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US-Schuldenobergrenze: Es könnte knapp werden!
23.02.23 14:22
Neuberger Berman
New York (www.anleihencheck.de) - Zwischen Juli und September wird der US-Regierung das Geld ausgehen, so die kürzlich veröffentlichte Prognose des Congressional Budget Office (CBO), so Joseph V. Amato, President and Chief Investment Officer Equities, bei Neuberger Berman.
Am 19. Januar hätten die Schulden der USA die gesetzte Obergrenze in Höhe von 31,38 Billionen US-Dollar erreicht. Die Regierung habe "Sondermaßnahmen" ergriffen, etwa Einzahlungen in staatliche Pensionsfonds ausgesetzt und auch keine neuen Anleihen mehr begeben. Könnten sich Regierung und Kongress nicht auf eine höhere Schuldenobergrenze einigen, wären die so gewonnenen finanziellen Mittel jedoch im Sommer aufgebraucht. Der Zahlungsausfall wäre die Folge. Auch Anleihen würden nicht mehr bedient und der weltweite "risikolose" Zins, die Basis des internationalen Finanzsystems, würde in Folge kräftig steigen. Zwar sei eine derart extreme Entwicklung unwahrscheinlich, doch die politische Situation in den USA mache eine schnelle Einigung unwahrscheinlich.
Streit um Schuldenbremse erschüttere Märkte
Für die Erhöhung der Schuldenobergrenze müssten sowohl der Kongress als auch der Präsident zustimmen. Seit dem Zweiten Weltkrieg sei das schon mehr als 100-mal geschehen. Vor der internationalen Finanzkrise sei die Erhöhung der Schuldenobergrenze sogar reine Formalität gewesen. Danach habe die Erhöhung gelegentlich zum Streit geführt. Am dramatischsten sei es 2011 gewesen, als die Republikaner, die im Januar das Repräsentantenhaus übernommen hätten, von Präsident Obama ein niedrigeres Defizit als Gegenleistung gefordert hätten. Am Ende habe der Kongress ein komplexes Gesetzespaket verabschiedet. Die Parteien hätten Ausgabenkürzungen vereinbart und damit eine gewisse Haushaltsdisziplin signalisiert - hätten damit jedoch wahrscheinlich auch die wirtschaftliche Erholung von der Finanzkrise verzögert.
Kurzfristig seu aber noch mehr passiert. Als die USA im August 2011 noch wenige Tage vor einem Zahlungsausfall gestanden seien, habe Standard & Poors als erste große Ratingagentur überhaupt den USA am 5. August das AAA-Rating entzogen. Schon im April habe sie es mit einem negativen Ausblick versehen. Die Märkte hätten reagiert. Zwar hätten in diesen Wochen vor allem die Probleme des Euroraums für Volatilität gesorgt, doch das Drama in den USA sei der Hauptgrund dafür gewesen, dass der S&P 500 (ISIN: US78378X1072, WKN: A0AET0) allein im August um 17 Prozent eingebrochen sei. Die Erholung des Index habe volle sechs Monate gedauert.
Hoher Schuldenstand nähre Zweifel an nachhaltiger Haushaltspolitik
Die Erfahrungen von 2011 seien aber kein heilsamer Schock gewesen - auch 2013 habe es erneut Streit gegeben, seitdem habe der Kongress oft nur für eine Aussetzung der Schuldenobergrenze statt für eine Anhebung gestimmt. Und auch diesmal könne es knapp werden, denn einmal mehr hätten wir es mit einem gespaltenen Kongress zu tun. Die knappe Mehrheit der Republikaner im Repräsentantenhaus mache es nicht besser. Die quälend langsame Wahl von Sprecher Kevin McCarthy im Januar zeige, wie undiszipliniert die Abgeordneten sein könnten. Machtkämpfe würden dabei ebenso eine Rolle wie Ideologie spielen.
Hinzu komme, dass die Schulden der USA von 64 Prozent des BIP im Jahr 2011 auf heute 96 Prozent des BIP gestiegen seien. Für 2033 prognostiziere das CBO sogar 118 Prozent. Auch die Zinsen seien gestiegen: Von 2011 bis 2021 habe die US-Zehnjahresrendite durchschnittlich 2 Prozent betragen, aber heute seien es 3,8 Prozent. Laut Strategas Research Partners dürfte sich die Bedienung der Nettoschulden in den nächsten zehn Jahren von heute etwa 8 Prozent auf fast 16 Prozent der Steuereinnahmen verdoppeln. Gleichzeitig rechne das CBO mit einem stetig steigenden Haushaltsdefizit - von 1,4 Billionen US-Dollar 2023 auf 1,8 Billionen 2028 und 2,7 Billionen 2033. Es werde immer schwieriger, die Verfechter der Haushaltsdisziplin als Ideologen abzustempeln. Irgendwann, wenn auch nicht sofort, werde der risikolose Zins an den Märkten ein Thema.
Kursverluste und höhere Volatilität absehbar
Nicht vergessen sollte man zudem, dass politische Dramen die Finanzmärkte destabilisieren könnten, vor allem wenn ihre Folgen deren Funktionsfähigkeit massiv schaden könnten. Auch wenn Neuberger Berman keine Zweifel an der Kreditwürdigkeit der USA habe und am Markt zurzeit Inflation, Wachstum, Beschäftigung und Leitzinsen die wichtigsten Themen seien, könnte die Schuldenobergrenze in den nächsten drei bis sechs Monaten für zusätzliche Volatilität sorgen. Aber das habe auch ein Gutes: Kursverluste ohne schlechtere Fundamentaldaten würden für Investoren interessante Einstiegsmöglichkeiten schaffen. (23.02.2023/alc/a/a)
Am 19. Januar hätten die Schulden der USA die gesetzte Obergrenze in Höhe von 31,38 Billionen US-Dollar erreicht. Die Regierung habe "Sondermaßnahmen" ergriffen, etwa Einzahlungen in staatliche Pensionsfonds ausgesetzt und auch keine neuen Anleihen mehr begeben. Könnten sich Regierung und Kongress nicht auf eine höhere Schuldenobergrenze einigen, wären die so gewonnenen finanziellen Mittel jedoch im Sommer aufgebraucht. Der Zahlungsausfall wäre die Folge. Auch Anleihen würden nicht mehr bedient und der weltweite "risikolose" Zins, die Basis des internationalen Finanzsystems, würde in Folge kräftig steigen. Zwar sei eine derart extreme Entwicklung unwahrscheinlich, doch die politische Situation in den USA mache eine schnelle Einigung unwahrscheinlich.
Streit um Schuldenbremse erschüttere Märkte
Für die Erhöhung der Schuldenobergrenze müssten sowohl der Kongress als auch der Präsident zustimmen. Seit dem Zweiten Weltkrieg sei das schon mehr als 100-mal geschehen. Vor der internationalen Finanzkrise sei die Erhöhung der Schuldenobergrenze sogar reine Formalität gewesen. Danach habe die Erhöhung gelegentlich zum Streit geführt. Am dramatischsten sei es 2011 gewesen, als die Republikaner, die im Januar das Repräsentantenhaus übernommen hätten, von Präsident Obama ein niedrigeres Defizit als Gegenleistung gefordert hätten. Am Ende habe der Kongress ein komplexes Gesetzespaket verabschiedet. Die Parteien hätten Ausgabenkürzungen vereinbart und damit eine gewisse Haushaltsdisziplin signalisiert - hätten damit jedoch wahrscheinlich auch die wirtschaftliche Erholung von der Finanzkrise verzögert.
Hoher Schuldenstand nähre Zweifel an nachhaltiger Haushaltspolitik
Die Erfahrungen von 2011 seien aber kein heilsamer Schock gewesen - auch 2013 habe es erneut Streit gegeben, seitdem habe der Kongress oft nur für eine Aussetzung der Schuldenobergrenze statt für eine Anhebung gestimmt. Und auch diesmal könne es knapp werden, denn einmal mehr hätten wir es mit einem gespaltenen Kongress zu tun. Die knappe Mehrheit der Republikaner im Repräsentantenhaus mache es nicht besser. Die quälend langsame Wahl von Sprecher Kevin McCarthy im Januar zeige, wie undiszipliniert die Abgeordneten sein könnten. Machtkämpfe würden dabei ebenso eine Rolle wie Ideologie spielen.
Hinzu komme, dass die Schulden der USA von 64 Prozent des BIP im Jahr 2011 auf heute 96 Prozent des BIP gestiegen seien. Für 2033 prognostiziere das CBO sogar 118 Prozent. Auch die Zinsen seien gestiegen: Von 2011 bis 2021 habe die US-Zehnjahresrendite durchschnittlich 2 Prozent betragen, aber heute seien es 3,8 Prozent. Laut Strategas Research Partners dürfte sich die Bedienung der Nettoschulden in den nächsten zehn Jahren von heute etwa 8 Prozent auf fast 16 Prozent der Steuereinnahmen verdoppeln. Gleichzeitig rechne das CBO mit einem stetig steigenden Haushaltsdefizit - von 1,4 Billionen US-Dollar 2023 auf 1,8 Billionen 2028 und 2,7 Billionen 2033. Es werde immer schwieriger, die Verfechter der Haushaltsdisziplin als Ideologen abzustempeln. Irgendwann, wenn auch nicht sofort, werde der risikolose Zins an den Märkten ein Thema.
Kursverluste und höhere Volatilität absehbar
Nicht vergessen sollte man zudem, dass politische Dramen die Finanzmärkte destabilisieren könnten, vor allem wenn ihre Folgen deren Funktionsfähigkeit massiv schaden könnten. Auch wenn Neuberger Berman keine Zweifel an der Kreditwürdigkeit der USA habe und am Markt zurzeit Inflation, Wachstum, Beschäftigung und Leitzinsen die wichtigsten Themen seien, könnte die Schuldenobergrenze in den nächsten drei bis sechs Monaten für zusätzliche Volatilität sorgen. Aber das habe auch ein Gutes: Kursverluste ohne schlechtere Fundamentaldaten würden für Investoren interessante Einstiegsmöglichkeiten schaffen. (23.02.2023/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 7.127,86 | 7.041,57 | 86,2896 | +1,23% | 01.01./01:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| US78378X1072 | A0AET0 | 7.147 | 5.154 | |
12.04.24
, BNP Paribas
US-Notenbank hat keine Eile


