bill Gross einen Blick auf den Abstand zwischen den Leitzinsen und dem Wirtschaftswachstum für aufschlussreich. "Meine Kernthese ist, dass die nominellen Leitzinsen niedriger sein müssen als die nominelle Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes", so Gross. "Die Frage ist allerdings: Um wie viel niedriger? Die wirtschaftliche Entwicklung der drei großen Industrieländer Deutschland, USA und Großbritannien, legt nahe, dass der Satz eher bei null als bei den 1,75 Prozent liegt, die die US-Notenbank FED für angemessen hält."

Hebelstrategien durch niedrige Zinsen günstig

Dieses "Neue Neutral" habe Gross zufolge erhebliche Auswirkungen auf die Bewertungen und die Aussichten aller wichtigen Vermögensanlagen. "Real gesehen wird der Ertrag von US-Anlagen bei null Prozent, in anderen Regionen unter Umständen wohl noch darunter liegen", schätze Gross. "Das bedeutet, dass Investoren und Sparer nicht davon ausgehen können, dass ihre Kapitalerträge hoch genug ausfallen, damit unter dem Strich ihr Vermögen real gesehen wächst." Höhere Erträge zu erzielen sei Gross zufolge nicht möglich, ohne dafür größere Risiken einzugehen - etwa, indem die Renditechancen durch den Einsatz von Fremdkapital gehebelt werden, das derzeit angesichts der niedrigen Zinsen günstig zu haben sei. "Für einen Investor ist es natürlich riskant, sich kurzfristig zu verschulden und das Geld dann langfristig zu investieren - vor allem, da sehr viele Vermögenspreise aufgebläht sind", gebe der Anlageexperte zu bedenken. "Die Herausforderung ist, sich diejenigen Assets herauszupicken, die die Chance bieten, dass ihre Preise auch über den Investmenthorizont hinweg aufgebläht bleiben." (14.04.2015/alc/a/a)