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US- und deutsche Staatsanleihen positiv - Staatsanleihen der Euro-Peripherieländer neutral


03.02.23 09:15
Eurizon Asset Management

Luxembourg (www.anleihencheck.de) - Gemäß den Daten vom Dezember war die Inflation sowohl in Europa als auch in den USA weiter rückläufig, so die Experten von Eurizon Asset Management in ihrem aktuellen Investmentausblick "The Globe".

Der allmähliche Abbau der Überbewertungen nach der Corona-Krise und die Auswirkungen der im Jahr 2022 beschlossenen restriktiven Geldpolitik würden allmählich ihre Wirkung zeigen.

In den USA dürfte sich der Inflationsrückgang in den kommenden Monaten fortsetzen. Die Straffung der Geldpolitik wirke sich deflationär auf die Lebenshaltungskosten und insbesondere auf die Mieten aus, die im US-Preisindex ein erhebliches Gewicht hätten.

In diesem Zusammenhang sei auf den deutlichen Abschwung im Immobiliensektor verwiesen. Der Index zur Erfassung neuer Wohnbauflächen sei im Jahr 2022 kontinuierlich gesunken. Die Verkäufe bestehender Wohnimmobilien hätten wieder das Niveau von 2010 erreicht. Auch die Preise für Wohnimmobilien würden beginnen zu fallen, wenngleich nur langsam.

In den kommenden Monaten dürfte ein neuerlicher Einbruch der Hausverkaufspreise auch den Druck von den Mieten nehmen und den Rückgang der Kerninflation (mit Ausnahme von Energie und Nahrungsmitteln) weiter vorantreiben.

Die Rückkehr der wichtigsten Komponenten der Inflation werde von nun an von entscheidender Bedeutung sein, um den Disinflationsprozess zu konsolidieren, da die Wirkung der anderen Komponenten nachlasse.

Nichtsdestotrotz zeige sich, dass die Engpässe, die durch die Wiedereröffnung der Märkte nach der Corona Zeit-entstanden seien, inzwischen weitgehend beseitigt seien. So seien beispielsweise die Preise für den grenzüberschreitenden Verkehr wieder auf das Niveau von 2019 zurückgegangen.

In Anbetracht der nicht mehr weiter sinkenden Preise für Industriemetalle und Rohöl lasse nun jedoch auch die inflationsdämpfende Wirkung der sinkenden Rohstoffpreise nach.

Allerdings hinke der Konjunkturzyklus in der Eurozone hinterher. Hier mache sich der Rückgang des Erdgaspreises erst jetzt bemerkbar. Ende August habe er noch seinen Höchststand erreicht. Der jüngste Rückgang der Gaspreise unter das Niveau von vor dem Ukraine-Krieg werde sich in den kommenden Monaten auf die Inflationszahlen niederschlagen.

In der Eurozone, insbesondere der EZB, werde man nun sehr genau auf Anzeichen für eine Abschwächung der Kerninflation achten. Denn sie werde bislang noch von den Preissteigerungen der letzten Monate nach oben getrieben.

Mit dem Rückgang der Inflation rücke das Ende der Straffung der Geldpolitik immer näher.

Die US-Notenbank werde die Geldpolitik im Februar und März weiter straffen, um den Inflationsrückgang zu stärken. Allerdings dürfte sie die Zinsen nur leicht anheben. Für die Sitzung des Offenmarktausschusses am 1. Februar ist eine Anhebung um 25 BP geplant, die wahrscheinlich im März wiederholt werden werde. Zu diesem Zeitpunkt werde der FED-Funds-Korridor zwischen 4,75% und 5,0% liegen. Die FED dürfte dann ihre Straffungsmaßnahmen beenden, um die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaftstätigkeit beurteilen zu können.

Die EZB, die das Tempo ihrer Zinserhöhung ebenfalls auf 50 BP gedrosselt habe, habe sich über ihre künftigen Absichten bedeckt gehalten. Trotz der Verschwiegenheit der EZB gehe der Geldmarkt davon aus, dass die Zentralbank ihre restriktiven Maßnahmen im Frühjahr beenden werde. Denn zwischen Februar und März habe sie die Zinssätze bereits um insgesamt 75 bis 100 BP angehoben.

Mindestens zwei Gründe sprächen dafür, dass die EZB nicht allzu lange eine von der FED abweichende Haltung einnehmen werde. Erstens gebe es Anzeichen dafür, dass die Inflation auch in den kommenden Monaten weiter zurückgehen werde. Der Einbruch des Erdgaspreises habe diese Entwicklung vorweggenommen. Zweitens habe die Zinserhöhung der EZB den Euro gestärkt und könnte ihn weiter stützen. Ein starker Euro begrenze die importierte Inflation, bremse die Wirtschaftstätigkeit und dämpfe die Exporte.

Im Zuge der Inflationsrückgangs werde sich der Fokus der Anleger verstärkt auf die Widerstandsfähigkeit des Wirtschaftswachstums verlagern.

Die im vergangenen Monat veröffentlichten Wirtschaftsdaten sprächen eher für einen Soft als für einen Hard Landing. Auch der Arbeitsmarkt lasse eine deutliche Erholung erkennen: Die Arbeitslosenquoten seien sowohl in den USA als auch in der Eurozone auf dem niedrigsten Stand.

Es seien gerade die Daten zum Arbeitsmarkt, die zur Beurteilung des Ausmaßes der Konjunkturabschwächung besonders aufmerksam verfolgt werden sollten.

Die US-Daten hätten hier wie üblich eine Signalfunktion. Der Aufschwung nach dem Ende der Corona-Krise habe den US-Arbeitsmarkt eindeutig überhitzt. So hätten die Unternehmen weit mehr Arbeitskräfte benötigt, als zur Verfügung stünden.

Die von der FED durch die Straffung der Geldpolitik erzwungene Konjunkturabschwächung ziele in erster Linie darauf ab, diesen Überschuss zu korrigieren. Deutlich werde dies durch den geringeren Bedarf der Unternehmen an Arbeitskräften. Die Hypothese eines Soft Landings gehe von einer kontrollierten Arbeitsmarktanpassung aus. Eine plötzlich rückläufige Beschäftigungsentwicklung wäre hingegen ein Anzeichen für einen Hard Landing.

Dies sei die wichtigste Entwicklung, die es in den kommenden Monaten zu beobachten gelte. (Ausgabe vom 30.01.2023) (03.02.2023/alc/a/a)