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Die US-Notenbank macht ernst


21.01.22 08:45
Raiffeisen Centrobank

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Aktienmärkte haben das Jahr 2022 genauso begonnen, wie sie das alte Jahr 2021 beendet haben: Mit Pluszeichen, so die Analysten der Raiffeisen Centrobank.

Rund um den Globus sei es am ersten Handelstag des neuen Jahres zu Kursgewinnen gekommen. Doch die gute Stimmung habe nicht besonders lange angehalten, im Gegenteil: Es sei schnell Ernüchterung eingekehrt. Insbesondere Aktien aus dem Technologiebereich seien deutlich unter Druck gekommen - laut Goldman Sachs sei es in den ersten Januartagen in diesem Bereich zum stärksten Ausverkauf seit zehn Jahren gekommen.

Den Märkten stoße sauer auf, dass die US-Notenbank im Sitzungsprotokoll von Mitte Dezember, das am 5. Januar veröffentlicht worden sei, eine schnellere Anhebung der Leitzinsen signalisiert habe. Demnach hätten die Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses festgestellt, dass die Inflationsentwicklung höher und hartnäckiger gewesen sei, als zuvor angenommen. Angesichts der Entwicklung der Wirtschaft, des Arbeitsmarkts und der Inflation könne eine schnellere als zuvor erwartete Anhebung der Zinsen gerechtfertigt sein. Insbesondere die Preisentwicklung gebe der US-Notenbank Anlass zur Sorge. Im Dezember 2021 seien die US-Verbraucherpreise um satte 7,0 Prozent gestiegen. Das sei der höchste Zuwachs seit fast 40 Jahren.

Die erste Zinserhöhung in den USA seit mehr als drei Jahren gelte daher als ausgemachte Sache, immer mehr Marktteilnehmer würden nun schon im kommenden März damit rechnen. Aktuell werde von vielen davon ausgegangen, dass im Jahresverlauf 2022 drei weitere Anhebungen folgen würden. Damit nicht genug: Zuletzt hätten sich einige FED-Mitglieder dafür ausgesprochen, schon kurz nach der ersten Zinserhöhung mit der Verringerung der Bilanzsumme zu beginnen. Damit würden auslaufende Anleihen nicht mehr ersetzt, was die Anleihekurse drücken und die Renditen entsprechend erhöhen dürfte. Dies wiederum würde Aktien im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren weniger attraktiv erscheinen lassen.

Auch in der Eurozone habe die Inflation im Dezember mit 5,0 Prozent ein weiteres Rekordhoch erreicht und den Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) verstärkt, dem Beispiel vieler ihrer Mitstreiter zu folgen und die Geldpolitik zu straffen. Die EZB habe noch bis vor kurzem zu der Minderheit gehört, die hohe Inflationsraten als vorübergehend ansehe. Doch das scheine sich nun zu ändern. Steigende Energiepreise könnten die Notenbank laut Direktorin Isabel Schnabel zu einem Vorgehen gegen die Inflation zwingen. Die Wende zu grünen Energiequellen beinhalte das Risiko einer mittelfristig höheren Inflation, habe Schnabel in einer Rede gesagt. Damit zeichne sich auch auf dem alten Kontinent allmählich eine geldpolitische Kehrtwende ab. (Ausgabe vom 20.01.2022) (21.01.2022/alc/a/a)