Über Davos schwebt das Gespenst einer neuen Finanzkrise


24.01.19 12:15
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Beim ersten Hinhören klang das, was Jair Bolsonaro zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos zu sagen hatte, manchmal überraschend gemäßigt, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Er wolle sein Land für ausländische Investoren öffnen und die Handelsbeziehungen zu anderen Staaten vertiefen, habe der neu gewählte Präsident Brasiliens versprochen, der damit seinen Ruf als Mini-Trump nicht habe bestätigen wollen. Aber schon beim zweiten Hinhören sei klar gewesen, dass Bolsonaro, der lediglich sechs Minuten gesprochen habe, lediglich Floskelhaftes aneinandergereiht habe. Und beim Thema Umweltschutz habe er keine Zweifel daran gelassen, dass seine Regierung "die grüne Lunge der Welt", den Regenwald, stärker wirtschaftlich nutzen wolle. Der Auftritt des als rassistisch und sexistisch geltenden Präsidenten sei also in vielerlei Hinsicht enttäuschend gewesen.

Wie überhaupt die Stimmung in diesem Jahr in Davos eher gedämpft erscheine. Dafür sei allerdings eine um nur 0,2 PP gegenüber 2018 reduzierte Wachstumsprognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) für dieses Jahr (auf 3,5%) nicht alleine verantwortlich. Schwerer wiege hier, dass der Fonds seine Oktober-Prognose für die Eurozone um 0,3 PP auf 1,6% gesenkt habe. Ausschlaggebend sei dafür laut IWF-Chefökonomin Gita Gopinath vor allem die Entwicklung in Deutschland, Italien und Frankreich, also den größten Volkswirtschaften der Eurozone. Für Deutschland habe der IWF seine Voraussagen sogar von 1,9% auf 1,3% gesenkt.

Als Risiken identifiziere Gopinath die bekannten Probleme Brexit, die Skepsis gegenüber der Eurozone, der Handelsstreit zwischen China und den USA sowie die hohe Verschuldung. Ebenso könnte ein möglicher Wachstumseinbruch laut IWF zu einem potenziellen Auslöser von weiteren Turbulenzen auf den Kapitalmärkten führen. Eine globale Rezession stehe zwar nicht bevor, aber das Risiko einer stärkeren Abnahme des Weltwirtschaftswachstums sei sicherlich gestiegen, habe IWF-Chefin Christine Lagarde gesagt. Anstatt "schädliche Barrieren" hochzuziehen, habe sie vor diesem Hintergrund internationale Zusammenarbeit angemahnt.

Und über allem schwebe das Gespenst einer neuen Finanzkrise. Die Crux an der Sache sei freilich, dass die Notenbanken kaum Spielraum hätten, darauf zu reagieren. Lediglich die US-Notenbank FED wäre in der Lage, die Schleusen ihrer Geldpolitik wieder zu öffnen, nachdem sie in der jüngsten Vergangenheit die Zinsschraube Schritt für Schritt angezogen habe. Diesen Zeitpunkt, aus der Krisenpolitik auszusteigen, aber habe die Europäische Zentralbank (EZB) verpasst. Daher könne man das Projekt Normalisierung der Zinsen als beendet ansehen, wie Axel Weber, früherer Chef der Bundesbank und heute UBS-Verwaltungsrat, in Davos gesagt habe. Dies würde bedeuten, dass die Zeit des billigen Geldes noch lange nicht zu Ende sei.

Doch so wie auch Weber davor warne, pessimistisch in die Zukunft zu schauen, mahne Lagarde die internationale Gemeinschaft, ihre Handelskonflikte "gemeinsam und schnell" zu lösen. Neue Handelsbarrieren würden die schwächelnde Weltwirtschaft schließlich noch weiter destabilisieren. Das passe auch zum diesjährigen WEF in Davos, das sich das Motto "Kooperation statt Konfrontation" auf die Fahnen geschrieben habe. Einer, der diese Botschaft freilich partout nicht hören wolle, fehle dieses Jahr in Davos: Es sei D. T., der Unberechenbare.

Am heutigen Donnerstag würden sich in diesem Jahr erstmals die Mitglieder des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB) zu ihrer turnusmäßigen Sitzung treffen, um über die weitere Geldpolitik zu beraten. Gleichzeitig sei es auch die erste Sitzung nach dem Ende der Anleihekäufe zum 31.12.2018, und somit werde zukünftig wieder vermehrt die Leitzinsentwicklung in den Blickpunkt geraten. Dass jedoch bereits zu diesem frühen Zeitpunkt Hinweise auf die weitere Vorgehensweise zu erwarten seien, könne getrost als Fantasie bezeichnet werden. Frühestens im März, wenn die überarbeiteten Vorhersagen für das Wirtschaftswachstum und die Inflation vorgelegt würden, sollte man dies erwarten. Und auch dann wäre es meines Erachtens noch zu früh dafür.

Denn aktuell würden infolge der diversen ungelösten wirtschaftlichen und politischen Konflikte in der Welt immer wieder die Zahlen für das Wirtschaftswachstum nach unten revidiert. Dies scheine zurzeit die einzige Konstante in diesem Bereich zu sein. Ob allerdings eine Rezession drohe, sei keineswegs eine ausgemachte Sache. Und das sähen auch die europäischen Notenbanker so. Deshalb würden viele Marktbeobachter immer noch mit einer Anhebung des Einlagensatzes zum Jahresende 2019 rechnen. Und das obwohl die Inflationszahlen einen solchen Schritt nicht unbedingt erwarten lassen würden. Aber irgendwann müssten sich die Notenbanker von der "Null-Linie" lösen, um sich ein Mindestmaß an Bewegungsfreiheit für kommende Krisen zu schaffen. Ansonsten laufe man Gefahr, sich nach dem Vorbild der Bank of Japan (BoJ) selbst zu knebeln.

Sicherlich werde Mario Draghi bei der Pressekonferenz wieder alle Register des Zeitspiels ziehen. Der amtierende EZB-Präsident sei hierin ein Meister seines Fachs und werde betonen, dass man in Zeiten makroökonomischer Unsicherheit keinen genauen Kurs festlegen könne. Es sollte verwundern, wenn in diesem Zusammenhang nicht auf immer noch vorhandene Medizin im Arzneischrank hingewiesen würde, die im Fall der Fälle zum Einsatz käme.

Aber auch zu einem anderen Thema, das an den Finanzmärkten viel Beachtung finde, sei zu Jahresbeginn noch keine neue Information zu erwarten - den langfristigen Geldleihgeschäften mit den Kreditinstituten. Dem Sitzungsprotokoll der Dezember-EZB-Sitzung sei zu entnehmen gewesen, dass die Diskussion hierzu noch nicht richtig begonnen habe. Dennoch sollten schon bald Optionen für neue Target Longer-Term Refinancing Operations (TLTRO) erarbeitet werden, um gegebenenfalls im März bereits ein zweijähriges Geschäft für Juni ankündigen zu können. Denn infolge eines 2020 auslaufenden TLTRO würden ansonsten bei den betroffenen Kreditinstituten wegen aufsichtsrechtlicher Vorschriften zu viele Eigenmittel gebunden.

Das Fazit für 2019 laute somit: Aktuell gebe es bei der EZB noch nichts Neues zu vermelden, aber dies werde sich im Laufe des Jahres ändern!

Der Shutdown könnte die Sicherheit der USA gefährden. Weil man vertrauliche Quellen nicht mehr bezahlen könne, würden die FBI-Agenten nun dringend appellieren, die seit viereinhalb Wochen andauernde Haushaltssperre in den USA zu beenden. Angeblich hätten bereits mehrere Informanten des FBI aus der Terror- und Drogenszene nicht mehr gehalten werden können. Außerdem würden Agenten ohne Bezahlung unter immer schwierigeren Bedingungen arbeiten.

Einer Deutung, wonach damit D.T., der Unberechenbare, die Sicherheit der USA gefährde, würde Präsident Trump sicher nicht zustimmen. Um aber den "Deadlock" zwischen Trump und dem Demokraten zu beenden, solle es nun der Senat richten - allerdings mit keinen allzu großen Chancen auf Erfolg. Am heutigen Donnerstag stünden daher zwei Vorschläge zur Abstimmung. Der eine, vom republikanischen Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, sehe die Finanzierung von Trumps Mauer zu Mexiko vor - der Ursache des Streits - und würde den vorübergehenden Schutz für einige Migranten ausdehnen. Der andere Vorschlag, vom demokratisch kontrollierten Repräsentantenhaus, beinhalte eine Zwischenfinanzierung bis 8. Februar und würde den Druck aus der Sache herausnehmen, ohne die Finanzierung der Grenzmauer zu beinhalten.

Im Grunde würden die beiden Anträge lediglich bisher bekannte Positionen umfassen, weshalb eine Einigung schwer vorstellbar erscheine. Es dürfte wohl kaum einer der beiden Entwürfe die notwendigen 60 von 100 Stimmen im Senat bekommen, wo Trumps Republikaner nur über 53 Stimmen verfügen würden. Entscheidend könnte auf lange Sicht sein, wem in der öffentlichen Stimmung der Schwarze Peter für die anhaltende Haushaltssperre zugeschoben werde.

Aber man habe nicht unendlich viel Zeit. Denn bereits am 1. März nahe das nächste Risiko, wenn die Schuldenobergrenze in Höhe von knapp 21 Billionen Dollar erreicht werde. Bereits Anfang des Jahres habe die Ratingagentur Fitch Washington vor einer Abstufung ihres Tripple-A Kreditwürdigkeits-Ratings gewarnt. Fitch habe das sich deutlich verschlechternde fiskalische Defizit der USA kritisiert. Sollte der Shutdown, der das Land seit Ende 2018 in Atem halte, nicht bald aufgehoben werden, sehe sich die Ratingagentur in der Pflicht, das Rating herabzustufen. Denn mit Blick auf die Unfähigkeit, einen Haushalt zu verabschieden, müsse auch der politische Rahmen überarbeitet werden.

Kein Wunder also, dass der Shutdown die Finanzmärkte nervös mache. Hinzu komme, dass die Haushaltssperre auch die konjunkturelle Entwicklung bremsen werde, wie die US-Notenbank in ihrem Protokoll der Dezember-Sitzung niedergeschrieben habe. In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass viele Konjunkturdaten im Monat Januar noch immer nicht hätten veröffentlicht werden können, da die zuständigen Behörden geschlossen seien. Solche Umstände würden "Blindflug" für Investoren und die US-amerikanische Notenbank bedeuten. Ein "No-Go" an den Finanzmärkten!

Schlage nun bald die Stunde des Parlaments in London? Nachdem Premierministerin Theresa May Anfang der Woche in Westminster keinen wirklichen Plan B vorzulegen vermochte, nehmen Parlamentarier aller Fraktionen die Sache selbst in die Hand, um zumindest eine Verschiebung des Austrittsdatums zu erreichen, so die Analysten der Baader Bank. May habe Anfang der Woche lediglich ihren Plan A aufgewärmt, ergänzt um die Komponente, nochmals mit Brüssel über den umstrittenen "Backstop" nachverhandeln zu wollen. Aber das sei kein Plan, über den abgestimmt werden könne.

Bekanntlich besage der "Backstop", dass Großbritannien in der Zollunion und Nordirland zusätzlich noch im europäischen Binnenmarkt bleiben würden, sollten die Europäische Union und Großbritannien es in der Übergangsphase nicht schaffen, ein gemeinsames Handelsabkommen auf die Beine zu stellen.

May setze immer noch stur alles auf eine Karte: Entweder "My Deal or no Deal" mit allen chaotischen Folgen für Großbritanniens Wirtschaft und Gesellschaft. Trete aber Letzteres ein, so könnte die Premierministerin wenigstens dem Parlament den Schwarzen Peter zuschieben. Während allerdings gemäßigte Tories sowie die Labour Party einen ungeregelten Austritt verhindern möchten, würden die Hardliner der Brexiteers gar den Abschied vom Austritt fürchten.

Inzwischen würden neue Anträge verschiedener Abgeordneter von der fieberhaften Suche nach einem Kompromiss zeugen. Sie würden von einem Verzicht auf ein No-Deal-Szenario reichen, einer Verschiebung des Austrittsdatums bis hin zu der Einsetzung eines zweiten Referendums. Darüber hinaus solle es am 29. Januar verschiedene Probeabstimmungen zum Ausloten eines tragfähigen Kompromisses geben. Denn eins scheine mittlerweile einer Mehrheit im britischen Unterhaus durchaus klar zu sein: Es dürfe keinen harten Brexit geben. Die Frage sei nun, welcher Antrag, sofern er zugelassen werde, sich als mehrheitsfähig erweise.

Man dürfe gespannt sein, wie dann die Kapitalmärkte auf das Geschehen im britischen Unterhaus reagieren würden. Der als Plan B von May aufgewärmte Plan A sei jedenfalls an den Märkten durchgefallen. So habe das Britische Pfund nach Mays Rede prompt auf 1,2877 USD nachgegeben. Parallel dazu würden sich die Renditespreads zehnjähriger britischer Staatsanleihen ausweiten, die aktuell mit ca. 1,322% rentieren würden. Seit Dienstag seien beispielsweise die Spreads gegenüber entsprechenden "Bunds" auf 109,8 BP gestiegen. In der vergangenen Woche hätten die Risikoaufschläge noch bei 108,6 BP und zum Jahresbeginn bei 104,1 BP gelegen. Der Brexit treibe die Spreads also schrittweise nach oben.

In den Niederlanden rege sich Kritik gegen die Pläne der EU-Kommission, das Einstimmigkeitsgebot bei Steuerentscheidungen abzuschaffen. Das wäre in den Augen von Finanzminister Wopke Hoekstra weder weise noch sehr realistisch. Wie die Kommission plane, solle bei Steueränderungen ab 2025 eine qualifizierte Mehrheit ausreichen. Laut Hoekstra werde sein Land dem Vorschlag nicht zustimmen.

Seine Anregung sei durchaus nachvollziehbar, zuerst dafür zu sorgen, dass sich jedes Mitglied an die bestehenden Regeln halte, bevor man neue einführe. Hier dringe er insbesondere auf die strikte Einhaltung des Stabilitätspaktes - nicht, weil dies im Interesse der Niederlande oder von Deutschland, sondern im Interesse aller sei. In diesem Kontext habe Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz das Nachgeben der französischen Regierung gegenüber den so genannten Gelbwesten kritisiert, weil dies dazu führen werde, dass Paris die Maastricht-Kriterien beim Haushaltsdefizit voraussichtlich verletzen werde.

Mit Blick auf Italien habe indessen Hoekstra seine Zweifel an der Beilegung des Haushaltsstreits zwischen Rom und der EU geäußert. Das Einlenken der Brüsseler signalisiere ein größeres Problem für Europa, habe der niederländische Finanzminister mit Blick auf das vorgelegte Haushaltsversprechen aus Rom gesagt. Italien habe bekanntlich zunächst für 2019 ein Defizit von 2,4% geplant, bevor man sich nach langen Verhandlungen mit Brüssel auf 2,04% geeinigt habe. Die Regierung in Rom aus rechter Lega und populistischer Fünf-Sterne-Bewegung wolle damit teure Wahlversprechen wie ein Grundeinkommen und ein niedrigeres Renteneintrittsalter finanzieren. Über diese beiden Punkte werde das Parlament nun bis Mitte März zu entscheiden haben. Gleichzeitig sei bekannt geworden, dass die EU-Kommission die Wachstumsprognose für Italien deutlich von 1,2% auf 0,6% gesenkt habe. Italien sitze bekanntlich auf einem Schuldenberg von 131% des BIPs. Nur Griechenland sei in der EU noch höher verschuldet.

Apropos Griechenland. Dort komme es am heutigen Donnerstag zu einer Zerreißprobe, wenn die Ratifizierung eines Abkommens ins Parlament komme, wonach Mazedonien künftig "Republik Nord-Mazedonien" heißen solle. Trotz heftiger Proteste und ungeachtet des Umstands, dass laut Umfragen die Griechen die Umbenennung überwiegend ablehnen würden, halte Premierminister Alexis Tsipras an der Vereinbarung fest. Diese habe er im vergangenen Frühjahr mühevoll mit dem mazedonischen Ministerpräsidenten Zoran Zaev verhandelt. Seitdem würden Nationalisten auf beiden Seiten den Streit anheizen. Der Lösung existenzieller (Finanz)Probleme diene dies nicht. Denn immerhin habe Athen Schulden in Höhe von nahezu 180% des BIPs und brauche eine handlungsfähige Regierung.

In dieser Berichtswoche hätten sich lediglich zwei namhafte Unternehmen an den Kapitalmarkt gewagt und sich somit frisches Geld besorgt. Zunächst sei der amerikanische Automobilkonzern General Motors aktiv geworden und habe erfolgreich 850 Mio. Euro eingesammelt. Die 5-jährige Anleihe (ISIN XS1939356645 / WKN A2RWVF) mit Laufzeit bis zum 01.04.2024 habe einen jährlichen Zins in Höhe von 2,2%. Der Ausgabepreis habe bei 99,965% gelegen, was einen Spread von +200 BP über Mid Swap bedeutet habe. Das Wertpapier sei neben einer Make Whole Option mit einem weiteren Kündigungsrecht ab dem 01.03.2024 jederzeit zu 100% ausgestattet. General Motors habe für diese Gattung die eher für institutionelle Investoren interessante Mindeststückelung von 100.000 Euro gewählt.

Ebenfalls mit dieser Stückelung habe Engie einen Perpetual Bond begeben. Der französische Stromlieferant habe einen Fix-to-Float Bond (ISIN FR0013398229 / WKN A2RWVH) mit einem Emissionsvolumen von 1 Mrd. Euro aufgelegt. Das Unternehmen zahle für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt bis zum 28.02.2025 einen festen Zins in Höhe von 3,25% p.a. an die Gläubiger. Anschließend richte sich der Zinssatz nach dem 5-Jahres-Swap. Bis zum 28.02.2030 gebe es einen Aufschlag auf den Swap in Höhe von +3,169 PP. Fortan bis zum 28.02.2045 betrage der Aufschlag dann +3,419 PP und ab 2045 würden +4,169 PP aufaddiert. Die Anleihe sei ab dem 28.02.2025 jährlich zu jedem Zinstermin zu 100% kündbar. Der Emissionspreis habe sich auf 98,646% belaufen (+316,9 BP über Mid Swap).

Solange an den einzelnen Baustellen in der Eurozone und auch weltweit keine Fortschritte zu erzielen seien, werde sich das Sorgenbarometer aus seiner Bandbreite zwischen 163, 50% und 165,10% nicht entfernen können. Habe der Euro-Bund-Future zwar am vergangenen Donnerstag infolge der Aktienmarktentwicklung eine erste Unterstützungslinie (bei ca. 164,50%) gerissen, so würden die Bullen versuchen am Rentenmarkt sich wieder oberhalb der psychologischen Marke (165%) festzusetzen, was allerdings nicht so einfach sei. Denn insgesamt stehe und falle das gesamte Handelsgeschehen mit den Entwicklungen auf anderen Bühnen. Ohne echte Fakten würden sich die Marktteilnehmer in Zurückhaltung üben und abwarten, was die nächsten Tage bzw. Wochen bringen würden. Dies sei zwar sicherlich für alle Akteure eine unbefriedigende Situation, aber blinden Handelsaktionismus zu erzeugen, wäre zu Beginn des Jahres garantiert die falsche Entscheidung.

Somit würden alle Akteure abwarten und seien sich der Tatsache bewusst, dass die Zeit noch kommen werde, in der mit dem bewussten Eingehen von Positionen Geld verdient werden könne. Aktuell notiere das Rentenbarometer bei ca. 164,90%, was einer Rendite der 10-jährigen deutschen Benchmark-Anleihe von 0,207% entspreche. Zu etwas mehr Bewegung könnte es am heutigen Tag jedoch nach Kommentaren aus Davos oder im Anschluss bzw. während der heutigen EZB-Pressekonferenz mit Mario Draghi kommen.

Zuerst richten wir den Blick auf die trotz der Haushaltssperre am Geldmarkt aktiven USA, so die Analysten der Baader Bank. Dort seien in dieser feiertagsverkürzten Handelswoche T-Bills mit Laufzeiten von sowohl vier sowie acht Wochen als auch von drei und sechs Monaten in einem Gesamtvolumen von 161 Mrd. USD begeben worden.

In der Eurozone habe die Slowakei mit der Aufstockung von zwei Altemissionen (ISIN SK4120014150 / WKN A191Y5, 2028; ISIN SK4120013400 / WKN A19QRP, 2047) den Reigen eröffnet. Am heutigen Donnerstag werde aber auch Frankreich den interessierten Investoren die Möglichkeit der Investition geben. So würden beispielsweise die Emissionsvolumina mehrerer Bonds (ISIN FR0013219177 / WKN A189GE, 2022; ISIN FR0013344751 / WKN A192L6, 2024; ISIN FR0011427848 / WKN A1HGEZ, 2024; ISIN FR0012517027/ A1ZVTR, 2025; ISIN FR0013238268 / WKN A19DMN, 2028; ISIN FR0013209871 / WKN A18675, 2047) im Gesamtvolumen von ca. 11 Mrd. Euro erhöht.

Bereits vorher hätten allerdings Deutschland und Spanien ihren großen Auftritt gehabt. Für die Bundesrepublik Deutschland seien im Rahmen eines Tenders nominal 4 Mrd. Euro als 5-jährige Bundesobligation Serie 179 (ISIN DE0001141794 / WKN 114179) zum Kauf angeboten worden. Jedoch seien lediglich Kaufgebote für nominal 3,851 Mrd. Euro abgegeben worden. Weshalb auch diese Gattung - wie bereits in der Vorwoche - als technisch unterzeichnet gelte. Jedoch sei die Zuteilung von 3,1994 Mrd. Euro zu einer Durchschnittsrendite von -0,29% erfolgt und 800,6 Mio. Euro seien zur Marktpflege in den Eigenbestand des Bundes umgebucht worden.

Dass jedoch Neuemissionen "gnadenlos" überzeichnet sein könnten, diese Erfahrung habe in dieser Woche Spanien erleben dürfen. Bei der neuen 10-jährigen Staatsanleihe (ISIN ES0000012E51 / WKN A2RWZ7) - mit anvisiertem Volumen von 10 Mrd. Euro - seien insgesamt 46,5 Mrd. Euro nachgefragt worden. Dies habe einen nationalen Rekord bedeutet und sei sicherlich in der Renditejagd der Anleger begründet. Die mit einem Kupon von 1,45% ausgestattete Anleihe, mit Endfälligkeit am 30.04.2029, sei bei einem Kurs von 99,889% (+65 BP über Mid Swap) begeben worden. Dies könne getrost als das Highlight der Woche am Primärmarkt für europäische Staatsanleihen bezeichnet werden, auch wenn Italien am Freitag noch diverse Aufstockungen plane.

Obwohl es in dieser Woche keinerlei neue Erkenntnisse in Sachen Brexit gegeben habe, habe sich das Britische Pfund gegenüber dem Euro nicht nur stabilisieren, sondern sich sogar deutlich von dem bisherigen Jahrestief am 3.1. entfernen können. Damals sei der Euro mit 0,9109 GBP bewertet worden und handle inzwischen wieder nur noch bei ca. 0,8710 GBP. Dies habe das Pfund Sterling auch gegenüber dem Greenback geschafft, sodass inzwischen für ein britisches Pfund wieder ca. 1,3040 USD investiert werden müssten. Zu Jahresbeginn seien es lediglich ca. 1,2436 USD gewesen. Ein Trend, der hinsichtlich der unklaren Situation in Großbritannien nicht unbedingt zu erwarten gewesen sei.

Jedoch mache diese Unsicherheit auch der europäischen Gemeinschaftswährung zu schaffen. So notiere der Euro mit ca. 1,1360 USD wieder deutlich unter seinem bisherigen Jahreshöchstkurs vom 3.1. bei 1,1570 USD. Die weiter anhaltende Schließung einiger Regierungsbehörden in den USA scheine allerdings dem Greenback nicht zu schaden und es kristallisiere sich vorerst eine Tradingrange zwischen 1,12 USD und 1,16 USD heraus.

In solch unsicheren Zeiten seien Privatanleger weiterhin auf der Suche nach Währungen mit Aufwertungspotenzial, um sich vor einem schwächeren Euro zu schützen. Handelsaktivitäten seien hierbei immer wieder in der Krisenwährung US-Dollar zu beobachten. Aber u.a. seien auch Anleihen lautend auf Türkische Lira, Brasilianischer Real, Norwegische Kronen und Südafrikanischer Rand angefragt worden.

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (24.01.2019/alc/a/a)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
125,1945 € 125,2722 € -0,0777 € -0,06% 01.01./01:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 132,00 € 124,26 €
Werte im Artikel
96,95 plus
+0,47%
67,21 plus
+0,10%
96,17 plus
+0,04%
-    plus
0,00%
-    plus
0,00%
-    plus
0,00%
-    plus
0,00%
-    plus
0,00%
-    plus
0,00%
125,19 minus
-0,06%
66,18 minus
-0,12%