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US-Treasury könnte in absehbarer Zeit eine Flut an Anleihen auf den Markt werfen


06.08.19 13:35
LYNX Broker

Berlin (www.anleihencheck.de) - Vergangenen Freitag hat Präsident Donald Trump seine Unterschrift unter eine Verordnung gesetzt, die den Schuldendeckel für zwei Jahre deutlich anhebt, so die Experten von LYNX Broker.

Nun könne man davon ausgehen, dass die US-Treasury in absehbarer Zeit eine Flut an Anleihen auf den Markt werfen werde, um so die stetig steigenden Staatsschulden zu finanzieren. Experten würden schätzen, dass diese in diesem Jahr auf eine Billion US-Dollar steigen könnten - und das dürfte noch nicht das Ende der Fahnenstange sein, denn Uncle Sam werde wohl auch in Zukunft mehr ausgeben als er einnehme. Stelle sich nur die Frage, wer all diese Staatsanleihen kaufen solle.

"Um den Kurs der eigenen Staatsanleihen durch die Ausgabe von immer neuen Papieren nicht zu gefährden, muss es auch genügend Käufer geben. Und das Ausland, bisher zuverlässiger Abnehmer, zeigt immer weniger Interesse", erkläre Sascha Sadowski, Marktexperte vom Online-Broker LYNX. "Glücklicherweise füllen US-Pensions- und Versicherungs-Fonds aktuell diese Lücke. Sie sehen US-Staatsanleihen immer noch als sicheren Hafen. Und dann ist da natürlich auch noch die FED, die durch ihr Quantitative-Easing-Programm Billionen in Staatsanleihen aufgekauft hat."

Den Experten erinnere die Situation an Japans sogenannte "Verlorene Dekade", als nach dem Platzen der Asset-Blase die Wirtschaft für lange Zeit stagniert habe und ausländische Investoren einen Bogen um Japan gemacht hätten. Auch damals hätten einheimische Investoren die Lücke gefüllt und japanische Staatsanleihen gekauft. Trotzdem sei die Wirtschaft weitgehend stabil geblieben und auch der Yen sei weiter eine beliebte Reserve-Währung. Doch Sadowski sehe auch einige Unterschiede zwischen der damaligen und der heutigen Situation. So sei allein das Verhältnis von Schulden zum Bruttoinlandsprodukt in Japan mehr als doppelt so hoch wie in den USA. Außerdem würden die USA über weit mehr ausländische Investoren als Japan verfügen. Daneben würden US-Staatsanleihen immer noch als sicherer Hafen gelten, auch wenn die Käuferschaft zunehmend aus dem eigenen Land komme.

Insbesondere Letzteres dürfte den USA auch nicht ungelegen kommen. "Im Handelskrieg besitzt China noch eine Möglichkeit, die den USA überhaupt nicht schmecken dürfte, denn Peking verfügt über rund eine Billion US-Dollar in Staatsanleihen und Japan hält ebenso viel. Allein im ersten Quartal haben beide Länder zusammen bereits rund Anleihen im Wert von 18 Milliarden US-Dollar abgestoßen. Sollte Peking ernst machen und all seine US-Staatsanleihen in einem Schwung auf den Markt werfen, würde das den Wert der Papiere massiv senken und die Neuaufnahme von Schulden deutlich verteuern", warne Sadowski.

Das wiederum würde auch US-Pensions- und Versicherungsfonds hart treffen, denn sie hätten Staatsanleihen als Anlage mit niedrigem Risiko in ihre Portfolios aufgenommen. "Aktuell ist das Interesse an Staatsanleihen bei diesen sicherheitsbewussten Institutionen ungebrochen. Andere institutionelle Investoren haben sich jedoch bereits zurückgezogen. Der Pimco Total Return Fonds hat beispielsweise bereits 2011 seine US-Schuldenpapiere abgestoßen", so der Experte. "Trotzdem muss man sagen: In Ermangelung an Alternativen sind und bleiben US-Staatsanleihen in absehbarer Zeit eine halbwegs sichere Angelegenheit - und dank Donald Trumps neuem Schuldendeckel werden in den kommenden zwei Jahren auch einige neu ausgegeben werden."
(06.08.2019/alc/a/a)