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US-Treasury Renditen stiegen an, Bund Renditen folgten


19.02.24 09:34
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Nach der Aufregung um das Erscheinen der US-amerikanischen VPI-Zahlen sollte diese Woche etwas Entspannung bringen - es stehen verschiedene Stimmungsindikatoren aus der Eurozone und den USA zur Veröffentlichung an, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Den Auftakt markiere die Schnellschätzung zum Februar-Konsumentenvertrauen der Eurozone. Besagter Indikator habe zuletzt bei -16,1 Punkten notiert, was zwar eine Verbesserung im Vergleich zum Tiefpunkt von -28,8 Punkten im September 2022 darstelle, aber dennoch auf ein negatives konsumentenseitiges Stimmungsbild hinweise. Basierend auf bereits verfügbaren nationalen Umfragen würden die Analysten eine Verschlechterung auf -17 Punkte prognostizieren. In weiterer Folge würden die Februar-PMIs für die Eurozone und die USA den potenziellen Höhepunkt dieser Woche darstellen. Sowohl die Komponente für das Verarbeitende Gewerbe (46,6 Punkte), als auch dessen Pendant für den Dienstleistungssektor (48,4 Punkte) hätten in der Eurozone zuletzt unter der 50 Punkte-Marke notiert, was auf eine abnehmende Wirtschaftsaktivität hinweise.

Die Analysten würden für das Verarbeitende Gewerbe eine Verbesserung auf 47,3 Punkte erwarten, während der Dienstleistungsindex ihren Prognosen zufolge weniger Spielraum nach oben haben sollte - die Analysten würden einen Anstieg auf 48,6 Punkte prognostizieren. Die beiden PMI-Indices sollten also auch im Februar noch klar unter 50 Punkten zu liegen kommen. In den USA habe sich zuletzt indessen ein anderes Bild ergeben, sowohl das Verarbeitende Gewerbe (50,7 Punkte) als auch die Dienstleistungen (52,5 Punkte) hätten auf ein positiveres Stimmungsbild hingewiesen.

Zu guter Letzt stehe mit dem deutschen ifo-Index für Februar auch ein nationaler Stimmungsindikator aus dem Euroraum auf der Agenda. Hier würden die Analysten betreffend der Komponente für die gegenwärtige Lage eine leichte Verschlechterung von 87 auf 86,7 Punkte erwarten, während die Zukunftserwartungen sich marginal von 83,5 auf 83,7 Punkte aufhellen dürften. Für den Geschäftsklimaindex würde dies in Summe keine Veränderung zum Vormonatswert von 85,2 Punkten implizieren.

Volatile Zinsmärkte sind nichts Neues und begleiten uns schon seit etwa zwei Jahren, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI). Die vergangene Woche sei keine Ausnahme gewesen. Wieder einmal seien es Überraschungen bei US-Makrodaten gewesen, die den Ton an den Märkten vorgegeben hätten. Die Veröffentlichung der US-Verbraucherpreisinflation für Januar habe eine stärkere Inflationsdynamik als erwartet signalisiert. Die Gesamtinflation sei auf 3,1% p.a. (zuvor 3,4%) gefallen, und die Kerninflation habe bei 3,9% p.a. stagniert. Innerhalb der Kerninflation habe sich die unterschiedliche Dynamik zwischen Kerngüter- und Kerndienstleistungsinflation fortgesetzt. Die Preise für Kerngüter seien erneut zurückgegangen - diesmal um 0,3% p.m. - während die Preise für Kerndienstleistungen stärker gestiegen seien als in den Vormonaten.

Der Anstieg der Kerndienstleistungspreise um 0,7% p.m. sei weitgehend auf Mieten zurückzuführen gewesen, aber auch andere Preissegmente hätten einen stärkeren Preisdruck gezeigt. Die Veröffentlichung der Inflationsdaten sei ein herber Rückschlag für die auf Disinflation basierende optimistische Markteinschätzung gewesen. Infolgedessen seien US-Treasury Renditen angestiegen, Bund Renditen seien gefolgt, wenn auch in geringerem Maße, und der US-Dollar habe aufgewertet.

Die Markterwartung gegenüber der FED habe sich nach hinten verschoben, sodass nun dem Juni für eine erste Zinssenkung am meisten Wahrscheinlichkeit zugemessen werde, was auch der Prognose der Analysten entspreche. Ausgehend vom aktuellen Niveau würden die Analysten erwarten, dass der Renditeanstieg seit Jahresbeginn nun an Kraft verlieren sollte. Diese Woche würden die Protokolle zu den ersten EZB- und FED-Zinssitzungen des Jahres veröffentlicht. Wenig überraschend werde vor allem die Einschätzung zur Inflation im Fokus stehen.

Die Inflation sei auch ein heißes Thema in der Schweiz gewesen. Die Veröffentlichung der Schweizer Inflationsdaten für den Januar habe Zinssenkungsspekulationen für die Schweiz im März angeheizt. Mit einer Teuerung von 1,3% liege der Wert zum achten Monat in Folge innerhalb des Zielbandes der SNB und das deutlich. Die Markterwartungen seien leicht zu Gunsten einer Zinssenkung im kommenden Monat und dass die SNB Zinsschritte unabhängig von FED und EZB mache, habe sie schon bewiesen. Dafür würde auch sprechen, dass die Schweizer Notenbank vierteljährlich tage und dementsprechend danach erst wieder im Juni über einen Zinsschritt entscheiden könne.

Die Analysten würden jedenfalls ihre Zinsprognosen für die Schweiz unter Revision stellen, da auch gegeben der Erwartungen an FED und EZB für die SNB ein früherer Start als zuvor angenommen wahrscheinlich sei. Dem EUR/CHF-Wechselkurs hätten diese Spekulationen geholfen, kurzfristig wieder Notierungen über die 0,95 zu testen. Mit sinkender Inflation würden die Analysten auch wieder eine vorsichtige Abwertung des Schweizer Frankens erwarten, die Fremdwährungsreserven würden jedenfalls darauf hindeuten, dass die SNB einen etwas schwächeren Schweizer Franken anstrebe. Mit einer Zinssenkung im März müsste auch weniger an den Devisenmärkten getan werden. (Ausgabe vom 16.02.2024) (19.02.2024/alc/a/a)