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US-Rentenmarkt: Paukenschlag


05.11.24 08:52
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Woche der Trump-Trades (Kursverluste bei Bonds, Kursgewinne beim USD) startete am US-Rentenmarkt mit einem Paukenschlag, so die Analysten der Nord LB.

Die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries sei am Montag zweistellig gesunken (um 11 Basispunkte auf 4,27%). Neue Umfrageergebnisse vom Wochenende über einen Vorsprung von Harris im Bundesstaat Iowa (traditionell republikanisch) hätten sich instantan in den Kursen von US-Staatsanleihen gezeigt. Auch in Europa habe der Rentenmarkt dies neben mahnenden Äußerungen von Bundesbankchef Nagel über pot. bevorstehenden Zollerhöhungen nach dem Ausgang der US-Wahl wohlwollend zur Kenntnis genommen.

Entsprechend hätten sich auch die Renditen eurodenom. Staatsanleihen (10J), jedoch weniger stark als bei ihren amerik. Pendants verringert. Zinsinvestoren würden nämlich keine teuren Handelsbeschränkungen mögen, welche aber Trump favorisiere (die Auswirkungen wären auch via einer höheren Inflation in Europa zu spüren und würden dadurch auf die einzufordernden Risikoprämien der Bondinvestoren ausstrahlen).

Die Verbraucherstimmung der Deutschen helle sich zum Start des Weihnachtsgeschäfts auf. Konsumenten seien bereit, größere Anschaffungen zu tätigen (außerdem solle weniger gespart wer-den). Das Konsumbarometer sei im November auf 97,25 Punkte (+1 Zähler) gestiegen. Zusätzlich keime vorsichtiger Optimismus hinsichtlich der Einkommenserwartungen auf, wie der Handelsverband Deutschland (HDE) gestern mitgeteilt habe.

Ähnliche Signale kämen von der Bundesbank (Buba). Laut Buba sollte das Lohnwachstum in Deutschland in den kommenden Quartalen "etwas stärker" als im Euroraum ausfallen. HDE: "Möglicherweise ist diese Stimmungsverbesserung der Beginn einer Erholung". Zur Erinnerung: In Q3 sei das dt. BIP getragen durch einen anziehenden Konsum bereits überraschend um 0,2% gewachsen. Es bleibe laut HDE aber abzuwarten, ob es zu einer dauerhaften privaten Konsumerholung kommen werde.

Ob das antizipierte Lohnwachstum die Unternehmen vor Neueinstellungen abhalte, oder ob es die weiter schwache dt. Konjunktur sei, bleibe schwierig zu interpretieren. Jedenfalls habe sich das ifo-Beschäftigungsbarometer im Oktober mit nunmehr 93,7 Punkten (September: 94,0 Punkte) auf den niedrigsten Wert seit Juli 2020 verringert. Adrea Nahles (Chefin der Bundesagentur für Arbeit): "Die Herbstbelebung am Arbeitsmarkt fällt in diesem Jahr weitgehend aus". In die gleiche Kerbe schlage Klaus Wohlrabe (ifo): "Die Unternehmen besetzen eher Stellen nicht neu, als dass sie Mitarbeiter entlassen." Die Lage sei offensichtlich divergent. Bei Volkswagen diskutiere man bekanntermaßen derzeit sogar über Arbeitsplatzabbau und Lohnkürzungen.

Heute stünden unwidersprochen die US-Wahlen im Fokus. In den meisten US-Bundesstaaten gelte bereits als sicher, welcher Kandidat sich durchsetzen werde. Umkämpft seien lediglich die sieben sogenannten Swing States. Unabhängig vom Wahlausgang dürfte die erste Reaktion an der Wall Street Erleichterung sein, "dass das Ereignis hinter dem Markt liegt". Doch sollten Marktteilnehmer mit Schwankungen an den Kapitalmärkten rechnen, solange der Sieger bzw. die Siegerin noch nicht bekannt sei und das könnte ggf. tatsächlich noch einige Tage dauern.

Zuvor dürften in Deutschland neue Quartalszahlen verdaut werden. So würden u. a. der Logistikkonzern DHL, der Online-Modehändler Zalando, Flughafenbetreiber Fraport und Autozulieferer Schaeffler ihre Zahlen veröffentlichen. (05.11.2024/alc/a/a)