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Übermäßiger Optimismus bei FI-Investoren unangebracht
29.05.13 13:58
ING Investment Management
Den Haag (www.anleihencheck.de) - Der seit Jahresbeginn stabile Verlauf der Finanzmärkte sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Risiken aktiv gesteuert werden müssen, so die Experten von ING Investment Management.
Momentan würden sie bei Anleihen mehr Risiko als bei Aktien sehen; hier wuerden sie Hochzinsanleihen und Emerging Markets Debt beleuchten. Bei ihrer taktischen Asset-Allokation hätten sie High Yield und Senior Loans auf eine moderate Übergewichtung ausgeweitet. Auch lokale Schwellenländer-Anleihen würden sie übergewichten, da sie von hoher globaler Liquidität, stagnierendem Wachstum und rückläufiger Inflation profitieren würden. Unternehmensanleihen mit hoher Exponierung gegenüber Europa bzw. Sensitivität ggü. der Wachstumsentwicklung an den EM würden dagegen untergewichtet bleiben. Das gelte für europäische Investment-Grade- und auf Hartwährung lautende EMD-Titel.
Seit Jahresbeginn hätten Unternehmensanleihen - vor allem Hochzins - gut abgeschnitten. Bemerkenswert sei das lebhafte Interesse an risikoreicheren Deals (z. B. spanischen Finanztiteln), eine Entwicklung, die vor sechs Monaten noch undenkbar gewesen sei. Das absolute Renditeniveau (5,5% bei Global High Yield) sei auf dem historischen Tiefststand. Infolge finanzieller Repression würden jetzt auch Anleger, die traditionell auf Staatsanleihen aus Kernländern gesetzt hätten, mehr Risiko ins Portfolio nehmen. Zudem seien die Zinsen weiterhin niedrig und die Wirtschaftsdaten schwach. Auch die anhaltend niedrigen Ausfallraten seien für den Bondsektor günstig. So sei die kumulative Ausfallrate über zehn Jahre in der Ratingkategorie "B" auf ihren tiefsten Stand seit 1977 gefallen.
Die Renditen auf Rekordtief seien sowohl durch die Nachfrage nach Staatsanleihen als auch die niedrigen Spread-Level bedingt. Im Zeitraum 2002-2007 hätten die Spreads bei US High Yield sogar unter dem aktuellen Durchschnitt gelegen. Bei Investment-Grade-Spreads sei die Situation ähnlich. Auf den ersten Blick scheine reichlich Spielraum für Carry Trades zu bestehen.
Die Entwicklung werde von dynamischen Faktoren bestimmt, die genau überwacht werden müssten und darauf hindeuten würden, dass der günstige Kreditzyklus die Endphase erreicht habe. Das Aufwärtspotenzial sei begrenzt und die Bewertungen böten im Fall eines Konjunktureinbruchs nur wenig Rückhalt. Umgekehrt gäbe es aber auch bei einem erneuten Aufschwung kaum Schutz gegenüber steigenden Staatsanleiherenditen. Auch sich wandelnde Trends bei Unternehmen seien vor dem Hintergrund besserer Konjunkturdaten und niedriger Volatilität nicht unbedingt im Interesse von Anleiheinhabern.
Der sich bereits abzeichnende Trendwandel bei Unternehmen begünstige Aktien gegenüber Anleihen. Aktienrückkäufe und M&As würden zunehmen. Im ersten Quartal sei das Volumen von Aktienrückkäufen weltweit auf 168 Mrd. USD geklettert, das entspreche dem Volumen in H2/2012. Dieser Trend dürfte anhalten, da sowohl die finanzielle als auch die geschäftliche Logik stichhaltig sei.
Zudem würden Unternehmen ihre Dividenden über die Ausgabe von Schuldtiteln finanzieren. Diese Risiken würden sich allerdings auf eine geringe Zahl von Unternehmen beschränken und auf Benchmarkebene mache sich das wohl noch weniger bemerkbar. Auch die steigende Verschuldung sei für Unternehmen bislang nicht unvorteilhaft gewesen, da sich die mit einer Herabstufung ihrer Bonität verbundene Zinslast in Grenzen halte.
Für Investoren würden Hochzinsanleihen einen zusätzlichen Negativfaktor aufweisen. Ein Großteil der Anleihen am Markt sei kündbar. Bei Preisen über Pari oder sogar über dem Kündigungskurs bestehe hier ein enormer Anreiz für Unternehmen, ihre Anleihen zu kündigen und neue auszugeben. Für Anleger biete dieses Segment nur begrenzte Vorteile. Und schließlich habe uns die Krise von 2008 gelehrt, dass die Liquidität am Unternehmensanleihemarkt in Krisenzeiten völlig versiegen könne. Das seien Gründe genug, um sich bei Unternehmensanleihen zurückzuhalten.
Während sich in der entwickelten Welt eine allmähliche Erholung abzeichne, würden sich die Konjunkturindikatoren in den Schwellenländern verschlechtern. Für das gesamte EM-Universum erwarte man 2013 ein BIP-Wachstum von 5,2%. Von den Krisenjahren 2008/09 abgesehen, sei das der tiefste Stand seit 2002. Bei ihrer (kurzfristigen) taktischen Asset-Allokation würden die Experten EMD-Hartwährungsanleihen daher untergewichten.
Niedriges Wachstum und sinkende Rohstoffpreise würden die Geldentwertung in den Schwellenländern dämpfen. Das erkläre, warum mehrere EM-Zentralbanken in den letzten Monaten die Zinsen gesenkt hätten. Hier seien vor allem Korea, Indien, Polen, die Türkei, die Philippinen und Mexiko zu nennen. Über eine gelockerte Geldpolitik solle die Wachstumsentwicklung angekurbelt werden. Doch einer wachsenden Zahl von EM-Zentralbanken gehe es vor allem darum, übermäßige Kapitalzuflüsse abzuwenden. Denn diese wären mit einer höchst unwillkommenen Aufwertung ihrer Währungen verbunden.
Aufgrund der sinkenden Zinsen und weil in der aufstrebenden Welt noch Spielraum für eine weitere Lockerung bestehe, würden Lokalwährungsanleihen eine attraktive Anlageform bleiben. Längerfristig würden die Experten hier zwar "Luft" für eine Aufwertung sehen, doch kurz- und mittelfristig sei das Aufwärtspotenzial der EM-Währungen aus wirtschaftspolitischen Gründen sehr begrenzt. Doch diverse Schwellenländerwährungen seien bereits im überverkauften Bereich. Bei attraktiv bewerteten Währungen bzw. mit der gebotenen Vorsicht agierenden Zentralbanken sehe man durchaus ein Aufwertungspotenzial. Hier seien Mexiko, Südafrika, Indien und Brasilien genannt. (29.05.2013/alc/a/a)
Momentan würden sie bei Anleihen mehr Risiko als bei Aktien sehen; hier wuerden sie Hochzinsanleihen und Emerging Markets Debt beleuchten. Bei ihrer taktischen Asset-Allokation hätten sie High Yield und Senior Loans auf eine moderate Übergewichtung ausgeweitet. Auch lokale Schwellenländer-Anleihen würden sie übergewichten, da sie von hoher globaler Liquidität, stagnierendem Wachstum und rückläufiger Inflation profitieren würden. Unternehmensanleihen mit hoher Exponierung gegenüber Europa bzw. Sensitivität ggü. der Wachstumsentwicklung an den EM würden dagegen untergewichtet bleiben. Das gelte für europäische Investment-Grade- und auf Hartwährung lautende EMD-Titel.
Seit Jahresbeginn hätten Unternehmensanleihen - vor allem Hochzins - gut abgeschnitten. Bemerkenswert sei das lebhafte Interesse an risikoreicheren Deals (z. B. spanischen Finanztiteln), eine Entwicklung, die vor sechs Monaten noch undenkbar gewesen sei. Das absolute Renditeniveau (5,5% bei Global High Yield) sei auf dem historischen Tiefststand. Infolge finanzieller Repression würden jetzt auch Anleger, die traditionell auf Staatsanleihen aus Kernländern gesetzt hätten, mehr Risiko ins Portfolio nehmen. Zudem seien die Zinsen weiterhin niedrig und die Wirtschaftsdaten schwach. Auch die anhaltend niedrigen Ausfallraten seien für den Bondsektor günstig. So sei die kumulative Ausfallrate über zehn Jahre in der Ratingkategorie "B" auf ihren tiefsten Stand seit 1977 gefallen.
Die Renditen auf Rekordtief seien sowohl durch die Nachfrage nach Staatsanleihen als auch die niedrigen Spread-Level bedingt. Im Zeitraum 2002-2007 hätten die Spreads bei US High Yield sogar unter dem aktuellen Durchschnitt gelegen. Bei Investment-Grade-Spreads sei die Situation ähnlich. Auf den ersten Blick scheine reichlich Spielraum für Carry Trades zu bestehen.
Die Entwicklung werde von dynamischen Faktoren bestimmt, die genau überwacht werden müssten und darauf hindeuten würden, dass der günstige Kreditzyklus die Endphase erreicht habe. Das Aufwärtspotenzial sei begrenzt und die Bewertungen böten im Fall eines Konjunktureinbruchs nur wenig Rückhalt. Umgekehrt gäbe es aber auch bei einem erneuten Aufschwung kaum Schutz gegenüber steigenden Staatsanleiherenditen. Auch sich wandelnde Trends bei Unternehmen seien vor dem Hintergrund besserer Konjunkturdaten und niedriger Volatilität nicht unbedingt im Interesse von Anleiheinhabern.
Zudem würden Unternehmen ihre Dividenden über die Ausgabe von Schuldtiteln finanzieren. Diese Risiken würden sich allerdings auf eine geringe Zahl von Unternehmen beschränken und auf Benchmarkebene mache sich das wohl noch weniger bemerkbar. Auch die steigende Verschuldung sei für Unternehmen bislang nicht unvorteilhaft gewesen, da sich die mit einer Herabstufung ihrer Bonität verbundene Zinslast in Grenzen halte.
Für Investoren würden Hochzinsanleihen einen zusätzlichen Negativfaktor aufweisen. Ein Großteil der Anleihen am Markt sei kündbar. Bei Preisen über Pari oder sogar über dem Kündigungskurs bestehe hier ein enormer Anreiz für Unternehmen, ihre Anleihen zu kündigen und neue auszugeben. Für Anleger biete dieses Segment nur begrenzte Vorteile. Und schließlich habe uns die Krise von 2008 gelehrt, dass die Liquidität am Unternehmensanleihemarkt in Krisenzeiten völlig versiegen könne. Das seien Gründe genug, um sich bei Unternehmensanleihen zurückzuhalten.
Während sich in der entwickelten Welt eine allmähliche Erholung abzeichne, würden sich die Konjunkturindikatoren in den Schwellenländern verschlechtern. Für das gesamte EM-Universum erwarte man 2013 ein BIP-Wachstum von 5,2%. Von den Krisenjahren 2008/09 abgesehen, sei das der tiefste Stand seit 2002. Bei ihrer (kurzfristigen) taktischen Asset-Allokation würden die Experten EMD-Hartwährungsanleihen daher untergewichten.
Niedriges Wachstum und sinkende Rohstoffpreise würden die Geldentwertung in den Schwellenländern dämpfen. Das erkläre, warum mehrere EM-Zentralbanken in den letzten Monaten die Zinsen gesenkt hätten. Hier seien vor allem Korea, Indien, Polen, die Türkei, die Philippinen und Mexiko zu nennen. Über eine gelockerte Geldpolitik solle die Wachstumsentwicklung angekurbelt werden. Doch einer wachsenden Zahl von EM-Zentralbanken gehe es vor allem darum, übermäßige Kapitalzuflüsse abzuwenden. Denn diese wären mit einer höchst unwillkommenen Aufwertung ihrer Währungen verbunden.
Aufgrund der sinkenden Zinsen und weil in der aufstrebenden Welt noch Spielraum für eine weitere Lockerung bestehe, würden Lokalwährungsanleihen eine attraktive Anlageform bleiben. Längerfristig würden die Experten hier zwar "Luft" für eine Aufwertung sehen, doch kurz- und mittelfristig sei das Aufwärtspotenzial der EM-Währungen aus wirtschaftspolitischen Gründen sehr begrenzt. Doch diverse Schwellenländerwährungen seien bereits im überverkauften Bereich. Bei attraktiv bewerteten Währungen bzw. mit der gebotenen Vorsicht agierenden Zentralbanken sehe man durchaus ein Aufwertungspotenzial. Hier seien Mexiko, Südafrika, Indien und Brasilien genannt. (29.05.2013/alc/a/a)


