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US-Notenbank ist bereit, einen Fehler zu akzeptieren


01.12.23 12:00
RBC BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Im November verzeichnete der US-Aktienindex S&P 500 mit einer Rendite von 9 Prozent den siebtbesten Monat der vergangenen 100 Jahre, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay, RBC BlueBay Asset Management.

Auch die Renten-Benchmarks hätten eine so starke Wertentwicklung wie in keinem anderen Monat in den vergangenen 15 Jahren gezeigt. Sei der Festtagsjubel nicht vielleicht etwas verfrüht?

An den zugrunde liegenden Fundamentaldaten habe sich nicht so viel geändert, was solche extremen Ausschläge rechtfertigen würde. Sicherlich seien die Märkte Ende Oktober unter Druck geraten. Außerdem habe US-Notenbankchef Jerome Powell auf dem Treffen des Offenmarktausschusses im Oktober einen eher zurückhaltenden Ton angeschlagen und auf die damalige Verschärfung der finanziellen Bedingungen verwiesen. Diese sei durch die seitherige Rally an den Märkten jedoch vollständig rückgängig gemacht worden. Vor diesem Hintergrund sei anzunehmen, dass er sich auf der bevorstehenden Dezembersitzung gegen eine allzu lockere Haltung stemmen werde - zumal die Kerninflation mit 4 Prozent nach wie vor doppelt so hoch sei wie der Zielwert der Zentralbank.

Nach dem Verständnis der Experten würden es die US-Währungshüter für akzeptabel halten, einen Fehler zu begehen, indem sie die Zinsen zu lange auf einem zu hohen Niveau halten würden. Denn in diesem Fall bestünde die Möglichkeit, den Kurs zu korrigieren und die Zinsen zu senken.

Als inakzeptabel gelte es hingegen, die Geldpolitik zu früh zu lockern. Denn die Wiederaufnahme eines geldpolitischen Straffungszyklus hätte weitaus schädlichere Folgen. Jerome Powell möchte nicht als der moderne Arthur Burns dastehen, der als FED-Vorsitzender die Inflation habe ausufern lassen.

Diese Analyse führe die Experten zu dem Schluss, dass Zinssenkungen erst in der zweiten Hälfte des Jahres 2024 wahrscheinlich seien.

Im Laufe des kommenden Monats werde die Marktliquidität abnehmen. Daher könnten die Renditen bis Ende Dezember wieder in Richtung ihrer jüngsten Höchststände steigen.

Da sich die Marktteilnehmer im vergangenen Monat risikofreudig gezeigt hätten, habe der US-Dollar zuletzt gegenüber allen anderen Währungen nachgegeben. Angesichts eines EUR/USD-Kurses von rund 1,10 würden die Experten jedoch wenig Anlass für eine weitere Abwertung sehen - zumal die US-Wirtschaft nach wie vor besser laufe als viele andere weltweit. In der Tat scheine der Ausverkauf des US-Dollars in den vergangenen Tagen bereits etwas an Schwung verloren zu haben.

In den kommenden Wochen gebe es für Anleger noch viel zu bedenken. Die Märkte würden versuchen, einen Wendepunkt im geldpolitischen Zyklus einzupreisen. Daher würden die Wirtschaftsdaten genau unter die Lupe genommen und Kommentare seitens der Zentralbanken endlos analysiert werden, um nach Hinweisen zu suchen.

Aktuell würden die Marktteilnehmer eine erste Zinssenkung der US-Notenbank im Mai/Juni 2024 in Betracht ziehen. Die Experten seien der Meinung, dass die Märkte derzeit anfälliger für Enttäuschungen seien, wenn die Wirtschaftsdaten relativ positiv bleiben würden oder die Tonalität der FED nicht wesentlich von der bei früheren Sitzungen abweiche.

In diesem Fall würden sich die Experten die Frage stellen, ob die Märkte einen Teil der beeindruckenden Benchmark-Renditen vom November noch vor Jahresende wieder abgeben würden. In ihren Augen scheine das Fest ein wenig zu früh gekommen zu sein - auch wenn sie mit dieser Aussage nicht als Weihnachtsmuffel dastehen möchten. (01.12.2023/alc/a/a)