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US-Staatsanleihen profitieren vom billigen Geld in Europa


10.05.16 08:45
BMO Global Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Die Zukunft für US-amerikanische Anleihen sieht gut aus. Nach einem holprigen Jahresstart dürfte es nunmehr bergauf gehen. Das prognostiziert Janelle Woodward, President und Portfoliomanagerin bei Taplin, Canida & Habacht (TCH), der auf institutionelle Investoren ausgerichteten Fixed-Income-Boutique unter dem Dach von BMO Global Asset Management.

Im vergangenen Quartal hätten US-Staatsanleihen eine Gesamtrendite von 3,20 Prozent erzielt. Betrachte man nur langfristige Staatsanleihen lag die Rendite sogar bei 8,15 Prozent - vor inflationsgeschützten (4,46 Prozent) und mittelfristigen Staatsanleihen (2,35 Prozent). "Die Ergebnisse zeigen, wie schnell sich Märkte nach einer instabilen Zeit erholen können", so die Portfoliomanagerin. Nach einer Verschlechterung des Marktklimas in der zweiten Jahreshälfte 2015 und zu Beginn 2016 habe sich die Stimmung schnell gewandelt, hin zu optimistischeren Marktgegebenheiten und einer Risikobewertung, die sich stärker an den Fundamentaldaten orientiert habe.

Die verbesserte Marktprognose sei aber nicht nur dem akkommodierenden Kurs der US-Notenbank FED zu verdanken. Der US-amerikanische Anleihenmarkt profitiere auch von der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). "Wir erwarten, dass sich dadurch die US-Zinssätze weiter seitwärts entwickeln und Anleihen mit hoher Qualität gestärkt werden", so Woodward. Denn: Die EZB habe nicht nur den Einlagezins von -0,3 Prozent auf -0,4 Prozent gesenkt und ihr Quantitative-Easing-Programm von 60 auf 80 Mrd. Euro pro Monat ausgeweitet. Gleichzeitig habe die Notenbank auch begonnen, Unternehmensanleihen zu kaufen.

"Die EZB hat mit ihrer Politik des billigen Geldes dazu beigetragen, dass der Markt für Anleihen weit über die Grenzen der Eurozone hinaus neu definiert wurde", erkläre Woodward. "Der Rendite-Substitutionseffekt wurde dadurch deutlich verstärkt." Dieser Effekt entstehe, wenn Anleger aufgrund eines Preisgefälles zwischen verschiedenen Regionen andere Titel kaufen würden als ursprünglich geplant. Da weltweit durchgängig niedrige Renditen erzielt würden, würden sich viele Anleger für eine Investition in US-Anleihen anstelle von Titeln ihres eigenen Landes entscheiden. Der Grund: Trotz eines generell höheren Risikos bei Auslandsinvestitionen - US-Anleihen seien insbesondere im Hinblick auf Liquidität und Transparenz eine sichere Bank für Anleger.

"Für uns ist die Entwicklung der Emissionen an US-Schuldverschreibungen besonders spannend", so Woodward. Schließlich sei das hohe Angebot dieser Titel Schuld an sinkenden Preisen und eine Hürde für zukünftige Spread-Einengungen. Doch durch die zunehmenden Ankäufe europäischer Unternehmensanleihen durch die EZB könnte sich die Situation bald verbessern, meine Woodward. "Viele multinationale Konzerne werden sich entscheiden, in Europa zu emittieren. So profitieren die Unternehmen von günstigen Finanzierungskosten und reduzieren gleichzeitig das Angebot in den USA."

Angesichts dieser Faktoren und des aktuellen Spread-Niveaus seien vor allem US-amerikanische Unternehmensanleihen interessant. "Der Credit-Sektor bietet weiterhin gute Investmentmöglichkeiten", so Woodward. Nachdem der Markt im vergangenen Jahr und in den ersten Monaten 2016 starke Abverkäufe habe verkraften müssen, seien die momentanen Renditen von 3,92 Prozent im letzten Quartal für Anleger wieder sehr attraktiv. Vor allem das Potenzial von Investmentgrade-Papieren mit vergleichsweise niedrigem Rating (BBB) sei nicht zu unterschätzen. Diese hätten im letzten Quartal eine Rendite von 4,33 Prozent erzielt. Für die richtige Titelauswahl sei aber eine genaue Untersuchung der Fundamentaldaten erforderlich, so Woodward. "Das ist die treibende Kraft für bessere Ergebnisse von Unternehmensanleihen." (10.05.2016/alc/a/a)