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US-Zinsspekulationen sorgen für Bewegung, EZB steht bereit


15.07.19 09:15
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Zinspolitik der US-amerikanischen Notenbank FED stand in der Berichtswoche einmal mehr im Blickpunkt der Anleger, so die Experten von Union Investment.

Die bislang klaren Zinssenkungserwartungen der Anleger hätten einen Dämpfer erhalten. Dabei sei das Thema Leitzinssenkung schon am vergangenen Freitagnachmittag ins Blickfeld der Marktteilnehmer gerückt. Denn der zu diesem Zeitpunkt veröffentlichte US-Arbeitsmarktbericht habe unerwartet positiv überrascht. Bei den neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft (non farm payrolls) habe der Zuwachs bei 224.000 Stellen gelegen. Geschätzt gewesen seien im Konsens lediglich 160.000 neue Jobs. Sofort seien unter den Marktteilnehmern erhebliche Zweifel aufgekommen, ob die FED angesichts des starken US-Arbeitsmarktes sich wirklich Ende Juli zu einer Leitzinssenkung werde durchringen können. Der zuvor als sicher geltende nach unten gerichtete Zinsschritt sei an den Märkten teils wieder ausgepreist worden.

An den Staatsanleihemärkten habe der Aufwärtstrend gedreht, die Notierungen seien unter Druck geraten. Zumal sich in den vergangenen Wochen angesichts der erheblich angestiegenen Anleihenotierungen erhebliches Korrekturpotenzial aufgebaut habe. Teils seien dabei einige Übertreibungen zu beobachten gewesen: So sei beispielsweise die Rendite zehnjähriger griechischer Staatsanleihen knapp unter die Zwei-Prozentmarke gefallen, diese hätten sich damit zeitweise geringer als laufzeitgleiche US-Staatsanleihen verzinst.

Zur Wochenmitte sei dann Entwarnung von der US-Notenbank gekommen. Der FED-Vorsitzende Jerome Powell habe sich in einer Anhörung vor dem US-Kongress zur aktuellen Geld- und Zinspolitik geäußert. Powell habe sich alle Handlungsmöglichkeiten offen gehalten. Mit dem Hinweis auf ein angemessenes Handeln der FED und auf die Zunahme der wirtschaftlichen Unsicherheiten in den vergangenen Monaten sei die Tür für eine Zinssenkung auf der kommenden Sitzung Ende Juli weit aufgestoßen worden. Powell zufolge habe der Arbeitsmarktbericht nicht zu einer Änderung seiner Einschätzung geführt.

Eigentlich würden die aktuellen US-Daten zwar nicht zwingend eine baldige Leitzinssenkung rechtfertigen, die FED scheine aber mit Blick auf die schwachen Wirtschaftsdaten aus dem Euroraum frühzeitig die Weichen stellen zu wollen. Zumal der unerwartet starke Arbeitsmarktbericht für Juni Powells Aussagen zufolge wenig Einfluss auf die Absicht der US-Währungshüter zu nehmen vermöge.

Das in der Berichtswoche veröffentliche Protokoll der Europäischen Zentralbank (EZB) aus der Sitzung Anfang Juni zeige auf, dass die EZB eine Zunahme der Risiken für die Konjunktur wahrnehme. Auch würden die geringen Inflationserwartungen den Währungshütern Kopfzerbrechen bereiten. Die Bereitschaft für eine geldpolitische Lockerung werde klar signalisiert, fraglich würden noch die Maßnahmen bleiben. Eine Festlegung sei per Anfang Juni allerdings noch nicht erfolgt.

Trotz der Nachrichten aus den Notenbanken habe an den Staatsanleihemärkten kein Umschwung eingesetzt. Die Renditen seien in der Berichtswoche, vor allem in der Peripherie, per saldo um bis zu 20 Basispunkte angestiegen. Betroffen gewesen seien vor allem lange Laufzeiten, die Zinskurven hätten etwas steiler tendiert. Der italienische Markt habe hingegen seitwärts tendiert, auch die Aufstockung einer 50-jährigen Anleihe im Umfang von drei Milliarden Euro habe die Notierungen italienischer Staatsanleihen nicht unter Druck gebracht. Angesicht steigender Bundrenditen habe sich der Spread zwischen Deutschland und Italien im Zehnjahresbereich auf 194 Basispunkte eingeengt. Zum Vergleich: Ende Mai habe dieser noch bei 287 Basispunkten gelegen.

US-Staatsanleihen (zehn Jahre Laufzeit) hätten im Wochenvergleich zehn Basispunkte höher rentiert. Die Risikoprämien bei Unternehmens- und Schwellenländeranleihen (EM) hätten sich nur gering verändert gezeigt. EM-Titel hätten die achte Woche infolge Mittelzuflüsse verbucht, diese Woche seien es 1,4 Milliarden US-Dollar gewesen. Darüber hinaus seien zahlreiche Neuemissionen platziert worden. Am Unternehmensanleihemarkt sei neuemissionsseitig vor der anlaufenden Berichtssaison zunehmend Ruhe eingekehrt. (Ausgabe vom 12.07.2019) (15.07.2019/alc/a/a)