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US-Treasuries nahe 4% - Griechenland rentiert günstiger als Frankreich


27.11.25 09:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Aussichten auf den deutschen Arbeitsmarkt haben sich im November leicht aufgehellt, so die Analysten der NORD/LB in ihrer aktuellen Ausgabe von "NORD/LB am Morgen".

Das vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) berechnete Barometer steige auf 100,4 Punkte (+0,1 Zähler). Ende der Woche wissen wir definitiv mehr, so die Analysten der NORD/LB. Dann präsentiere die Bundesagentur für Arbeit die Bilanz für den November. Im Oktober habe die Arbeitslosenzahl in Deutschland 2,911 Mio. Menschen betragen.

Konträr zum IAB-Arbeitsbarometer bleibe der ifo-Beschäftigungsindikator rückläufig. 92,5 Punkte, einen noch niedrigeren Wert habe es zuletzt vor mehr als fünf Jahren gegeben. Deutsche Unternehmen würden sich in Anbetracht der weiterhin schwachen Konjunktur in der Personalplanung weiter eher restriktiv verhalten.

Im neuen Finanzstabilitätsbericht der Europäischen Zentralbank (EZB) fordere die EZB Finanzinstitute mit einem bedeutenden USD-Geschäft dazu auf höhere Liquiditäts- und Kapitalpuffer zu bilden. Wörtlich heiße es: "Es könnten Kapitalpuffer erforderlich sein, um höhere Währungsschwankungen und Kreditrisiken der Gegenpartei abzufedern … Banken sollten liquide Dollar-Anlagen halten, um Abflüsse auszugleichen und als stabilisierender Vermittler zu agieren." Die EZB warne schont seit dem Frühjahr vor Stressphasen an den Devisenmärkten. Spätestens seit dem Liberation Day habe sich das Vertrauen in die Weltleitwährung US-Dollar und die Unabhängigkeit der Fed aufgrund der Zollpolitik Trumps spürbar verschlechtert.

Unter den Marktteilnehmern habe sich die Meinung einer bevorstehenden Zinssenkung der Fed manifestiert. Das helfe Aktien sowie Rentenpapieren zugleich. In diesem Umfeld würden 10-jährige US-Treasuries mit der 4%-Marke flirten und in Europa bleibe der Rentenmarkt dort, wo er sei. Das Risiko für Italien und Frankreich sähen Bond-Investoren trotz Ratingunterschied schon seit längerem identisch. Sowohl 10-jährige OATs (Frankreich) als auch BTPs (Italien) würden bei 3,39% rentieren. Wer hätte zum Hochpunkt der Staatsschuldenkrise erwartet, dass sich Athen rund ein Jahrzehnt später günstiger als Paris und Rom (re)finanzieren könne? Für griechische Staatsanleihen im Laufzeitenband von zehn Jahren würden Investoren derzeit nur 3,27% p.a. verlangen.

Und wie gehe es in Europa im Zinssenkungszyklus weiter? Fahre die EZB weiter auf Sicht? Gestern habe EZB-Chefvolkswirt Philip Lane gesagt, dass man "für eine nachhaltige Inflation von zwei Prozent eine stärkere Verlangsamung der Nicht-Energie-Inflation sehen muss". Also zukünftig alle Augen auf die Entwicklung der "Nicht-Energie-Inflation"! (27.11.2025/alc/a/a)