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Überall Bewegung, nur nicht an den Rentenmärkten
20.08.21 08:50
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Während die langfristigen Renditen der US- und der deutschen Staatsanleihen in den vergangenen Tagen wie festgenagelt erscheinen, sieht es an den Finanzmärkten insgesamt recht turbulent aus, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.
Letzteres könne mit der Kurzformel "risk off" gut erfasst werden. Auslöser für den Einbruch an den Aktienmärkten und den deutlichen Rückgängen der Rohstoffpreise sei das vorgestern (18.08.) veröffentlichte Protokoll der letzten US-Notenbanksitzung gewesen. Demnach spreche sich eine Mehrheit dafür aus, mit der Reduktion der Anleiheankäufe bereits in diesem Jahr zu beginnen. In Stein gemeißelt sei diese Entscheidung noch nicht, denn hier spiele die weitere Entwicklung am Arbeitsmarkt und die sich rasch ausbreitende Delta-Variante eine wichtige Rolle.
Wichtiger als das genaue Startdatum sei die Frage, wie rasch das Tapering geschehen solle. Man möchte nicht noch einmal Turbulenzen an den Finanzmärkten auslösen wie das 2013 der Fall gewesen sei, als Ben Bernanke das Tapering ins Spiel gebracht habe. Vermutlich werde man sich zehn bis zwölf Monate Zeit lassen, um die Anleiheankäufe von derzeit 120 Mrd. US-Dollar pro Monat auf Null zu reduzieren. Da dies relativ langsam sei und gleichzeitig die EZB weiterhin Anleihen kaufe, könne vermutlich ein Taper Tantrum wie 2013 vermieden werden. Auf der Notenbankkonferenz in Jackson Hole (26.-28. August) werde man vermutlich weniger erfahren als viele das erwarten würden.
An der Konjunkturfront sei der kräftige Anstieg der Auftragsbestände im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland bemerkenswert. Die Industrieproduktion hingegen komme nicht hinterher, hier sei die Produktion in den vergangenen Monaten sogar gesunken. Ganz offensichtlich würden sich die Lieferengpässe verschärfen, wovon auch eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags berichte. Demnach würden 83% der Unternehmen über Lieferprobleme und hohe Rohstoffpreise klagen.
Grundsätzlich gebe es zwei Auswege aus dieser Entwicklung. Entweder die Lieferengpässe würden sich endlich auflösen, dann könnte es zu einem wahren Ketchup-Effekt kommen und die Produktion nach oben schießen, weil die hohen Auftragsbestände abgebaut werden müssten. Oder die Auftraggeber würden die Geduld verlieren, hätten selber Probleme, Aufträge zu bedienen und Aufträge würden wieder zurückgezogen.
Die Analysten würden weiterhin dem ersten Szenario zuneigen. Die Zahlen vom Welthandel würden zeigen, dass man von umfassenden Unterbrechungen der Lieferketten nicht sprechen könne, denn in diesem Fall würde man in diesem Jahr nicht ein volumenmäßiges Plus im Welthandel von 8% erreichen, wie die WTO in ihrem jüngsten Vierteljahresbericht schätze. Allerdings sehe man an dem Handelsbarometer der WTO auch, dass sich am aktuellen Rand der Materialmangel allmählich auch beim Handelsvolumen negativ bemerkbar mache, etwa bei Autos oder bei Elektronikkomponenten. Hier spiele der immer noch bestehende Chipmangel eine entscheidende Rolle. Dazu passe die Meldung aus Japan, dass der Autohersteller Toyota seine Produktion im September um 40% zurückfahren werde.
Die coronabedingten Terminalschließungen in China, zuletzt am Hafen von Ningo-Zhoushan südlich von Shanghai würden auch nicht gerade zur Entspannung beitragen. Urteile man aber nach der Zahl der Schiffe, die auf Abfertigung warten würden, sei die Westküste der USA, also vor allem Long Beach und Los Angeles - dort würden laut Bloomberg fast 40 Containerschiffe warten -, mit Abstand Spitzenreiter. Die Schiffe, die dort warten würden, würden in Asien und anderswo fehlen. Die Nachfrage nach Gütern manifestiert sich in einem ungewöhnlich hohen Niveau der Einzelhandelsumsätze, die allerdings auch durch die Inflation sehr hoch erscheinen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Zuletzt seien die Einzelhandelsumsätze zurückgegangen, ein Zeichen, dass der Druck aus dem Kessel allmählich entweichen könnte.
Am Montag werde der US-Kongress wieder zusammentreffen. Möglicherweise gebe es dann Fortschritte beim 1 Billion US-Dollar Infrastrukturpaket und dem größeren 3,5 Billionen Paket, das vor allem die progressiven Demokraten vorantreiben möchten. Datenseitig sei auf eine ganze Reihe von Stimmungsindices zu achten, allen voran die Vorabschätzung der PMI-Indices für die Eurozone (23.08.) sowie der ifo-Index, der zuletzt leicht zurückgegangen sei (25.08.). Dazu komme noch das GfK Konsumentenvertrauen aus Deutschland (26.08.) sowie die revidierten Zahlen zum US-BIP für das zweite Quartal (26.08.). (Ausgabe vom 19.08.2021) (20.08.2021/alc/a/a)
Letzteres könne mit der Kurzformel "risk off" gut erfasst werden. Auslöser für den Einbruch an den Aktienmärkten und den deutlichen Rückgängen der Rohstoffpreise sei das vorgestern (18.08.) veröffentlichte Protokoll der letzten US-Notenbanksitzung gewesen. Demnach spreche sich eine Mehrheit dafür aus, mit der Reduktion der Anleiheankäufe bereits in diesem Jahr zu beginnen. In Stein gemeißelt sei diese Entscheidung noch nicht, denn hier spiele die weitere Entwicklung am Arbeitsmarkt und die sich rasch ausbreitende Delta-Variante eine wichtige Rolle.
Wichtiger als das genaue Startdatum sei die Frage, wie rasch das Tapering geschehen solle. Man möchte nicht noch einmal Turbulenzen an den Finanzmärkten auslösen wie das 2013 der Fall gewesen sei, als Ben Bernanke das Tapering ins Spiel gebracht habe. Vermutlich werde man sich zehn bis zwölf Monate Zeit lassen, um die Anleiheankäufe von derzeit 120 Mrd. US-Dollar pro Monat auf Null zu reduzieren. Da dies relativ langsam sei und gleichzeitig die EZB weiterhin Anleihen kaufe, könne vermutlich ein Taper Tantrum wie 2013 vermieden werden. Auf der Notenbankkonferenz in Jackson Hole (26.-28. August) werde man vermutlich weniger erfahren als viele das erwarten würden.
Grundsätzlich gebe es zwei Auswege aus dieser Entwicklung. Entweder die Lieferengpässe würden sich endlich auflösen, dann könnte es zu einem wahren Ketchup-Effekt kommen und die Produktion nach oben schießen, weil die hohen Auftragsbestände abgebaut werden müssten. Oder die Auftraggeber würden die Geduld verlieren, hätten selber Probleme, Aufträge zu bedienen und Aufträge würden wieder zurückgezogen.
Die Analysten würden weiterhin dem ersten Szenario zuneigen. Die Zahlen vom Welthandel würden zeigen, dass man von umfassenden Unterbrechungen der Lieferketten nicht sprechen könne, denn in diesem Fall würde man in diesem Jahr nicht ein volumenmäßiges Plus im Welthandel von 8% erreichen, wie die WTO in ihrem jüngsten Vierteljahresbericht schätze. Allerdings sehe man an dem Handelsbarometer der WTO auch, dass sich am aktuellen Rand der Materialmangel allmählich auch beim Handelsvolumen negativ bemerkbar mache, etwa bei Autos oder bei Elektronikkomponenten. Hier spiele der immer noch bestehende Chipmangel eine entscheidende Rolle. Dazu passe die Meldung aus Japan, dass der Autohersteller Toyota seine Produktion im September um 40% zurückfahren werde.
Die coronabedingten Terminalschließungen in China, zuletzt am Hafen von Ningo-Zhoushan südlich von Shanghai würden auch nicht gerade zur Entspannung beitragen. Urteile man aber nach der Zahl der Schiffe, die auf Abfertigung warten würden, sei die Westküste der USA, also vor allem Long Beach und Los Angeles - dort würden laut Bloomberg fast 40 Containerschiffe warten -, mit Abstand Spitzenreiter. Die Schiffe, die dort warten würden, würden in Asien und anderswo fehlen. Die Nachfrage nach Gütern manifestiert sich in einem ungewöhnlich hohen Niveau der Einzelhandelsumsätze, die allerdings auch durch die Inflation sehr hoch erscheinen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Zuletzt seien die Einzelhandelsumsätze zurückgegangen, ein Zeichen, dass der Druck aus dem Kessel allmählich entweichen könnte.
Am Montag werde der US-Kongress wieder zusammentreffen. Möglicherweise gebe es dann Fortschritte beim 1 Billion US-Dollar Infrastrukturpaket und dem größeren 3,5 Billionen Paket, das vor allem die progressiven Demokraten vorantreiben möchten. Datenseitig sei auf eine ganze Reihe von Stimmungsindices zu achten, allen voran die Vorabschätzung der PMI-Indices für die Eurozone (23.08.) sowie der ifo-Index, der zuletzt leicht zurückgegangen sei (25.08.). Dazu komme noch das GfK Konsumentenvertrauen aus Deutschland (26.08.) sowie die revidierten Zahlen zum US-BIP für das zweite Quartal (26.08.). (Ausgabe vom 19.08.2021) (20.08.2021/alc/a/a)


