Erweiterte Funktionen

US-Verbraucherpreisindex: Wie belastbar sind die Daten?


27.10.25 11:05
Janus Henderson Investors

London (www.anleihencheck.de) - Wie eine Oase, die den Durst eines erschöpften Wüstenreisenden stillt, boten die heutigen Daten des Verbraucherpreisindex (VPI) den Anlegern eine erste Information aus der kargen Wüste der Regierungsdaten, die seit Beginn des Shutdowns am 1. Oktober herrscht, so John Kerschner, Global Head of Securitized Products & Portfolio Manager bei Janus Henderson Investors.

Die Anleger seien nicht enttäuscht worden. Die Inflation sei geringer ausgefallen als erwartet. Dies habe zu einer verhaltenen Erholung des Anleihemarktes geführt und sorge dafür, dass die Fed bei der Sitzung des Offenmarktausschusses in der nächsten Woche die Zinsen senken werde.

Auch wenn die Anleger angesichts der Daten eine stärkere Erholung erwartet haben mögen, herrsche in einigen Kreisen die Sorge, dass diese Zahlen aufgrund des Shutdowns weniger belastbar seien als normalerweise. Angesichts der wenigen verfügbaren Regierungsdaten konzentrierten sich die Marktteilnehmer derzeit ausschließlich auf die Äußerungen der Fed-Gouverneure, die bislang überwiegend zurückhaltend seien. Auch wenn sich dies 2026 ändern könnte, gehe der Markt derzeit davon aus, dass es im Dezember mit 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit zu einer weiteren Zinssenkung und einer weiteren Anleiherallye kommen werde – trotz des immer noch schwierigen Inflationsumfelds.

Die aktuellen Daten des Gesamt-VPI seien mit 0,31% im Monatsvergleich und 3,0% im Jahresvergleich veröffentlicht worden. Der Kern-CPI (ohne Energie und Lebensmittel) sei um 0,23% im Monatsvergleich gestiegen und liege ebenfalls bei 3,0% im Jahresvergleich. Damit liege der Kern-VPI seit 55 Monaten über dem Fed-Inflationsziel von 2%, das die Zentralbank zumindest mittelfristig offenbar aufgegeben habe. Die aktuellen Zahlen stützten die Aussage der Fed, dass sich die Inflation zumindest größtenteils in die richtige Richtung bewege.

Aus diesen Zahlen ließen sich zwei Schlussfolgerungen ziehen: eine positive und eine weniger positive für die Fed. Positiv sei, dass die OER-Zahl (Owner's Equivalent Rent) zum ersten Mal seit Dezember 2021 einen Wert von 3% im Jahresvergleich (3,8%) erreicht habe. Dies zeige, dass sich der Immobilienmarkt in den meisten Teilen des Landes weiter abkühle, was zur Senkung der Inflation beitrage. Unglücklicherweise für die Fed dürften niedrigere Zinsen nun dazu führen, dass die 30-jährige Hypothekenzinsen unter die psychologisch wichtige 6-Prozent-Marke fallen, was dem Immobilienmarkt neuen Schwung verleihen könnte. Negativ zu vermerken sei, dass die Inflation bei Dienstleistungen ohne Immobilien mit 3,2% im Jahresvergleich weiterhin hoch sei. Noch besorgniserregender sei jedoch die annualisierte 3-Monats-Rate von 4,7%. Auch wenn diese Zahl Schwankungen unterliegen könne, zeige sie doch, dass die Verbraucher weiterhin für Dienstleistungen Geld ausgeben, die von den Auswirkungen der Zölle kaum betroffen seien.

Derzeit schienen die Märkte der Fed grünes Licht für Zinssenkungen bis Ende 2025 zu geben. Danach würden sie sich auf zwei Dinge konzentrieren: 1. Wer werde Powells Nachfolger und wie dovish werde dieser sein? 2. Wie entwickle sich die Wirtschaft, wenn die Marktteilnehmer wieder aussagekräftige Daten sehen und analysieren könnten? Bis dahin müssten sich die Anleger hauptsächlich mit den Äußerungen der Fed statt mit harten Daten befassen. (Ausgabe vom 24.10.2025) (27.10.2025/alc/a/a)