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Der US-Zinserhöhungszyklus könnte vor dem Ende stehen


24.03.23 11:45
RBC BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - In den Vereinigten Staaten könnten die Zinsen ihren Höchststand früher erreichen als erwartet, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay, RBC BlueBay Asset Management.

Probleme im Finanzsektor hätten auch in der vergangenen Woche die Schlagzeilen beherrscht. In den USA würden jüngste Entwicklungen auf strengere Standards bei der Kreditvergabe der Banken hindeuten. Das habe eine Verschärfung der finanziellen Bedingungen zur Folge. Die Auswirkungen seien schwierig abzuschätzen. Der Vorsitzende der US-Notenbank Jerome Powell habe jedoch eingeräumt, dass sie denen einer Zinserhöhung von 25 oder 50 Basispunkten gleichkommen könnten. Daher sollte ein niedrigerer Höchststand der Fed Funds eingepreist werden.

Vor diesem Hintergrund sei die Entscheidung der FED, die US-Leitzinsen um 25 Basispunkte zu erhöhen, als dovish angesehen worden - in der Hoffnung, dass der Zinszyklus nun kurz vor seinem Höhepunkt stehe. Letztlich werde viel von den Wachstums- und Inflationsdaten der kommenden Monate abhängen. Eine weitere Anhebung um 25 Basispunkte Anfang Mai könnte aber die letzte Anhebung in diesem Zyklus darstellen.

Die Experten würde nicht überraschen, wenn die im kommenden Monat eingehenden Wirtschaftsdaten etwas schwächer ausfallen würden. Der Grund: Das milde Wetter im Januar und Februar sei einem rauen März gewichen. Die Experten würden jedoch vermuten, dass die Kerninflation noch einige Zeit erhöht bleibe. Außerdem werde es eine Weile dauern, bis sich die Abschwächung der Wirtschaft stärker auf den Arbeitsmarkt auswirke.

Die Experten würden daher bezweifeln, dass es vor Ende dieses Jahres zu Zinssenkungen kommen werde. Die Markterwartungen, die eine schnellere Umstellung auf eine akkommodierende Geldpolitik beinhalten würden, seien ihrer Meinung nach falsch.

In Europa habe das Hauptaugenmerk in dieser Woche auf dem Zusammenbruch der Credit Suisse gelegen. Obwohl sich die Spreads im Laufe der Woche weiter vergrößert hätten, scheinen sich die Aussichten für die Banken in Europa wieder deutlich zu beruhigen.

Hinsichtlich der Perspektiven für die europäischen Banken sei das operative Umfeld so gut wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Höhere Zinssätze hätten zu einer Verbesserung der Nettozinsmargen im gesamten Sektor geführt.

Auch wenn Silicon Valley Bank und Credit Suisse an Bear Stearns und Lehman Brothers erinnern würden: Die Experten seien der Meinung, dass die Situation heute ganz anders sei als 2008. Zur Zeit der Finanzkrise hätten die Banken wachsende Verluste bei US-Hypotheken verzeichnet und die Kreditqualität habe sich in alarmierendem Tempo verschlechtert. Der hohe Verschuldungsgrad und die schwache Regulierung hätten diese Probleme noch verschärft.

Heute seien die Bilanzen in einem wesentlich besseren Zustand. Die Experten würden daher nicht davon ausgehen, dass ein systemisches Risiko bestehe. Die Wahrscheinlichkeit einer kurzfristigen Rezession sei vermutlich sehr gering.

Im weiteren Jahresverlauf sei ein langsameres Wachstum wahrscheinlich. Momentan aber würden die Volkswirtschaften ihren Schwung beibehalten. In der Eurozone würden Wachstum und Inflation wesentlich stärker ausfallen als noch vor einigen Monaten erwartet. Die Experten seien deshalb weiterhin der Meinung, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen bis zu ihrem Höchststand noch einige Male anheben müsse. Die Straffung der Geldpolitik werde in der Eurozone nun schneller vonstattengehen als in den USA. Vor diesem Hintergrund würden sie eher zu der Ansicht tendieren, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar weiter aufwerten könnte. (24.03.2023/alc/a/a)