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US-Treasuries: FED-Verkäufe sollten Renditen nicht stark steigen lassen


20.08.15 12:46
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Besitzer von Staatsanleihen, insbesondere jene mit vielen US-Treasuries im Depot, machen sich weltweit Sorgen, was wohl passieren wird, wenn die FED ihre in den letzten Jahren angehäuften Bestände an US-Treasuries abstoßen oder zumindest verringern sollte, so die Experten von "FONDS professionell".

Laut einem Bloombergbericht gebe es diesbezüglich eine gute Nachricht: Sie sollten nach dem Ende des 2,46 Billionen Dollar schweren Treasury-Programms der Federal Reserve kaum etwas davon bemerken.

Im nächsten Jahr würden von der FED gehaltene Treasuries im Volumen von 216 Milliarden Dollar fällig. Doch selbst wenn die FED sie nicht durch neue Bonds ersetze, werde dies die Renditen kaum beeinflussen, habe J.P. Morgan Chase & Co. errechnet. Dafür habe die Bank die Bewegungen während des FED-Bondkauf-Programms analysiert. "Es würde sich nicht auswirken, und das ist neu", sage Lou Crandall, Chef-Volkswirt der Analysefirma Wrightson ICAP, die auf FED-Politik und Treasury-Finanzierung spezialisiert sei. Es entstünden keine Folgekosten.

Das wäre die jüngste Überraschung in einem Markt, der die besten und schlauesten Köpfe der Wall Street weiter verblüffe. Immer wieder hätten sie ein Ende des Bullenmarktes bei den Bonds vorhergesagt - und hätten damit stets daneben gelegen.

Nicht nur für Investoren sei die Höhe der Renditen wichtig, sie sei auch entscheidend für die US-Regierung und die Finanzierung der Staatsverschuldung, die sich seit der Kreditkrise auf 18 Billionen Dollar mehr als verdoppelt habe. Die Auswirkungen seien jedoch bei Regierungen, Unternehmen und Verbrauchern weltweit zu spüren, da Treasuries als Benchmark für Billionen Dollar an Verbindlichkeiten rund um den Erdball dienen würden.

Die FED habe ihr - auch unter der Bezeichnung quantitative Lockerung (QE) bekanntes - Bondkauf-Programm im Oktober 2014 beendet. Das Volumen der Bestände sei jedoch aufrechterhalten worden, indem die Mittel fälliger Papiere reinvestiert worden seien. In den vergangenen fünf Jahren seien von der Zentralbank allein in Treasuries so fast 200 Milliarden Dollar reinvestiert worden.

Volkswirte würden damit rechnen, dass die FED die Leitzinsen vor dem Jahresende anhebe und die Mittel einiger im ersten Halbjahr 2016 fällig werdender Papiere nicht im Bondmarkt reinvestiere. Neben den Treasuries habe die Notenbank auch 1,73 Billionen Dollar an mit Hypotheken unterlegten Wertpapieren aufgekauft und halte mittlerweile Bonds im Volumen von 4,2 Billionen Dollar.

Durch den Rückzug der FED falle eine der wichtigsten Quellen für die Treasury-Nachfrage weg, durch die die Kreditkosten gedrückt worden seien, was auch die US-Erholung unterstützt habe. Seit die FED 2008 die Leitzinsen auf Rekordniveau gesenkt und QE gestartet habe, seien die Renditen der zehnjährigen Papiere von 4 Prozent auf derzeit 2,15 Prozent gefallen. "Ich kann mir nicht vorstellen, wie es nicht die Renditen in die Höhe treiben soll, wenn sich die FED aus dem Markt zurückzieht", sage Thomas Simons, Volkswirt für Staatspapiere bei Jefferies Group, einem der 22 Primärhändler, die direkt mit der FED Geschäfte machen würden.

Die Analyse von J.P. Morgan deute jedoch darauf hin, dass der Anstieg nicht signifikant ausfallen werde. Sollte die FED die 2016 fälligen Treasuries nicht ersetzen, hätte dies demnach einen Anstieg der Zehnjährigen-Rendite um etwa 0,05 Prozentpunkte zur Folge. Die Berechnungen der Bank, die bei Institutional Investor Rang eins für ihre Festverzinslichen-Analyse eingenommen habe, basiere auf der Reaktion der Treasury-Renditen, als die FED Bonds gekauft habe. Pro eine Billion Dollar QE sei die Rendite dabei um etwa 0,2 Prozentpunkte gestiegen.

Auf dieser Berechnungsgrundlage würden die Zehnjährigen-Renditen bis zum Ende des Jahrzehnts um weniger als 0,3 Prozentpunkte steigen. In diesem Zeitraum würden Bonds im Volumen von 1,3 Bill. Dollar fällig. Das US-Finanzministerium wolle jedoch laut Bloomberg lieber keine Risiken eingehen. Es prüfe Schritte, mit denen mögliche Verwerfungen am Markt abgefedert werden könnten. "Sie werden keinen kalten Entzug machen", sage George Goncalves, Leiter Zinsstrategie bei Nomura Holdings. "Ich rechne damit, dass sie die Reinvestments nach und nach aufgeben werden." (20.08.2015/alc/a/a)